Mein Ding
Kunst ist etwas, das aus dem Herzen entsteht: Eine 34-jährige Frau erzählt über die Liebe zur Malerei

Von Lydia LIppuner
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Die Künstlerin Sabrina Castioni vor ihrem Lieblingsbild, das Anakin Skywalker zeigt. LyL

Die Künstlerin Sabrina Castioni vor ihrem Lieblingsbild, das Anakin Skywalker zeigt. LyL

Eine Prinzessin, die Stadt Venedig, Anakyn Skywalker aus «Star Wars»: Die Neocolor-Bilder in der Wohnung von Sabrina Castioni fallen sofort ins Auge. Obwohl das neue Zuhause der Familie noch nicht fertig eingerichtet ist, hat die zweifache Mutter diese schon aufgehängt. «Das ‹Star Wars›-Bild ist mein Lieblingsbild. Es zeigt das Gute und Böse in einem Menschen», sagt Castioni. Sie habe stunden- und tagelang an diesem Bild gemalt. «Für die Augen brauchte ich rund 40 Farben, bis sie diese Lebendigkeit erhielten», sagt sie.

Früher war es nicht weit her mit ihrer Geduld: «Schon als Mädchen begann ich zu zeichnen – Prinzessinnen – wie jedes Mädchen», sagt sie. Doch sie habe vor der Vollendung immer aufgegeben und wollte, dass ihre Mutter fertig zeichnete. Sie habe ein perfektes Resultat gewollt. «Im Teenageralter setzte ich mich schliesslich hin und zeichnete Strich für Strich, bis ich zufrieden war mit dem Ergebnis.»

Zum Malen kommt die 34-jährige im Moment nur selten. Denn ihre Kinder haben Priorität: «Mein Sohn kommt jetzt in die Pubertät und wir sind gerade umgezogen.» Deshalb habe sie eine Pause einlegen müssen, sagt Castioni. Wenn sie von Zeit zu Zeit doch wieder malt, taucht sie in die Musik ab, um sich besser konzentrieren zu können. Niemand und nichts darf sie dann ablenken: Ihr selbstständig arbeitender Ehemann kümmert sich dann um den Nachwuchs.

Sie unterhält Tausende Follower

Trotz Zeitmangel verfolgt sie ihre Kunstprojekte auf eine andere Art weiter. Auf Instagram folgen ihr zurzeit 11'700 Abonnenten. Diese unterhält sie mit Bildern und Videos. In letzter Zeit experimentiert sie vor allem mit der Social-Media-App «Musical.ly». Mit dieser kann man Musik- und Tanzvideos erstellen.

Dass viele «virtuelle Freunde» auch eine Belastung werden können, weiss Castioni aus eigener Erfahrung. Die Zahl ihrer Facebook-Freunde stieg innert einiger Tage auf 5000 an. Später sei sie auf die Social-Media-Plattform Instagram umgestiegen. Die vielen persönlichen Nachrichten auf beiden sozialen Plattformen seien ihr jedoch bald zu viel geworden: Heute empfängt sie keine persönlichen Nachrichten mehr. «Freunde», die sexistische Kommentare schreiben, blockiert Castioni gleich. «Anfangs schrieb ich zurück. Doch dann merkte ich, es bringt einfach nichts», sagt sie.

Castioni ist stadtbekannt: Die Künstlerin, die jetzt ins nahe Rudolfstetten gezügelt ist, wohnte während 33 Jahren in Dietikon. Dort präsentierte sie ihre Fähigkeit auch einmal auf öffentlichem Grund. Sie pinselte ein Auge unter die Hasenbergstrassenbrücke über die Reppisch. Doch die Polizei erwischte sie. «Ich habe nach diesem Erlebnis nie mehr etwas Illegales gemacht», sagt Castioni. Denn die Folge ihres Streichs sass ihr noch lange im Nacken: Ihr Ehemann, der als Begleitung mitkam, verbrachte eine Nacht im Gefängnis und sie ein Wochenende in der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich.

«Kunst kommt aus dem Herzen»

Für Castioni ist Kunst, egal ob Tanz, Zeichnen oder Musik, etwas, das «aus dem Herzen entsteht». Sie mag sich dabei nicht auf ein Sujet oder einen Stil festlegen. «Die Gefühle sind meine Inspiration», sagt sie. Es hätte auch Bilder gegeben, die sie völlig verhauen habe. Trotzdem zeichnete sie weiter und entwickelte ihren eigenen Stil in den letzten Jahren.

«Später möchte ich mich wieder vermehrt dem Zeichnen, dem Ausstellen und dem Verkauf der Bilder widmen», sagt Castioni. Bis diese Zeiten kommen, werden ihre Werke die Wohnung verschönern und ihr bei der einen oder anderen Tanzeinlage als Kulisse dienen.

In der Rubrik «Mein Ding» stellen Limmattaler ihre Leidenschaft vor. Sind auch Sie «besessen» von einer Sache? Wollen Sie zeigen, was Ihr Ding ist? Dann schreiben Sie uns ein E-Mail an redaktion@limmattalerzeitung.ch oder einen Brief an Limmattaler Zeitung, Redaktion, Heimstrasse 1, 8953 Dietikon