Bergdietikon
Kunstgalerie Bachlechner lädt zu einer Zeitreise ein

«Zeitreise 1914 bis 2014» - so lautet das Thema der Ausstellung, welche man momentan in der Kunstgalerie Bachlechner besuchen kann. Die Ausstellung soll den Blick weg von den unwichtigen und hin zu den wirklich wichtigen Dingen im Leben lenken.

Daniel Diriwächter
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«Zeitreise 1914 - 2014» - Ausstellung in der Kunstgalerie Bachlechner
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Die Künstlerin Doris Bosshard-Columberg beachtet kritisch ihre Collage zur Friedensnobelpreisträgerin Berta von Suttner.
Der Freiheitskämpfer von Jan January Janczak, im Vordergrund eine seiner Skulpturen.
Kunstgalerie Bachlechner lädt zu einer Zeitreise ein.
Hans Peter Profunsers mächtige Skulptur „Der rote Teppich“ überwacht mahnend die Ausstellung „Zeitreise 1914 – 2014“

«Zeitreise 1914 - 2014» - Ausstellung in der Kunstgalerie Bachlechner

Daniel Diriwächter

Die Kunst galt schon immer als das Spiegelbild der Zeit, ihren Ereignissen und den daraus resultierenden Konsequenzen. Sie vermittelt Botschaften und prägt unsere Gesellschaft und deren Denken.

Doch gerade die heutige Gesellschaft ist es, die in der Galerie Bachlechner zurzeit in der Kritik steht. Hanns Bachlechner fand mit dem Ausstellungsthema «Zeitreise 1914 bis 2014» ein Fenster, das schonungslos Vergangenes und Aktuelles aufzeigen kann. In seiner Rede an der Vernissage am Samstag fand er klare Worte: «Es genügt heute, zu funktionieren», so der Galerist. Belanglosigkeiten regieren unser Leben, während Gewinnmaximierung und Wachstum den Ton angeben.

Er findet damit, ohne es selbst anzudeuten, auch eine Verbindung zu den Zürcher Festspielen, deren diesjähriges Motto in die gleiche Richtung zielt: «Prometheus - Entfesselung der Kräfte» behandelt jenen Sohn der Titanen, der den Menschen das Feuer brachte, durch seine vermeintlichen Wohltaten allerdings auch Streit und Chaos säte.

Der Mensch habe in all den Jahren nichts dazugelernt, meint auch Hanns Bachlechner. Er erinnert daran, dass es die Kunst sei, an der wir uns wieder orientieren sollten: «Sie erinnert an all das Wichtige im Leben.»

Damit dies gelingt, lud er sechs Künstler ein, die ihre Ideen aus den vergangenen 100 Jahren schöpften und eigens für die «Zeitreise» eine Auswahl ihrer Werke zusammenstellten - oder neue schufen.

Vom Maidan in den Hades

Anklagend und voller Symbolik fesseln die Bilder von Jan January Janczak. Sein jüngstes Werk ist dem Maidan-Platz in Kiew und den dortigen Unruhen gewidmet: Es zeigt einen schreienden, fliegenden Jüngling, unter ihm eine Art Straflager.

«Meine Bilder hier sind ein Statement zu politischen Szenarien», so der polnische Künstler. Selbst die Erde verbannt er in einem seiner überdimensionalen Bilder in ein Gefängnis. Düster wirken diese jedoch selten - helles Licht gibt darin stets einen Funken Hoffnung wieder.

Auf satirische Art zeigte der Dietiker Künstler Arnold Dürst Visionen von Ereignissen und Personen. Besonders sein Bild «Osama Bin Haden» lässt eine interessante Diskussion zu. «Bin Laden war ein Teufel auf Erden, ich verbanne ihn in eine Unterwasserwelt, von einem Kraken bewacht, und gebe ihm den neuen Namen Haden», so Dürst. Dies in Anlehnung an Hades, den Herrscher der Unterwelt.

Eine weibliche Sicht der Dinge zeigt Künstlerin Doris Bosshard-Columberg mit «Frauen im Krieg» mit drei Collagen über Mata Hari und Berta von Suttner. Die legendäre Spionin, die so schön wie verwegen war, steht hier im Kontrast zur ersten Frau, die den Friedensnobelpreis erhalten hat.

Denkwürdig auch die zwölf Malereien des Dietikers Rainer Oberhänsli-Widmer: Jede wurde mit einem Text ergänzt, der Israels Geburt aus dem Exil beschreibt. Für die Schriften zeichnet Ehefrau Gabrielle verantwortlich. Sie erläuterte an der Vernissage den «Psalm 137», der die Sehnsucht des jüdischen Volkes nach der Heimat wiedergibt.

«Nur» durch ihre Werke anwesend waren Sonja Capeller mit ihrer Serie «To be Continued» und Hans Peter Profunser, dessen mächtige Skulptur «Der rote Teppich» mahnend die Ausstellung überwacht. Beide Künstler werden zu einem späteren Zeitpunkt über die Zeitreise sprechen, die in Bergdietikon noch bis zum 27. Juli dauert und - ohne Zweifel - viele Erinnerungen wachrufen wird.

Zeitreise 1914 - 2014 in der Kunstgalerie Bachlechner in Bergdietikon. Nächste Apéros: 6., 13. und 20. Juli, jeweils von 13 bis 16 Uhr.