Bioabfall
Künftig putzt die Stadt Dietikon die Kübel

Die Umwelt schonen und dabei Geld sparen: Da sagt wohl niemand Nein – oder? Doch was genau können Herr und Frau Schweizer dafür tun?

Sophie Rüesch
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Seit zweieinhalb Jahren haben Dietikerinnen und Dietiker die Möglichkeit, ihren Bioabfall aus Küche, Garten und Tierhaltung vor der Tür abholen zu lassen. Das ist sogar mehr als gratis: Die Kosten für die Bioabfallsammlung werden durch die Abfallgrundgebühr gedeckt. Und wer weniger biogenen Abfall in den normalen Kübel wirft, spart gebührenpflichtige Abfallsäcke. Zudem ist die Bioabfallsammlung, an der sich seit Januar 2014 alle acht Trägergemeinden der kommunalen Anstalt Limeco beteiligen, auch gut für die Umwelt. Die Abfälle werden nämlich ins nahe Vergärwerk Werdhölzli gebracht, an deren Betreiberin Biogas Zürich AG die Limeco mit zehn Prozent beteiligt ist. Dort wird aus ihnen klimaneutrales Biogas und natürlicher Dünger gemacht.

Dennoch harzt es in der Stadt Dietikon noch mit der Einführung des freiwilligen Entsorgungsangebots, was sich auch im soeben veröffentlichten Geschäftsbericht der Limeco für das Jahr 2015 widerspiegelt. Dietikon weist diesem zufolge von allen Trägergemeinden die tiefste Pro-Kopf-Menge an abgeliefertem Bioabfall auf. Vom ersten zum zweiten Betriebsjahr lässt sich zudem nur eine kleine Zunahme feststellen.

2000 Kilogramm Bioabfall gäbe es in Dietikon theoretisch zu holen.
5 Bilder
Christoph Steiner zeigt, wies geht: Ein Knopfdruck...
Und die Container werden in die Höhe gehoben.
Um schliesslich mit einem Wasserstrahl gereinigt zu werden.
Alles elektronisch: Innerhalb weniger Sekunden sind die Container wieder sauber.

2000 Kilogramm Bioabfall gäbe es in Dietikon theoretisch zu holen.

Sophie Rüesch

Mieter im Nachteil

Von einem Problem mag Heinz Illi, Dietiker Sicherheits- und Gesundheitsvorsteher (EVP), zwar nicht sprechen. Aber: «Wir sind mit den abgelieferten Abfallmengen noch nicht dort, wo wir gerne sein würden.» Dies ist hauptsächlich auf die Mietliegenschaften in der Stadt zurückzuführen. Denn die Mieterinnen und Mieter, die ihren Bioabfall gerne von der Sammlung abholen lassen würden, sind von der Bereitschaft der Eigentümer abhängig, einen Container zur Verfügung zu stellen.

Weil sich die Anfragen von enttäuschten Mietern beim städtischen Amt für Umwelt häuften, hat die Stadt die Liegenschaftsbesitzer angeschrieben. Die Rückmeldung: Die Container würden schnell beginnen, zu stinken, wenn man sie nicht regelmässig putzt. Und dafür noch jeweils den Hauswart aufzubieten, sei ihnen zu teuer. Daran sollte die «erfreuliche Sache», wie Illi sie nennt, aber nicht scheitern. Deshalb wird nun die Stadt künftig auch die Reinigung der Container übernehmen.

Möglich machen das die Gebrüder Steiner: Das Urdorfer Transport- und Reinigungsunternehmen, das für die Stadt Dietikon die Abfalltransporte erledigt, hat kürzlich ein neues Fahrzeug angeschafft, in dem die Container nicht nur geleert, sondern im selben Zug auch gleich gereinigt werden können. Es sei eines von nur drei solchen Fahrzeugen, die zurzeit in der Schweiz in Betrieb sind, sagt Peter Steiner junior.

Alle zwei Wochen werden die Kübel in einer bis Ende 2017 vorgesehenen Testphase in der heissen Jahreszeit geleert und gereinigt; im Herbst und Frühling einmal pro Monat, und im Winter erübrige sich das Stink-Problem von selbst. «Damit wollen wir einen Schritt auf die Eigentümer zugehen, um möglichst alle Argumente gegen eine Container-Anschaffung zu beseitigen», sagt Illi. «Nun hoffen wir natürlich, dass die Vermieter auch mitziehen.» 2'000 Kilogramm Bioabfall gäbe es in Dietikon theoretisch zu holen, rechnet Illi vor. Das ist ein Drittel der Menge, die 2015 in der gesamten Limmattaler Bioabfallsammlung landete.

