Bergdietikon

Kunst , die ohne Entwürfe bei der Arbeit entsteht

Martin Raimann eröffnet die Kunstsaison 2011 in der Galerie Bachlechner. Bis zum 6.März kann man seine Kunstwerke in Bergdietikon erleben.

«Ich wusste von Anfang an, dass ich eine Ausbildung als Plastiker machen wollte. Jedoch konnte ich nicht erklären, warum», sagt der Baselbieter Martin Raimann. Die Werkstatt sei für ihn wie ein Spielplatz, wo er während seiner Arbeit eintauchen und spielen könne. «Ich mache weder Skizzen noch Entwürfe, meine Werke entstehen beim Arbeiten», so der 50-jährige Künstler.

Vor zehn Jahren gründete Raimann die Werkstattkultur, in deren Räumen nebst Veranstaltungen und Konzerten auch seine ständige Ausstellung besucht werden kann. «Das Entstehende neben dem Gewordenen ist erlebbar in einer identischen Atmosphäre des künstlerischen Schaffens», erklärte der Baselbieter. Die Ausstellung ist integriert als ein Teil seiner künstlerischen Tätigkeit.

Ideen und Weisheit

Das Herz und die Seele seiner Kunstwerke liegen in den Händen von Martin Raimann. Kein Wunder also, wenn der Künstler sich auf intuitives Arbeiten ausrichtet und sich deshalb mit klaren Vorstellungen und Wünschen in Bezug auf das Ergebnis nicht anfreunden kann. Das Skizzieren erfolgt, wie mit seinem inneren Auge gesehen, direkt in den blauen Himmel hinein oder gegen eine leere, weisse Wand. So entstehen dreidimensionale Gebilde von unglaublicher Ausdruckskraft.

Aufeinandergetürmt, zusammengeschweisst oder mit dem Meissel bearbeitet überzeugen Raimanns Skulpturen in ihrer Schlichtheit, die gleichzeitig überaus ausdrucksstark ist. Er schafft aus Unscheinbarem Bedeutendes, dadurch, dass er den jeweils verwendeten Werkstoffen das Äusserste abgewinnt.

Wie intuitiv er arbeite, erklärt Raimann gerne selber: «Wenn ich in den Steinbruch gehe und mir ein bis zu 20 Tonnen schweres Stück Stein brechen lasse, dann habe ich im Normalfall noch keinerlei Vorgaben, was einst daraus entstehen könnte», sagt er. Rund die Hälfte seiner Arbeiten seien Auftragsarbeiten. Jedoch wissen weder er noch der Kunde zu Beginn das Resultat, welches am Ende entstehe.

Am liebsten Stein und Eisen

Unter dem Titel «Intervall und Rhythmus» kann man Martin Raimanns Kunstwerke noch bis zum 6.März in der Kunstgalerie Bachlechner im Wiesentalpark in Bergdietikon erleben. Schon kurz nach seiner sechsjährigen Ausbildung bei Raoul Ratnowsky machte sich Raimann selbstständig und entwickelte fortan seine eigene künstlerische Handschrift. Das gelang dem Baselbieter so überzeugend, dass er schon bald an verschiedene Symposien im In- und Ausland eingeladen wurde.

Raimann experimentiert gerne mit den unterschiedlichsten Materialien, zu seinen bevorzugten Elementen gehört jedoch Stein und Eisen. Mit dem Ergebnis ist er erst dann zufrieden, wenn der innere und der äussere Klang stimmen, wie er selber sagt.

« Kunst und Kreativität werden idealisiert und verherrlicht, vor allem von jenen, die ihr noch nicht begegnet sind. Manche aber, die von ihr heimgesucht worden sind, wissen, dass sie auch der Teufel sein kann, der das friedvolle Leben zur Hölle machen kann, weil sie immerfort fordert und einen nicht in Ruhe lässt», sagt Martin Raimann. Seine Skulpturen und Plastiken sind Form gewordene Poesie, sie öffnen Räume von Weite und Stille.

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