Limmattal

Lachse in der Limmat: «Erste Rückkehrer erwartet man 2025»

Der atlantische Lachs wird bis zu 120 Zentimeter gross. Michel Roggo

Der atlantische Lachs wird bis zu 120 Zentimeter gross. Michel Roggo

Bald sind alle Kraftwerke an der Limmat mit Fischtreppen ausgerüstet. Davon profitiert auch der Lachs, sagt Ruedi Bösiger vom WWF.

Der Biber konnte sich an der Limmat wieder ansiedeln. Bald soll Gleiches auch dem Lachs gelingen. Ruedi Bösiger vom WWF Schweiz ist für das Projekt «Lachs-Comeback» zuständig. Er erklärt, wie der Fisch wieder heimisch wird.

Herr Bösiger, Sie wollen, dass der Lachs seinen Weg wieder in die Limmat zurückfindet. Wann erwarten Sie ihn?

Ruedi Bösiger: Bis 2020 soll der atlantische Lachs nach internationalen Übereinkommen der Rheinanliegerstaaten Basel wieder erreichen können. Auch die Kraftwerke rhein- und aareaufwärts müssten bis dann so weit sein, dass der Lachs wieder hinaufwandern kann. So erwartet man erste Rückkehrer in der Limmat bis 2025. Bis sich allerdings eine Population etablieren kann, braucht es nochmals 10 bis 20 Jahre länger.

Ruedi Bösiger ist 49 Jahre alt, verheiratet und Vater von zwei Töchtern. Er lebt in Zürich, in unmittelbarer Nähe der Limmat. Bösiger hat Geschichte und Germanistik in Zürich und Berlin studiert. Danach arbeitete er bei der Stadt Zürich im Schnittbereich Umwelt und Soziales. Nach einem Auslandaufenthalt in Forstprojekten in Zentralamerika und seiner Anstellung bei der Uni Bern für das Inventar der historischen Verkehrswege, hat er das Masterstudium für Umweltwissenschaften nachgeholt. Seit 2005 arbeitet Bösiger für den WWF Schweiz. Dort ist er für das Projekt «Lachs-Comeback», für Flussrevitalisierungen und für die Geschiebesanierung zuständig.

Ruedi Bösiger ist 49 Jahre alt, verheiratet und Vater von zwei Töchtern. Er lebt in Zürich, in unmittelbarer Nähe der Limmat. Bösiger hat Geschichte und Germanistik in Zürich und Berlin studiert. Danach arbeitete er bei der Stadt Zürich im Schnittbereich Umwelt und Soziales. Nach einem Auslandaufenthalt in Forstprojekten in Zentralamerika und seiner Anstellung bei der Uni Bern für das Inventar der historischen Verkehrswege, hat er das Masterstudium für Umweltwissenschaften nachgeholt. Seit 2005 arbeitet Bösiger für den WWF Schweiz. Dort ist er für das Projekt «Lachs-Comeback», für Flussrevitalisierungen und für die Geschiebesanierung zuständig.

Inwiefern können Kraftwerke dem Lachs zu seiner Rückkehr verhelfen?

Fischtreppen bei Wehren helfen, die Gewässer für die Lachse wieder durchwanderbar zu machen. Viele Schweizer Kraftwerke, so auch jene an der Limmat, verfügen schon über solche Fischaufstiegshilfen. Wichtig ist aber auch, dass die Fische die Kraftwerksanlagen abwärts unbeschadet passieren können und nicht von den Turbinen getötet werden. Da besteht noch Handlungsbedarf, auch an der Limmat. Der WWF vermittelt Wissen und fordert dabei Kraftwerkbetreiber und Behörden auf, zu handeln.

Haben Sie Erfolg?

Das Kraftwerk Stroppel bei Turgi hat als eines der ersten Werke in der Schweiz einen Fischschutz und eine Fischabstiegsanlage eingebaut. Auf Druck des WWF sind bei den Kraftwerken Au und Schiffmühle in Baden Passagen entstanden, die den Fischen einen besseren, wenn auch noch nicht optimalen Weg flussabwärts anbieten. Seitenbäche, wie die Reppisch, müssen mit der Limmat so vernetzt werden, dass sie für die Lachse erreichbar sind.

Was wird im Kanton Zürich für den Lachs unternommen?

Das Kraftwerk Dietikon erhält demnächst eine neue Konzession und soll umgebaut werden. Ein lachstauglicher Fischauf- und abstieg ist dabei vorgesehen. Das Kraftwerk Letten der Elektrizitätswerke der Stadt Zürich (EWZ) soll mit einer Abstiegspassage ausgerüstet werden. Beim Wehr unterhalb vom Platzspitz entsteht ein Fischaufstieg. Dies geschieht hoffentlich auch bald beim Kraftwerk Höngg. Dann wären alle Kraftwerke an der Limmat mit Fischtreppen ausgerüstet. Dort wo nötig, müssen die Fischtreppen laut neuem Gewässerschutzgesetz saniert werden.

Wann war der Lachs zuletzt in der Limmat heimisch?

Seit 1950 gilt der atlantische Lachs in der Schweiz als ausgestorben. Die letzten dokumentierten Fänge beziehen sich auf den Rhein. Bis Anfang des 20. Jahrhunderts wurden in der Limmat aber immer noch Lachse gefangen.

Warum lebt er heute nicht mehr hier?

Der Lachs ist ein Langdistanzwanderfisch. Er laicht in Süsswasserflüssen und schwimmt mit zwei Jahren ins Meer, wo er bis an die Küste Grönlands zu seinen Nahrungsgründen wandert. Nach zwei bis drei Jahren im Meer, wenn der Lachs geschlechtsreif ist, kehrt er an seinen Geburtsort zurück. Dort hält er «Lachshochzeit» – er laicht. Die meisten Lachse, die bis zu 1000 km flussaufwärts wandern, sterben danach. Der Bau von Wasserkraftwerken seit Beginn des 20. Jahrhunderts hat dem Wanderfisch seinen Weg in unsere Süssgewässer blockiert.

Stört die Wiederansiedlung des Lachses nach Jahren nicht das hiesige Ökosystem?

Nein, unser Ökosystem hat Potenzial für eine Lachsrückkehr. Aktuelle Untersuchungen aus dem Möhlinbach im Aargau, wo der Lachs seit einigen Jahren versuchsweise besetzt wird, zeigen, dass keine Konkurrenz zwischen Lachs und Bachforellen besteht. Sie besetzen unterschiedliche Nischen.

Wie sieht ein geeigneter Lebensraum für den Lachs aus?

Es braucht vielfältige Flusslandschaften, die man an der Limmat abschnittsweise mit Renaturierungen wiederherzustellen versucht. Als Laichplatz braucht der Lachs lockere Kiesbänke mit sauerstoffreichem Wasser. Mit der Schwanzflosse schlägt das Weibchen bis zu 20 Zentimeter tiefe Laichgruben. Die Jungfische brauchen flache Zonen am Ufer, wo sie sich vor Feinden wie Raubfischen oder Vögeln verstecken können. Bevor die zweijährigen Lachse ins Meer abwandern, halten sie sich in schneller strömenden Stellen des Flusses auf, wo sie auf die Jagd gehen. Ausgewachsene Lachse wiederum brauchen tiefere Stellen im Fluss, wo sie sich ausruhen können und kühleres Wasser vorhanden ist.

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