Dietikon
Kronenareal: Das Ende des Streits rückt näher

Der Dietiker Stadtrat soll keine städtischen Liegenschaften im Ortskern mehr verkaufen dürfen. Ein entsprechender Antrag kommt demnächst ins Parlament.

Tobias Hänni
Merken
Drucken
Teilen

Daniel Diriwächter

Sie hat sich seit einiger Zeit abgezeichnet, nun liegt eine Lösung vor, die den Knatsch um den Verkauf des «Alten Bären» auf dem Dietiker Kronenareal beenden könnte: So soll der Stadtrat vom Gemeinderat verpflichtet werden, «die Taverne zur Krone als auch die Zehntenscheune weder zu verkaufen noch anderweitig zu veräussern».

Im Gegenzug zu diesem parlamentarischen Feststellungsbeschluss soll die von einem überparteilichen Komitee aus Vertretern der SP, AL, Grünen und CVP eingereichte Initiative «Ja zum historischen Ortskern» zurückgezogen werden. Anfang Februar wird der Gemeinderat über diesen kürzlich vom Stadtrat beschlossenen Antrag befinden.

Bei Zustimmung Rückzug

Der Vorschlag ist das Resultat mehrmonatiger Verhandlungen zwischen dem Initiativkomitee, das den Verkauf des «Alten Bären» mit einer Anpassung der Dietiker Gemeindeordnung hatte verhindern wollen, und der Stadt, die wenige Tage vor Einreichen der entsprechenden Initiative im Dezember 2014 das Gebäude an die Ehrat Immobilien AG verkaufte. Das Vorgehen des Stadtrats sorgte damals für Entrüstung. Allerdings änderte der Verkauf der Liegenschaft nichts am Zustandekommen der Initiative. Diese müsste nach wie vor vors Volk – wenn sie nicht vom Initiativkomitee zurückgezogen wird.

Mit dem nun vorliegenden Antrag könnte dies geschehen; vorausgesetzt, er wird vom Parlament genehmigt. «Dann ziehen wir die Initiative zurück», sagt Manuel Peer, Präsident des Initiativkomitees. Das Komitee habe diesen Schritt gegenüber der Stadt bereits mit einem Unterschriften-Protokoll bestätigt.

«Allerdings ist die Stadt nun eine Spur zu schnell vorgegangen», moniert Peer. Denn das Komitee habe dem Stadtrat schriftlich mitgeteilt, die endgültige Fassung des Antrags vor der stadträtlichen Beschlussfassung noch einmal sehen zu wollen. «Das Komitee dürfte ihm in dieser Form aber mit aller Wahrscheinlichkeit zustimmen», sagt Peer. Die Regelung stelle sicher, dass die «Krone» und die Zehntenscheune im städtischen Eigentum verbleiben, solange der Gemeinderat nichts anderes entscheide. «Nur er kann den Feststellungsbeschluss wieder aufheben», so Peer.

Im Rahmen eines ersten Vorschlags wollte der Stadtrat die Unveräusserlichkeit der Gebäude in seiner Geschäftsordnung festlegen. Da er diese aber eigenmächtig ändern kann, lehnte das Komitee den Vorschlag ab. Mit der jetzigen Lösung ist der Stadtrat der Forderung des Komitees nachgekommen, dass eine solche Regelung nur von der Legislative aufgehoben werden kann. Für Peer ist der Antrag eine «pragmatische, aber nicht zufriedenstellende Lösung». «Eine Abstimmung über unsere Initiative macht nun, da der ‹Alte Bären› längst verkauft ist, aber auch keinen Sinn mehr», sagt er.

Unterstützung von SVP und FDP

Der Antrag hat gute Chancen, vom Gemeinderat genehmigt zu werden. So stösst er auch im bürgerlichen Lager auf breite Unterstützung. «Wir stehen hinter dem Antrag», sagt Stephan Wittwer, Präsident der SVP-Fraktion. Grundsätzlich sei die Partei zwar nicht erfreut, wenn dem Stadtrat beim Liegenschaftenhandel Fesseln verpasst würden. «In diesem Fall sind wir aber damit einverstanden», sagt Wittwer. So könnten die Händel zwischen Stadt und Initianten beendet und eine teure Abstimmung verhindert werden. Auch die FDP ist «mit dem Vorschlag einverstanden», wie Fraktionspräsident Martin Romer sagt. Es handle sich um eine gute Lösung. «Auch wenn der Stadtrat meines Wissens ohnehin nie vorhatte, die Scheune und die ‹Krone› zu verkaufen», so Romer.

Im Zusammenhang mit dem Verkauf des «Alten Bären» macht der Stadtrat im Antrag auch erstmals einen Preis publik – wenn auch nur für den Quadratmeter: 1120 Franken. Laut Stadtpräsident Otto Müller ist das Grundstück 391 Quadratmeter gross. Es hat demnach für rund 440 000 Franken den Besitzer gewechselt.

Aus der «Neuen Krone» wurde der «Alte Bären»

Im Jahr 1259 wurde erstmals eine Taverne auf dem Areal des heutigen Restaurants Krone erwähnt. Eigentümer war das Kloster Wettingen, das von dort aus seinen Besitz in Dietikon verwaltete. 1595 entstand ein Neubau. Der Grundstein für den heutigen Bau wurde 1703 gelegt. 1841 ging die «Krone» nach der Auflösung des Klosters Wettingen an einen Privaten. Zwölf Jahre später wurde der Taverne eine Bäckerei angegliedert. 1873 erwarb die Familie Gstrein die «Krone». Sie blieb bis 2005 in ihrem Besitz. Dann kaufte die die Stadt das seit 1997 leerstehende Gebäude zusammen mit den Liegenschaften Zehntenscheune, dem alten Bauamt und dem «alten Bären». Nach einer Renovation feierte die «Krone» 2010 Wiedereröffnung. Die Zehntenscheune, um 1600 erbaut, gehörte ebenfalls bis 1841 dem Kloster Wettingen. Während die Scheune und die Stallungen der Zehntenabgabe dienten, wohnte im angebauten Wohnhaus, dem Vorgängerbau des alten Bären, der Zehntenvogt. Als die Familie Gstrein die «Krone» erwarb, blieb die Zehntenscheune samt Wohnhaus weiter im Besitz des vormaligen Taverneneigentümers. Dieser, ein gewisser Gottlieb Schaufelberger, liess das Wohnhaus abbrechen und ein neues erstellen. Dort eröffnete er 1874 zur Überraschung der Familie Gstrein seine eigene Wirtschaft, die «Neue Krone». Diese wechselte öfters den Besitzer, ehe der Eigentümer der «Krone» die Konkurrenz 1898 erwerben konnte und in «Bären» umtaufte. Der «Bären» wurde 1911 geschlossen und das Patent auf den neu erstellten «Bären» an der Tramstrasse beim Bahnhof übertragen. Seither wird das Haus an der Zehntenscheune «Alter Bären» genannt, um Verwechslungen zu vermeiden. (zim)