Von einem ziemlichen Puff in der Abrechnung, einer lückenhaften Buchführung, einem nie stattfindenden Controlling und einem Schlamassel war auf der gestrigen Dietiker Parlamentssitzung die Rede, als es um Bauabrechnungen zu Um- und Ausbau der Krone ging. Als Mitglied der Rechnungsprüfungskommission wie als Sprecher der Grünen-Fraktion machte Lucas Neff zwar einen gelassenen Eindruck, aber was er mitzuteilen hatte, war starker Tobak.

Der Stadtrat wollte sich vom Gemeinderat die zwei Bauabrechnungen in der Höhe von 9,4 Millionen beziehungsweise 460'000 Franken genehmigen lassen. Zwar wurden in beiden Fällen die abzurechnenden Kredite unterschritten. Dennoch blitzte die Stadt in beiden Fällen ab. Nicht eine Hand wurde gehoben, als es um die Abstimmungen zu den Anträgen ging.

Unterlagen als nicht prüfbar zurückgewiesen

Der Stadtrat hatte die Abrechnungen bereits im Vorjahr an die Rechnungsprüfungskommission (RPK) übergeben. Diese wies die Unterlagen als nicht prüfbar zurück. Sie verlangte die Ergänzung um fehlende Vergabedokumente und eine Auflistung derjenigen Positionen, für die keine Vergleichsunterlagen vorlagen. Die Hochbauabteilung suchte darauf erneut das Gespräch mit der Bauleitung und mit den Unternehmern, um die Dossiers zu ergänzen. Die Beschaffung gestaltete sich schwierig, wie die Stadt eingestand.

Aber auch die Nachbesserungen waren für die RPK nicht zufriedenstellend. Als «speziell» hat Neff vor allem das Gespräch mit der Baukommission in Erinnerung. «Es gilt ausschliesslich das Vertrauensprinzip. Dagegen habe ich zwar nichts. Aber zwischendurch muss auch ein Controlling stattfinden.» Und sichtlich konsterniert: «Solche Abrechnungen habe ich noch nicht gesehen.» Sein Fazit: Die Abrechnung Krone und Ausbau Obergeschosse könne wegen massiver Mängel in der Buchführung und Dokumentation nicht genehmigt werden.

Rechnung kann nicht mehr instandgestellt werden

Nachdem die RPK die Abrechnungen zurückgewiesen hatte, veranlasste die Hochbauabteilung unter der Leitung von Esther Tonini (SP) die Überprüfung der eigenen Prozesse und der Bauadministration. Die Projektleitenden wurden angewiesen, nach einheitlichen Standards zu arbeiten, und Projektleitungsassistenzen wurden geschaffen. Das erkannte Michael Segrada (FDP) an: «Wir glauben an die Verbesserungen und hoffen, dass die Abrechnungen nun korrekt ablaufen.» Auch Manuel Peer (SP) sprang seiner Parteifreundin Tonini zur Seite. Die Krone sei etwas Gutes, und die Abläufe seien nun verbessert.

Präsidiumskandidat Anton Kiwic (SP) sah für die RPK den Vorgang kritischer. Sie habe seit über einem Jahr versucht, diese Abrechnungen zu verstehen. «Keine unserer Aktionen konnten die Mängel der vorliegenden Rechnungen nur im Entferntesten beseitigen oder zumindest erklären.» Nach den erneuten Sichtungen komme die RPK nun zum Schluss: Diese Rechnung könne nicht mehr soweit instandgestellt werden, dass sie jemals genehmigungsfähig wird. Die RPK akzeptiere daher, dass «nach Ablehnung der Rechnung, das Geschäft im Archiv des Dietiker Stadthauses verschwindet».

Tonini zeigte sich am Donnerstagabend zerknirscht. Die Abrechnung sei «mehr als unschön». «Ich hatte viel Bauchweh damit und kann all das unterstützen, was gesagt wurde.» Die Hochbauabteilung habe viel aus den Vorgängen gelernt. «Ich würde mich freuen, wenn erkannt wird, dass wir auf einem guten Weg sind.» Den Gemeinderat konnte das aber nicht umstimmen.