Dietikon
Lachtrainer gibt Tipps für einen humorvollen letzten Lebensabschnitt

Es wird viel gelacht im Gemeinderatssaal. Dort, wo das Parlament tagt und Vorstösse berät, ist an diesem Dienstagnachmittag von politischer Ernsthaftigkeit keine Spur. Humor ist das alles beherrschende Thema. Genauer: der Humor im Alter.

Sandro Zimmerli
Merken
Drucken
Teilen
Lachen ist gesund und baut Spannungen ab – Lach-Yoga hilft den Senioren, ihre Lachmuskeln zu ölen.

Lachen ist gesund und baut Spannungen ab – Lach-Yoga hilft den Senioren, ihre Lachmuskeln zu ölen.

Sandro Zimmerli

Für die Lacher im voll besetzten Saal ist anfänglich Christian Hablützel besorgt. Der Lachtrainer aus Zürich ist einer Einladung des Seniorenrates gefolgt, um den Besuchern das Thema des Tages näher zu bringen. Dabei bleibt es jedoch nicht. Wie es Hablützels Berufsbezeichnung verrät, lässt sich lachen trainieren. Dazu braucht es nicht viel. «Seien sie offen und bereit zu lachen und dies mit anderen Menschen zu teilen», fordert Hablützel die Besucher auf.

Kinder lachen 400 Mal pro Tag

Dann kann es schon losgehen. Eine erste einfache Übung besteht darin, so zu tun, als ob man ein Telefongespräch führt und dabei lachen muss. Ausgehend von dieser Übungsanleitung wird das Lachtraining Schritt für Schritt erweitert. Am Schluss werden die Besucher dazu aufgefordert, sich ein Problem vorzustellen, das sie in der Hand halten. Dann sollen sie mit diesem Problem spielen, es in die Luft werfen und wieder fangen. «Denn beim Spielen vergisst man das Problem, es wird immer kleiner. Dadurch werden gute Gefühle erzeugt, der Kopf wird durchgelüftet», so Hablützel. Durch regelmässige Anwendung würde dies zu einer positiven Grundstimmung führen. Bereits fünf Minuten täglich reichten aus.

Lach-Yoga nennt sich die Methode, die Atemübungen, Yoga und Lachen auf spielerische Weise verbindet soll. Was das alles mit Humor und dem Alter zu tun hat? Viel, glaubt man der Wissenschaft. Gelotologie nennt sich die wissenschaftliche Disziplin, die das Lachen erforscht. «Untersuchungen zeigen, dass Kinder bis zu 400 Mal pro Tag lachen. Bei Erwachsenen liegt dieser Wert bei 15 Mal», sagt Hablützel. Lachen werde dabei gewissermassen als körperliche Reaktion verstanden. Humor hingegen sei eine Errungenschaft, eine Geisteshaltung, die man sich aneigne. «Selbst im Alter kann man sich Humor aneignen», sagt der Lachtrainer.

Gerade bei älteren Menschen, so Hablützel, sei es aber wichtig, sich einiger Dinge bewusst zu sein. «Angesichts von Gebrechen hat man möglicherweise das Gefühl, dass das Alter nicht zum Lachen ist. Doch das Alter ist eine relative Angelegenheit. Es bietet uns viele Möglichkeiten die Dinge mit Humor zu sehen», sagt Hablützel. Um dies zu erreichen, müssten aber einige Voraussetzungen erfüllt sein (siehe Kontext).

Wie Kokain, nur gesund

Gelingt es einer Person sein Leben mit Humor zu nehmen, dann sei dies eine enorme Bereicherung, ist Hablützel überzeugt. «Lachen verbindet. Es ist ein Schmiermittel», sagt er. Lachen aktiviere den gleichen Gehirnbereich wie Kokain - nur mit dem wichtigen Unterschied, dass es die Gesundheit fördere und sie nicht zerstöre.

Viele Besucher hat die Argumentation überzeugt. «Ich würde mich nicht als besonders humorvoll bezeichnen. Dennoch werde ich die Übungen zu Hause ausprobieren», meint ältere Dame - und lacht.

Anleitung: «Was hilft uns, im Alter humorvoll zu sein?»

Lachen fördert die Gesundheit, hilft Spannungen abzubauen, steigert die Lebensfreude und fördert die Kommunikation. Davon ist Lachtrainer Christian Hablützel überzeugt. Um auch im Alter humorvoll zu sein, und den letzten Lebensabschnitt richtig zu geniessen, empfiehlt er folgende Ratschläge zu beherzigen: «Sagen Sie ja zu ihrer Vergangenheit.» Man soll das Hier und jetzt geniessen. «Sie dürfen sich gut fühlen.» Das Lachen soll nicht zurückgehalten werden. «Setzten Sie Humor-Anker». Das könne durch das Aufstellen eines Fotos einer freundlichen Person geschehen. Witze zu sammeln, könne ebenfalls zur Zielerreichung führen. «Begeben Sie sich in heitere Gesellschaft.» Miesepeter sollen gemieden, gleich gesinnte Menschen gesucht werden. «Verbringen Sie viel Zeit mit kleinen Kindern.» Dies könne durch den Aufenthalt auf einem Spielplatz erreicht werden. Oder natürlich in Gesellschaft der Enkel. «Pflegen Sie ihre Stärken und schauen Sie sich gut.» Möglicherweise könne man mit den eigenen Stärken anderen Menschen helfen. Zum Schluss: «Nehmen Sie sich nicht zu ernst, lachen Sie über sich selbst.» (zim)