Sie steht für Weisheit, Sehnsucht oder Treue: die Farbe Blau. Obwohl Blautöne zu den sogenannten «kalten Farben» gezählt werden, haben sie nachhaltig die Kultur geprägt. Gerade für die Kunst ist die Farbe wegweisend. Man denke dabei «nur» an die Blaue Periode von Pablo Picasso oder an Yves Klein, dessen Werke von Blau bestimmt sind. Es verwundert nicht, dass das Galeristen-Paar Béatrice und Hanns Bachlechner aus Bergdietikon schon lange eine Ausstellung dieser Farbe widmen wollte. Deren Vorhaben avancierte zu einem einmaligen Projekt, das nun im Wiesental zu sehen ist.

Stolze 40 Künstlerinnen und Künstler stellen im Haus der Bachlechners ihre Werke aus. «Wir begannen die Planung mit einer Ausschreibung und waren selbst überrascht, wie viele Namen wir schliesslich auf der Liste hatten», sagt Béatrice Bachlechner.

Sie kümmert sich insbesondere um die administrativen Belange, während ihr Ehemann Hanns Bachlechner über die Auswahl der Künstler und deren Werke sowie deren Position in der Galerie entscheidet – gegen 200 Bilder und Skulpturen sind es geworden. «Mit wenigen Ausnahmen wurden sämtliche Werke speziell für unsere Ausstellung geschaffen», so Béatrice Bachlechner.

Bei den Künstlerinnen und Künstler handelt es sich um Persönlichkeiten, die sich sowohl international wie national einen Namen machten, als auch regionale Kunstschaffende wie Dora Haug oder Rainer Oberhänsli-Widmer (siehe Kasten). Eine Mehrheit von ihnen hat sich im Kunstmarkt etabliert, deren Werke sind in Museen zu sehen oder sie erschaffen Auftragsarbeiten. «Wir bieten aber auch eine Plattform für unbekannte Talente», so die Galeristen. Man gebe diesen mit der Teilnahme somit ein Fenster, um sich einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen.

Miteinander verbunden

«Es ist einzigartig, dass so viele Personen gleichzeitig bei uns ausstellen und dass alle nebeneinander bestehen können», sagt Béatrice Bachlechner. Keiner nehme dem anderen etwas weg. Obwohl durch blaue Farben verbunden, trägt jede Arbeit ihr eigenes Merkmal. Darunter sind neben klassischen Objekten wie Acryl auf Leinwand oder Bronze-Skulpturen auch andere Methoden zu bestaunen, wie etwa Bilder, gemalt aus Sand und Erde, oder Figuren, gefertigt aus Plexiglas oder Holz.

So unterschiedlich die Machart, so unterschiedlich auch der Stil; von abstrakt bis gegenständlich eröffnen sich viele Welten. Und es finden sich in ihnen auch kritische Themen wieder, wie die Unterdrückung der Frau.

Innerhalb von nur drei Tagen mussten sämtliche Werke angeliefert werden, da erst vor einer Woche eine Ausstellung beendet wurde. Es waren intensive, aber auch lustige Tage des Aufbaus, wie Béatrice Bachlechner sagt. «Alle hatten die Gelegenheit, sich kennenzulernen und sich auszutauschen, bevor sie sich mehrheitlich an der Vernissage wieder sehen.»

Leben mit der Kunst

Sie alle sorgen dafür, dass man beim Betreten der Galerie sogleich von der Farbe Blau umarmt wird. Dem Sog, den die Werke gemeinsam ausüben, kann man sich kaum entziehen. Zumal die Räumlichkeiten auch der Wohnort von Béatrice und Hanns Bachlechner sind. So können Besucher etwa das Wohnzimmer oder die Küche besuchen, in welchen ebenfalls ausgewählte Kunst zu sehen ist. «Kunst ansehen bedeutet mehr, als nur in einer Galerie zu stehen. Wir möchten auch vermitteln, wie es ist, mit der Kunst zu leben, sie in das Leben mit einzubeziehen», sagt Béatrice Bachlechner.

Die Ausstellungen in der Galerie Bachlechner, die im nächsten Jahr ihr 20-jähriges Bestehen feiert, startet heute mit einer Vernissage mit Abendprogramm. «Es wäre unmöglich, alle Kunstschaffenden dem Publikum in kurzer Zeit vorzustellen», sagt Béatrice Bachlechner. Daher wird neben der Ansprache durch Hanns Bachlechner auch der Künstler, Filmemacher und Dichter Martin Schinagl aus Kärnten durch den Abend führen. «Er wird mit seiner humorvollen, aber auch tiefgründigen Art die nötige Balance finden, um allen gerecht zu werden», sagt sie. Auch für eine musikalische Umrahmung ist gesorgt: Der Pianist Felix Waldispühl liefert den Soundtrack des Abends. Eine Tanzperformance ist ebenfalls geplant.

«Am wichtigsten bleibt aber die Kunst», so Béatrice Bachlechner. Sie und ihr Mann werden nun zwei Monate inmitten blauer Farben leben. So lange dauert die Ausstellung.