Uitikon

Kurz vor der Premiere musste ein neuer Regisseur her

Regisseur Jürg C. Maier im Bühnenbild der neuen Produktion.

Mit Jürg C. Maier holte die Theatergruppe Waldegg-Bühne einen erfahrenen Leiter ins Boot, der die Proben zur Komödie «Hoppla… Frau Marquart» zu Ende führte

Bereits steht das Bühnenbild im Saal vom Üdiker-Huus: Eine grosszügige, in Weiss und Gelb gehaltene Wohnung, vor der sich das neunköpfige Ensemble der Theatergruppe Waldegg-Bühne aus Uitikon aufstellt. Schon bald findet die Premiere der Produktion «Hoppla … Frau Marquart» statt. Die Stimmung ist entspannt und Regisseur Jürg C. Maier erklärt, welche Szenen geprobt werden. Schnell nehmen die Darsteller ihre Position ein und beginnen mit einer delikaten Szene, in der Eric Huber die Hosen vor Sabine Steigmeier runterlässt.

Im Stück geht es schliesslich um Seitensprünge. «Schau ihr dabei in die Augen», ruft Maier auf die Bühne. Alles funktioniert. Es ist ein eingespieltes Team und nichts deutet darauf hin, dass diese Konstellation so nicht vorgesehen war.

Denn: Maier wurde erst im Januar mit der Regie betraut. Ein halbes Jahr nach dem Start der Vorbereitungen und in der intensiven Probephase. Der Zürcher ersetzte auf den letzten Metern Regisseur Harry Sturzenegger, der seit 2014 für die Theaterstücke der Waldegg-Bühne verantwortlich zeichnet und auch die neue Produktion in die Wege leitete. Aus privaten Gründen musste sich Sturzenegger im Dezember zurückziehen.

Da die Aufführungen immer näher rückten, war guter Rat teuer. Glücklicherweise ist der Verein dank seines 29-jährigen Bestehens gut vernetzt. «Ich erhielt einen Anruf von Sabine Steigmeier mit der Frage, ob ich einen Regisseur kenne, der kurzfristig einspringen könne. Da habe ich mich gleich selbst anerboten», sagt Maier.

Jürg C. Maier, Theaterregisseur

«Es gibt ganz simple Methoden aus der Hypnose, um mit einem Ensemble zu arbeiten.»

Jürg C. Maier, Theaterregisseur

Ein rasantes Stück

Für ihn ist es eine Rückkehr nach Uitikon. Bereits vor 15 Jahren wurde er als Regisseur für die Waldegg-Bühne engagiert und inszenierte dort Komödien wie «Schlafzimmergäste» oder «Schlüssel für zwei». Nun wird er die Geschichte rund um Frau Marquart zu Ende führen. «Das Ensemble hat mich mit offenen Armen aufgenommen», sagt er. Die Dankbarkeit sei von Beginn weg gross gewesen und man habe sich schnell gefunden.

«Hoppla … Frau Marquart» ist wie für die Waldegg-Bühne geschrieben worden. Es ist eine klassische Komödie aus der Feder von Ray Cooney und John Chapman, die im englischen Original den Titel «Move over, Mrs. Markham» trägt. Das Lustspiel in zwei Akten kann auch als ein «Tür-auf-Tür-zu-Karussell» beschrieben werden (siehe Zweittext). Verwechslungen und Verwirrungen dominieren das Spiel um gewollte und erfundene Affären. «Bei diesem Stück ist es wichtig, dass es rasant zu- und hergeht», sagt Maier.

Der erste Akt, in dem das Publikum in das Stück und dessen Charaktere eingeführt wird, konnte noch mit Harry Sturzenegger, der auch die Dialekt-Bearbeitung des Stücks schrieb, geprobt werden. Hingegen kommt es im zweiten Teil, den nun Maier inszeniert, zum grossen Aufeinanderprallen der Figuren. «Es fiel mir leicht, mich in die Regie und den Stoff einzuleben», sagt Maier. Wegen des späten Einstiegs in die Produktion verzichtete er auf jegliche Änderungen und übernahm Probeplan wie Ideen von Sturzenegger.

Der Hypnotiseur

Die jüngste Uitiker Produktion reiht sich ein in die lange Liste der Stücke, die Maier inszeniert hat. Spezialisiert auf die Regie bei Amateurtheatern, tritt er auch als Schauspieler auf der Bühne, im TV und in Filmen in Erscheinung. Ebenso machte er sich als Schauspiel-Coach einen Namen. «Radio Zürisee» nannte ihn nicht umsonst einen Tausendsassa. Und neben seinem vertrauten Metier eröffnete er sich noch ein weiteres Feld: die Hypnose. «Vor rund vier Jahren habe ich mich zum Hypnosetherapeuten ausbilden lassen. Es ist eine faszinierende Methode, um Menschen bei vielen Problemen zu unterstützen.»

Die Hypnose kann Maier auch in der Welt des Theaters anwenden. Nicht, dass er als Regisseur sein Ensemble in Trance versetzen würde. «Es gibt ganz simple Methoden aus der Hypnose, um mit einem Ensemble zu arbeiten.» So achtet er beispielsweise bei seinen Inszenierungen immer darauf, dass er die Darsteller konsequent nach ihren Rollennamen anspricht und so den fiktiven Charakter auch neben der Bühne pflegt. «Das ermöglicht eine direktere Kommunikation und man kommt schneller auf den Punkt, was für die Gestaltung der Rolle wichtig ist.»

Bei der Waldegg-Bühne konnte Maier dies weniger anwenden, da er erst gegen Schluss zur Produktion stiess. Das tue dem Spass, den er mit dem Ensemble in Uitikon hat, keinen Abbruch. «Sie wissen, wer sie sind und was sie können», sagt er. «Sie führen sich nicht wie Stars auf, und das macht das Arbeiten sehr angenehm.» Er habe schon andere Amateurgruppen erlebt, die dermassen von sich überzeugt waren, dass sie nur scheitern konnten. Weil dies bei der Waldegg-Bühne nicht der Fall sei, dürfe man tolle Leistungen des Ensembles erwarten. «Die Spielfreude ist ein Gewinn.»

Hoppla … Frau Marquart

Premiere: Samstag, 23. Februar, 20 Uhr.

Weitere Daten: 27. Februar; 1., 2., 8. und 9. März jeweils um 20 Uhr sowie am 10. März um 14 Uhr.

Üdiker-Huus, Zürcherstrasse 61, Uitikon

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