Bruno Weber (1931-2011) ist zeitlebens als Architekt seiner Träume aufgetreten und hat mit dem Bruno-Weber-Park oberhalb von Dietikon einen fantastischen Skulpturenpark geschaffen. Ganz anders der Oetwiler Jakob Alt. Seine im Wiesentäli ausgestellte Kunst manifestiert sich nicht in der Abkehr von der Welt, sondern gerade in der Hinwendung.
Webers Traum ist für die Ewigkeit gedacht, Alts Kunst erfasst den Moment. Zum Nachdenken will Alt anregen, zum Träumen Weber.

Der Zufall will es, dass derzeit Alt wie Weber Anlass zu Diskussionen geben. Alt mit seiner Limmattaler Version eines Hafenkrans, der in der Stadt Zürich die Gemüter nicht nur erhitzt, sondern zum Glühen bringt. Weber, respektive seine Witwe, mit einer weiteren Runde im mittlerweile epischen Streit mit der Stiftung Bruno-Weber-Park, die einen Teil des Werks verwaltet. Der Blick auf die aktuellen Kontroversen zeigt: In ihnen spiegelt sich auch der Charakter der Künstler.

«Köbi» Alt ist kein Nachahmungstäter. Sein Hafenkran am Waldrand ist keine Ideenkopie von jenem, der im April am Limmatquai zu stehen kommen wird. Alts Version ist vielmehr als Kritik gedacht. Warum, so fragt Alt Anfang Woche laut, soll ein tonnenschwerer Kran vom norddeutschen Rostock nach Zürich transportiert werden? Denn davon hänge die Aussage nicht ab, die da lautet: Die Limmat war einst ein wichtiger Schifffahrtsweg. Es gab Pläne, die Zürich per Wasserstrasse mit dem Meer verbinden wollten.

Zwar darf Kunst alles, wie Künstler oft genug fordern. Doch Alt schiebt ein, dass sich auch die Kunst nicht um die Ressourcenfrage foutieren kann. Und deshalb ist Alts fünf Meter hoher Hafenkran aus recycliertem Schrott und sieht auf den ersten Blick dennoch aus wie echt. Zudem wäre der Transport seines Werks ins nahe Stadtzentrum ökologischer als der Transport eines Krans von Deutschlands Norden ins südliche Zürich. Ans Limmatquai gestellt, würde Alts Kunst nicht nur auf ein maritimes Zürich hinweisen, sondern gleichzeitig mahnen, dass Verkehr viel mit Nachhaltigkeit zu tun haben sollte.

Bruno Weber ist über den Tod hinaus kompromisslos geblieben, und zwar in Person seiner Witwe. Bereits ist der vierte Stiftungsratspräsident aus Frust zurückgetreten und mit ihm zuletzt der ganze Rat. Deshalb ist die Stiftungsaufsicht eingeschritten, wie die Limmattaler Zeitung diese Woche bekannt machte.

Bruno Weber war kein einfacher Mensch, wenn es um seine Kunst ging. Formalitäten kümmerten den Nonkonformisten nicht. Er fühlte sich seinem Schaffen verpflichtet. Der einmaligen Kunst wegen wurden seine illegal errichteten Werke glücklicherweise nachträglich von den Baubehörden legalisiert, weshalb sie uns noch heute erfreuen.

heute noch scheint der Eigensinn im Bruno-Weber-Park zu regieren. Zurückgetretene Stiftungsräte erklärten gegenüber der Limmattaler Zeitung, dass die Stiftung mit finanziellen Problemen kämpft. Werden diese nicht gelöst, wird der Park mangels Unterhalt zum Sicherheitsrisiko. Doch Webers Witwe will die Kontrolle des Parks nicht vollständig in die Hand des Stiftungsrats legen - in dem Unternehmer und Manager ihr Wissen einbringen - und verhindert gemäss den Insidern rettende Strukturveränderungen. Es scheint der natürliche Kampf zwischen Kunst und Kommerz. Die Befürchtung von Webers Witwe: Kunst verliert ihre Authentizität und verkommt zu Kitsch, wenn sie zu sehr kommerzialisiert wird.

Anders als früher droht dem Werk Bruno Webers nicht Ungemach von aussen in Gestalt von Baubehörden, sondern von innen, nämlich der Künstlerfamilie selbst. Eigensinn hin, Authentizität her - wenn die Skulpturen nicht mehr unterhalten werden - und das kostet Geld -, dann zerfallen sie am Ende zu Staub. Das wäre ein herber Verlust.

Die beiden Künstler sind sich trotz ihrer Gegensätzlichkeit überraschend nahe. Denn Natur ist für Jakob Alt wie Bruno Weber etwas Kostbares, im metaphysischen Sinne gar Heiliges. Dass solche Stimmen in einer Region laut werden, die von vielen als zubetoniert wahrgenommen wird, ist kein Zufall. Man sollte sich deshalb mit ihren Werken auseinandersetzen, auch wenn sie die Geister scheiden.