Mehr ist nicht zwingend besser

In Schlieren, das im ersten Biosammlungsjahr 2014 ähnlich tiefe Pro-Kopf-Zahlen wie Dietikon aufwies, sieht man laut Werkvorstand Stefano Kunz (CVP) derweil keinen Handlungsbedarf. Das neue Bioabfall-Regime sei in Schlieren breit akzeptiert und funktioniere gut, sagt er. Der Limeco-Geschäftsbericht 2015 bestätigt, dass die Bioabfall-Sammlung in Schlieren an Zuspruch gewinnt: Vom ersten zum zweiten Betriebsjahr ist die Pro-Kopf-Menge dort von 54 auf 77 Kilogramm gestiegen. Damit weist Schlieren im Trägergemeinden-Vergleich zwar immer noch die dritttiefste Zahl auf. Gabriela Kofel von der Limeco gibt jedoch zu bedenken, dass man eine höhere Pro-Kopf-Menge nicht automatisch auf ein höheres Umweltbewusstsein der Einwohner zurückführen dürfe. «Jede Gemeinde hat ihre Eigenheiten», so Kofel.

Schwieriger im urbanen Raum

Gemein ist Schlieren und Dietikon etwa der vergleichsweise hohe Anteil an verdichtetem Wohnen. Und hier stösst die Bioabfallsammlung auf die grössten Herausforderungen. Anders als Einfamilienhaus-Besitzern ist es Wohnblock-Bewohnern nämlich nicht selbst überlassen, ob sie ihren Bioabfall vor die Haustür stellen wollen oder nicht. Sie müssten ihren Vermieter davon überzeugen, wenn dieser die Container nicht von selbst anschafft.

Dietikons Absicht, die Container künftig selbst zu reinigen, freut die Limeco. «Die Schwelle, das Angebot zu nutzen, sollte möglichst niedrig sein», sagt Kofel. «Die Massnahme der Stadt Dietikon wird der Bioabfall-Entsorgung bestimmt neuen Schub verleihen.» Insgesamt sei die Limeco sehr zufrieden mit der Einführung der Bioabfallsammlung. Zwar habe es zu Beginn hier und dort noch etwas Verwirrung gegeben, was man dort entsorgen darf und was nicht – etwa, ob Fleischknochen, Eierschalen oder Christbäume auch dazu zählen. Deshalb hat die Limeco eigens eine Website aufgeschaltet, die solche Fragen klärt. Seither, so Kofel, sei den meisten klar, wie die Sammlung funktioniere.

Bioabfallsammlung

So entsorgen Sie richtig

Das gehört zum Bioabfall:

- Rüst- und Speisereste, gekocht und ungekocht: Brot, Bratfett (fest), Ei, Eierschalen und Eierkarton, Fisch ohne Gräte, Fleisch ohne Knochen, Gebäck, Gemüse, Kaffeesatz, Kartoffeln, Milchprodukte, Obst, Palmblattgeschirr, Reis, Sauce, Teesatz, Teigwaren

- Pflanzlicher Abfall vom Garten oder Balkon: Äste, Baumschnitt, Blumen, Erde (Kleinmenge), Gras, Laub, Obst, Pflanzen (ohne Behälter), Rasen-/Wiesenschnitt, Stauden, Unkraut, Weihnachtsbaum

- Abfall aus der Kleintierhaltung: Federn, Heu, Kleintiermist, Sägemehl, Stroh

Das gehört nicht zum
Bioabfall:

Asche, Fischgräte, behandeltes Holz, Hundekot, Hygieneartikel (Binde, Tampon, Windel), Kaffeekapseln, Karton, Katzensand, Knochen, Metall, Öl, Plastik, Staubsaugerbeutel, Stein/Kies/Sand, Verpackungen, Zigarettenstummel

Tipps:

- Stellen Sie ihren Bioabfallbehälter in der Küche an einen kühlen und trockenen Platz und draussen an einen Schattenplatz. So stinkt er weniger.

- Lassen Sie Luft an den Bioabfall. Wenn Sie in der Küche Bioabfallbeutel in einem belüfteten Behältern benutzen, bleiben Fluchtfliegen draussen, aber Luft kommt trotzdem rein. Draussen lassen Sie den Containerdeckel am besten einen Spalt offen. Und: Nicht zusammenpressen!

- Binden Sie Feuchtigkeit: Wenn Sie sehr feuchte Abfälle mit Küchenpapier oder Steinmehl einwickeln, respektive bestreuen, stinkt es weniger.

- Die Behälter (drinnen wie draussen) regelmässig leeren und ausspülen.