Geroldswil
Kunst und Kommerz am Forum Wirtschaftsstandort Limmattal

Das 14.Forum Wirtschaftsstandort Limmattal überraschte mit höchst unterschiedlichen Gästen. Beispielsweise Ernesto Graf, der Mitbegründer von «Karl's kühne Gassenschau», der schweizweit bekannten Comedy- und Spektakeltruppe.

Flavio Fuoli
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«Unternehmen Zukunft» war das diesjährige Forum der Limmattaler Zeitung betitelt. Wie man dieses angehen kann, das wollten mehrere Hundert Vertreter der hiesigen Wirtschaft und Politik im Hotel Geroldswil erfahren. Sie mussten ihr Kommen nicht bereuen. Zwei Unternehmer mit höchst unterschiedlichen Lebensphilosophien traten auf.

Da war Balz Halter, VR-Präsident der Halter AG, der das Unternehmen zu einem führenden Gesamtdienstleister der Schweizer Bau- und Immobilienbranche gemacht hat. Sein Vortrag fing im London um 1900 an, als Fuhrwerke den Verkehr dominierten. Man wollte sie bald abschaffen, weil sie zu viel Mist produzierten.

Das Auto war die Lösung, doch nicht auf Dauer. Halter präsentierte den Tesla, das Elektroauto, das einem Computer auf vier Rädern entspreche. Er verspricht sich viel von technischen Lösungen, vor allem im Elektrobereich. Er lobte die Photovoltaik, die immer günstigeren Strom produzieren werde. «Der Strom ist eine unglaubliche Erfolgsgeschichte», sagte er, nur sei er dumm.

Halter sprach von technischen Neuerungen, welche die Stromnetze intelligenter machten. Damit würden Geräte miteinander und mit ihrem Benutzer kommunizieren können. Die Haushaltgeräte würden in Zukunft zentral gesteuert werden können. Er sprach vom «Internet der Dinge», welche die Digitalisierung mit sich bringe.

Natürlich kam er auf ein praktisches Beispiel zu sprechen: den 80 Meter hohen Limmattower, der bis in zwei Jahren das höchste Gebäude in Dietikon darstellen wird. «Diese Technik wird heute schon verbaut, nämlich im Limmatfeld», freute er sich auf die digitale Zukunft.

Dichteres Bauen für Schonung der Aussenräume

Das Limmatfeld weise eine andere Struktur auf als das übrige Dietikon. Es werde verdichtet gebaut, städtischer eben. Diese Gebiete müssten zentral liegen, was hier der Fall sei. «Es passiert etwas im Limmattal», sagte er und nannte die Limmatstadt, die von Schlieren bis Baden reichen wird.

Überall hier soll dichter gebaut werden, auch deshalb, damit die Aussenräume geschont werden können. «Es herrscht ein enormer Siedlungsdruck im Limmattal. Man kann ihn nicht verhindern, sondern muss ihn gestalten», folgerte Balz Halter. Als grosse Chance in diesem Zusammenhang sieht er die Limmattalbahn. «Die wenigsten sehen die Chance, aber sie ist ein Riesengeschenk von Bund und Kanton an die Region. Die Limmatstadt wächst damit zusammen.»

Langsames Wachstum als Geheimrezept

Sozusagen den Kontrapunkt zu Halter bildete Ernesto Graf, der Mitbegründer von «Karl’s kühne Gassenschau», der schweizweit bekannten Comedy- und Spektakeltruppe. Im Interview mit Liz-Chefredaktor Jürg Krebs erfuhr man, dass er einem 100-Mann-Betrieb vorsteht, der ständig gewachsen ist. Das Geheimnis des Erfolgs sei das langsame Wachstum gewesen, verriet Graf über das 1984 gegründete Unternehmen.

Man sei alle paar Jahre mit viel Plausch und kleinen Schritten vorwärtsgegangen. Es sei dann nötig gewesen, Strukturen zu bilden. Anfangs hätten alle alles gemacht, was mit der Zeit aber nicht mehr funktioniert habe. Trotzdem lege man bei der Führung des Unternehmens Wert darauf, dass sich alle einbringen können, bis zum Parkplatzeinweiser. Heute würden die vier übrig gebliebenen Gründungsmitglieder die Truppe führen.

Was ihnen geblieben sei in all den Jahren sei der Mut zu Neuem. Auf die Frage, ob sie risikofreudig seien, antwortete Graf: «Wir lieben Herausforderungen und haben untereinander den Wettbewerb der Ideen.» Was bei ihnen nicht funktioniere, sei, ein Budget einzuhalten. Das hätten sie schon mehrmals versucht, ohne Erfolg. Sie hofften dann einfach auf genügend Zuschauer, welche das Geld in die Kasse bringen würden. Das ging bislang gut. Die Truppe und ihre Aufführungen wachsen weiter.

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