Urdorf
Kulturzentrum mit 100 Betriebstagen pro Jahr

1995 gaben das alteingesessene Urdorfer Bauernehepaar Marthi und Köbi Grob mit einer grosszügigen Schenkung des Stiftungskapitals die Initialzündung zum Ortsmuseum. Nun zieht Stiftungsratspräsident Paul Lüchinger Bilanz.

Flavio Fuoli
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Limmattaler Zeitung

Noch heute ist das Ortsmuseum in einer Stiftung organisiert. Die Gemeinde beteiligte sich beim Neubau der Scheune, die als eigentliches Kulturzentrum dient. Das ehemalige Bauernhaus an der Birmensdorferstrasse 102 beherbergt das Ortsmuseum. «Neben dem Ortsmuseumsbetrieb sind die Anlässe der Kulturkommission hier im Haus sehr erfolgreich, zum Beispiel Künstlerausstellungen», zieht Stiftungsratspräsident Paul Lüchinger Bilanz. «Wir bieten einzelnen Leuten im Dorf, die nicht im Kartell der Ortsvereine organisiert sind, die Möglichkeit, hier auszustellen.»

Viel Betrieb im Haus

Aus der wieder aufgebauten Scheune habe man ein Kultur- und Begegnungszentrum gemacht, stellt Lüchinger fest. Mit den Ausstellungen, den Apéros für Private und Institutionen und anderen Anlässen komme man auf über 100 Betriebstage im Jahr, was für ein Ortsmuseum sehr viel sei. Unter den Anlässen sind auch solche von Vereinen, Firmen, Institutionen und Privaten, die ihre Sitzungen, Seminare und Festivitäten im Kulturteil abhalten. Eingebürgert habe sich die Aus- und Weiterbildung zum Beispiel von Spitalangestellten, die ideale Voraussetzungen vorfinden würden, um in den einzelnen Räumen gruppenweise lernen zu können, erklärt Lüchinger.

Eine Besonderheit stellt die Bauernstube im Museumsteil dar. Viele Paare lassen sich hier zivil trauen, Apéro in einer besonderen Umgebung mit inbegriffen. Der eigentliche Museumsbetrieb, der von der Heimatkundlichen Vereinigung Urdorf getragen wird, findet alle zwei Wochen statt. An den Besuchstagen verzeichnet man zwischen fünf und zwölf Personen. Allerdings würde das Museum auch von Personen besucht, welche wegen eines kulturellen Anlasses vor Ort seien. Dies führe dazu, dass weitaus mehr Personen etwas über die Geschichte Urdorfs mitbekämen.

«Das schafft ihr nie»

«Heute», so denkt Lüchinger, «widerspiegelt sich das kulturelle Leben Urdorfs im Ortsmuseum.» Beat Spreng, Kassier der Stiftung, ergänzt: «Die Kultur kommt nicht von oben herab, sondern von unten her.» Dies freut ihn umso mehr, als man ihnen prophezeit hatte, sie würden es nie schaffen, so ein ambitiöses Projekt auf die Beine zu stellen. Schliesslich ermöglichten viele Einheimische in Fronarbeit, während drei Bauetappen, in sieben Jahren und mit 12000 Stunden Freiwilligenarbeit die Sanierung und Renovation des ursprünglichen Ackerbauernhauses zum Museum. Wer Paul Lüchinger kennt, weiss, dass er Ideen zuhauf hat, um «sein» Museum weiter auszubauen. Auf eine Computeria, die ihm schon lange vorschwebte, will er indes verzichten.

Er möchte nicht in Konkurrenz zur reformierten Kirche treten. Noch nicht reif, doch als Idee schon geboren ist ein Aussenprojekt. Er möchte in einem Waldstück die Limmatstellung aus dem Zweiten Weltkrieg sichtbar machen und mit dem Natur- und Vogelschutzverein gleichzeitig einen Waldlehrpfad ins Auge fassen. «Das könnte unter der Stiftung Ortsmuseum segeln», blickt er in die Zukunft. Die Erfolgsgeschichte Ortsmuseum zeigt sich auch im Finanziellen: In all den Jahren konnten die Schulden nach dem Scheunenneubau abbezahlt werden. Von einst 600000 Franken sind es jetzt noch 190000 Franken Restbetrag. Die Gemeinde hatte im übrigen Schulden im Betrag von 200000 Franken erlassen. Die Gemeinde erhielt im Gegenzug das prioritäre und unentgeltliche Benützungsrecht für Anlässe der Kulturkommission bis ins Jahr 2017. Auch die Heimatkundliche Vereinigung, Führerin des Museums, kommt gut weg. Vom Mietzins von 18000 Franken pro Jahr muss sie nur 4000 Franken bezahlen. Den Rest zahlt die Stiftung Ortsmuseum.