Schlieren
Künstler Rixlöm: 80 Spiegel einer desillusionierten Welt

Der unter dem Pseudonym arbeitende Künstler Rixlöm stellt erstmals seit Jahren wieder aus. Er macht den Anfang zu einem vierteiligen Zyklus der Kunstkammer AZB.

Daniel Andrés Egli
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Beklemmend: Die Aquarelle zeigen Menschen in unterschiedlichen Zuständen.dae

Beklemmend: Die Aquarelle zeigen Menschen in unterschiedlichen Zuständen.dae

Es ist eine beeindruckende Kulisse, die die Kunstkammer der Arbeitsgemeinschaft Zürcher Bildhauer (AZB) in Schlieren umgibt. Allein schon der Gang durch die teils historischen, teils modernen Industrieanlagen des Schlieremer Gaswerkareals ist ein Erlebnis.

Zwischen unfertigen Bildhauerskulpturen und einigen Baracken steht dann ein hoher Raum, durch dessen transparentes Dach vereinzelt Sonnenstrahlen dringen, die es durch die dicke Wolkendecke geschafft haben. Sie beleuchten die Ausstellung, des unter dem Pseudonym laufenden Zürcher Künstlers Rixlöm mit dem klingenden Titel: «2000 Jahre Nächstenliebe».

Erfindet, definiert und gestaltet

«Ich finde es wunderbar, wenn sich dieser kreative Raum am Rande der Stadt immer wieder neu erfindet, definiert und sich gestaltet», sagt der Schlieremer Stadtpräsident Toni Brühlmann-Jecklin, der die Ausstellung zum Ziel seines Sonntagsspaziergangs gemacht hat. Die Ausstellung empfinde er als ein wenig beklemmend, aber sehr zu ihrem Titel passend, so der SP-Politiker.

Das Gefühl der Beklemmung von Brühlmann kann man nachvollziehen. Rixlöm eröffnet mit seiner Ausstellung «2000 Jahre Nächstenliebe», in der er unzählige kleine Aquarellbilder von Köpfen in die Kunstkammer gehängt hat, einen vierteiligen Ausstellungszyklus mit dem Titel Conditio Humana, einen Zyklus zu den Bedingungen und dem Zustand des Menschseins.

Als Betrachter wird man in der Kunstkammer regelrecht von Rixlöms Bildern in die Mangel genommen. Aus den Aquarellen blicken Dutzende von Menschen in unterschiedlichen Zuständen und kreisen den Ausstellungsbesucher im engen Raum der Kunstkammer ein. Es ist die Darstellung einer desillusionierten Welt, in der das menschliche Subjekt verzweifelt, grotesk und hilflos dem Kollaps entgegenhinke, wie man auf einem kleinen Informationsblattblatt liest, das beim Eingang der Kunstkammer aufliegt.

Das Gemeinschaftsgefühl

Rixlöm arbeitet normalerweise in seinem Atelier im Zürcher Kreis5. «2000 Jahre Nächstenliebe» ist seine erste Ausstellung seit Jahren. «Ich befand mich in einer Schaffenskrise. Damals habe ich mir auch mein Pseudonym ‹Rixlöm› zugelegt», erzählt der Mitbegründer des Zürcher Kunstraums «Kunsthaus Oerlikon». Es gehe ihm um die Darstellung der ewigen, menschlichen Versuche der Kontaktaufnahme. So werden die über 80Einzelporträts, vereint in einer Installation, zu einem Spiegel der Gesellschaft, der zunehmend eine der wichtigsten menschlichen Eigenschaften fehle: das Gemeinschaftsgefühl.

Die Ausstellung «2000 Jahre Nächstenliebe» hat samstags und sonntags zwischen 12 und 17 Uhr in der Kunstkammer der AZB an der Gaswerkstrasse15 geöffnet. www.kunstkammer.ch