Dass ein Kunstbesitzer seine Bilder gut kennen sollte, scheint auf der Hand zu liegen. Was aber, wenn der Besitzer oder besser gesagt die Besitzer gar nicht wissen, dass sie Werke unterschiedlichster Künstler ihr Eigen nennen können? Dann macht man es wie die Stadt Dietikon und lädt zu einer Ausstellung. «Kunstschätze aus dem Stadthaus» heisst sie. Gezeigt werden dort 45 Werke, die sich im Besitz der Stadt befinden und somit auch der Bevölkerung gehören.

Dieser Umstand war denn auch die zentrale Botschaft in der Rede von Stadtrat Jean-Pierre Balbiani bei der Eröffnung der Ausstellung im Gemeinderatssaal. «Die Bilder gehören der Stadt und deshalb auch Ihnen! Machen Sie es wie Gottfried Keller uns lehrt: ‹Trinkt, o Augen, was die Wimper hält›», forderte er die Besucher auf.

Hoher Wiedererkennungswert

Gesagt, getan. Es ging nicht lange, ehe angeregt über die Exponate diskutiert wurde. Bei Gody Fäschs Bleistiftbilder von der Reppisch und der Kirchstrasse stellte Besucherin Rosemarie Frehsner erfreut fest, dass sie alles kenne. Sie komme sich vor wie im Kunsthaus, lobte Frehsner die Ausstellung. Auch andere Besucher zeigten sich angetan von der Ausstellung. «Wir haben bereits ein Lieblingsbild entdeckt. Es hat uns an Ferien in Frankreich erinnert mit dem schönen Licht und den Spiegelungen», sagten Prisca und Fritz Haueter.
Die ausgestellten Werke stammen aus den Archiven der Stadt oder befinden sich in nicht immer zugänglichen Räumen der Stadtverwaltung, des Alters- und Gesundheitszentrums Ruggacker und im Ortsmuseum Dietikon. Sie bieten einen Einblick in Dietikons Kunstschaffen der letzten 60 Jahre. «Die Stadt kauft Bilder aufgrund ihrer künstlerischen Qualität», erklärte Maya Herzig, Organisatorin und Leiterin Kultursekretariat der Stadt Dietikon. Dabei beinhalte Qualität handwerkliches Können und künstlerische Aussage, ergänzte René Gehrig. Er ist selber Künstler und hat Herzig bei der Bilderauswahl für die Ausstellung beraten. Wobei beide besonderen Wert auf eine repräsentative Auswahl legten. Deshalb sind Bilder von Künstlern der 1950er Jahre wie Bruno Weber, aber auch Zeitgenössisches von Gaby Hübscher oder Arnold Dürst zu sehen.

«An dieser Ausstellung können neue Aspekte der Dietiker Kunstszene entdeckt werde», sagte Gehrig, dessen Bilder im Gemeinderatssaal ebenfalls vertreten sind. Neben Gehrig waren auch die Künstlerinnen Petra Burek und Christa Jordi-Frey an der Vernissage am Sonntag anwesend. Aus erster Hand konnten die Besucher von Jordi-Frey erfahren, dass das Arbeiten mit Aquarell im Gegensatz zur Ölmalerei keine Korrekturen und kein Übermalen zulasse.

Die Ausstellung lehrt aber vor allem eines: Die Breite künstlerischen Schaffens in Dietikon. «Ich bin positiv überrascht, wie viele Künstler es in Dietikon gibt und wie vielfältig sie sind», gestand Ruth Achermann. Besucher Urs Spoerri schätzte besonders die lokale Verbundenheit: «Diese Kunstschätze sind Zeitzeugen und sie machen Dietikon sichtbar».

Die Ausstellung «Kunstschätze aus dem Stadthaus» im Gemeinderatssaal läuft noch bis 19. Oktober. Sie ist am Montag, Mittwoch und Freitag von 17 Uhr bis 20 Uhr geöffnet und am Samstag von 11 Uhr bis 14 Uhr.