Verbände
Kurzarbeit ist noch kein Thema im Bezirk Dietikon

Verbände geben sich gelassen – beim Kanton ging erst ein Gesuch für Kurzarbeit aus der Region ein.

Alex Rudolf
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Kurzarbeit stösst im Bezirk Dietikon noch nicht auf grosse Resonanz.

Kurzarbeit stösst im Bezirk Dietikon noch nicht auf grosse Resonanz.

Heike Grasser

Die Möglichkeit auf Kurzarbeit findet keinen grossen Anklang. Aus dem Bezirk Dietikon hat sich erst ein kleineres Unternehmen aus dem Bereich technische Beratung und Planung für Kurzarbeit beworben – dieses Gesuch sei noch in Abklärungen, wie Can Arikan von der Medienstelle beim kantonalen Amt für Wirtschaft und Arbeit (AWA) auf Anfrage sagt. Der Entscheid des Bundesrates von dieser Woche, die Frankenstärke als Grund für die Einführung von Kurzarbeit zuzulassen, sorgte für keinen Ansturm von Gesuchen. Laut Arikan, sind im Januar auf dem ganzen Kantonsgebiet 55 Anträge (Stand gestern) eingegangen, im Januar vor einem Jahr waren es 33. «Von den 55 Anträgen werden acht mit Umsatzeinbussen wegen der Frankenstärke begründet.» Vorwiegend kleinere Gewerbebetriebe aus dem industriellen Bereich wie Maschinenbau würden Gesuche stellen. Insgesamt wären rund 27 Arbeitnehmer auf dem Kantonsgebiet von der beantragten Kurzarbeit infolge der Frankenstärke betroffen. Die Arbeitslosenversicherung (ALV) übernimmt dabei 80 Prozent des Lohnausfalls der Angestellten, deren Pensum reduziert oder gänzlich gestrichen wurde.

Das Wichtigste in Kürze

Die Kurzarbeit hat zum Ziel, Arbeitsplätze langfristig zu erhalten. Ein Betrieb kann die Arbeitspensen seiner Angestellten vorübergehend reduzieren oder ganz einstellen. Diese Massnahme muss beim Kanton gemeldet werden, der prüft, ob die Kurzarbeit tatsächlich dem Erhalt der Arbeitsplätze dient. Die Arbeitnehmer erhalten vom Kanton eine Kurzarbeitsentschädigung, die 80 Prozent des Verdienstausfalls deckt. Auf Lernende oder Temporärangestellte ist das System der Kurzarbeit nicht anwendbar.

Voraussagen sind Kaffeesatzlesen

Dass keines der grösseren Unternehmen aus dem Bezirk Dietikon Kurzarbeit beantragt, ist für Dietrich Pestalozzi, Präsident des Dietiker Industrie- und Handelsvereins, keineswegs ein Zeichen, dass die Frankenstärke am Wirtschaftsstandort Limmattal spurlos vorbeigehen wird. «Erst mit der Entwicklung des Frankens in den kommenden Wochen wird sich zeigen, welche Auswirkungen die Aufhebung des Mindestkurses auf die Region hat», sagt er. Fest stehe lediglich, dass bei einem längerfristigen Verbleib des Euros bei unter 1.20 Franken die exportorientierten Unternehmen leiden werden. «Alles andere wäre Kaffeesatzlesen.» Dass die 1.20-Franken-Grenze von selbst wieder geknackt wird, hält Pestalozzi für unwahrscheinlich. «Daher müssen nun langfristige Lösungen gefunden werden — Kurzarbeit dient nur einer temporären Überbrückung.» Möglich sei etwa eine Erweiterung des Angebotes, die den Preisanstieg für ausländische Abnehmer von Schweizer Produkten rechtfertige.

Zudem zeigt sich Pestalozzi verwundert, über die bereits eingegangenen Anträge auf Kurzarbeit. «In der Regel haben Firmen im Januar noch Aufträge vom letzten Jahr. Möglich, dass die Antragsteller nicht primär des Frankenkurses wegen Kurzarbeit anmelden.»

Andreas Geistlich, Co-Präsident der Schlieremer Wirtschaftskammer und FDP-Kantonsrat, kann sich vorstellen, dass das Kurzarbeitsmodell der Wirtschaft kurzfristig Linderung verschafft. «Zudem wäre der Wirtschaft auch geholfen, wenn sich die Rahmenbedingungen beruhigen. Die Beziehungen zur EU müssen geklärt werden», sagt er. Auch müsse in der Innenpolitik wieder Ruhe einkehren. Wirtschaftsfeindliche Initiativen seien Gift für den Werkplatz Schweiz.

Dass ein Unternehmen aus Schlieren gedenkt Kurzarbeit zu beantragen, ist Geistlich nicht bekannt: «Fakt ist jedoch, dass derzeit viele Unternehmen ihre Budgets anpassen und die Kostenseite überdenken – auch seine Geistlich-Gruppe sei im Moment daran. «Für uns ist Kurzarbeit jedoch kein Thema.»

Gedanken an Optimierung

Laut Fredi Pahr, Präsident der Vereinigung für Industrie, Dienstleistungen und Handel Spreitenbach (IDH) seien vor allem Betriebe mit grossen Lagerbeständen betroffen, die mit der Aufhebung des Euro-Mindestkurses rapide an Wert verloren haben. «Konkret habe ich jedoch noch von keinem Unternehmen vernommen, dass es sich für Kurzarbeit interessiert», sagt er auf Anfrage. Dies jedoch nicht, weil Kurzarbeit keine geeignete Massnahme sei, sondern weil die betroffenen Unternehmen noch keine Aussicht auf langfristige Besserung sehen. «Es ist jedoch klar, dass man erst abwarten muss, wie sich der Euro-Franken-Kurs weiterentwickelt», so Pahr.

Im Bezirk wurde die Einführung von Kurzarbeit letzmals im Jahr 2012 publik – bei der damals in Dietikon, heute in Killwangen, beheimateten Rapid Gruppe. Der Einbruch der Gesamterlöse im ersten Halbjahr von rund 29 Prozent war der Grund. Die Kurzarbeit-Phase habe rund ein Jahr angedauert und nur bedingt geholfen, wie Lukas Zumstag, Leiter Marketing bei Rapid, auf Anfrage sagt. Zudem sei aktuell aufgrund des Auftragsbestands keine Einführung von Kurzarbeit geplant, obwohl die Frankenstärke auch Umsatzeinbussen für Rapid zur Folge habe.