Dietikon

Krisenzentrum Dietikon: Das Kafi Grüezi braucht dringend mehr Gäste

Zu wenig Kundschaft: Das Kafi Grüezi hat einen schweren Neustart.

Zu wenig Kundschaft: Das Kafi Grüezi hat einen schweren Neustart.

Im Juni war die Begeisterung von Susanna Mustafa für ihr eigenes Café im Dietiker Zentrum gross. Nun droht vielleicht das Aus. Die fehlende Kundschaft, das Coronavirus und die Baustellen erschweren den Neustart. Noch gibt sie die Hoffnung aber nicht auf.

Ihr neues Kaffeeglück in Dietikon hatte sich Susanna Mustafa anders vorgestellt. Seit Juni ist sie die neue Pächterin des Kafi Grüezi an der Florastrasse. Mit vollem Elan freute sie sich kurz nach der Eröffnung noch über die vielen Besucherinnen und Besucher. Doch die Begeisterung war von kurzer Dauer. Wenig später folgte die Ernüchterung. «Das Café blieb im Juli und August so gut wie immer leer», sagt sie. Sie wisse nicht, wie es weitergehen könne. Klar gebe sie nicht sofort auf, aber sie finde auch keine Erklärung. An mangelnder Auswahl oder der Qualität könne es nicht liegen. Die Rückmeldungen zum Service und den Angeboten seien immer gut gewesen. Auch die Gespräche mit der Kundschaft hätten sie gefreut.

Nach fast einem Jahr wurde das Kafi Grüezi an der Florastrasse in Dietikon am 2. Juni wiedereröffnet. Neu ist es in den Händen von Susanna «Susi» Mustafa.

Nach fast einem Jahr wurde das Kafi Grüezi an der Florastrasse in Dietikon am 2. Juni wiedereröffnet. Neu ist es in den Händen von Susanna «Susi» Mustafa.

Mustafa arbeitete zuvor zehn Jahre im Urdorfer Story-Pub im Service. Sie kommt aus Wohlen. Die Eröffnung eines eigenen Cafés war für sie ein Traum. Dieser droht nun nach kurzer Zeit zu platzen. Wie so viele Gewerbler im Dietiker Zentrum leidet auch sie unter den erschwerten Bedingungen. «Sicher haben die Sommerferien zur geringen Kundschaft beigetragen, aber vor allem verbreitet die Coronakrise nach wie vor Angst», sagt sie. Sie habe sich auch mit anderen Cafés ausgetauscht und es sei überall so, dass zurzeit weniger laufen würde – auch bei ihrem alten Arbeitgeber in Urdorf. Aber für sie werde es noch problematischer. «Jetzt kommt noch nächste Woche die Baustelle, die die ganze Bremgartnerstrasse versperren wird.» Die Limmattalbahn und der Ausbau der Bremgarten-Dietikon-Bahn sind die nächste Hürde. Für ein Jahr erwarte sie noch weniger Kundschaft, sagt sie. Zudem habe es bereits zu wenig Parkplätze vor dem Lokal. «Ich hatte schon Kunden, die im Kreis gefahren sind, und dann wegfuhren, weil sie nirgends parken konnten.»

Jetzt hofft sie auf Wienerli für die Bauarbeiter

Jeden Tag hat Mustafa von 8 Uhr bis 19 Uhr geöffnet. Donnerstag und Freitag bis 21 Uhr. Sonntag ist der einzige Ruhetag. Täglich gibt es frische Sandwiches und Piadini zu haben. Für den süssen Genuss bietet sie Kuchen und Glaces an. Aber auch Torten, die zum einen ihre Schwägerin für sie bäckt und die sie zum anderen bei der Bäckerei Hiestand holt, musste sie wegen der fehlenden Kundschaft schon wegwerfen. Die Glaces sind im Gefrierfach im Kühlschrank gelagert. «Ich kann die Glaces nicht den ganzen Tag in dem Eiswagen vor dem Laden deponieren», sagt sie. Dieser Wagen brauche derart viel Strom und wenn so wenig verkauft werde, dann bringe das nichts. Sie setze ihre Hoffnung nun auf die Bauarbeiter, die vor ihrem Café die Arbeit aufnehmen würden. Sie wird ihr Angebot nochmals erweitern und dann ein Znüni mit Wienerli und Brot sowie Toasts für fünf Franken anbieten. Dazu gäbe es günstig ein Getränk.

Der Name des «Grüezi» ist geblieben. Das Innere wurde mit neuen Bildern und Blumen geschmückt.

Der Name des «Grüezi» ist geblieben. Das Innere wurde mit neuen Bildern und Blumen geschmückt.

Erschwerend sei auch, dass sie im Café nicht viel verändern dürfe. Zum Beispiel befinde sich in der Mitte eine abgerundete Bar, die viel Platz wegnehme. Auch der Name Kafi Grüezi müsse wegen den Auflagen der Verwaltung bleiben. Noch immer serviere sie allein. «Ich habe nur Ausgaben und keine Einnahmen.» Eine Unterstützung zu unregelmässigen Zeiten erhalte sie von einer Studentin. Mehr könne Sie im Moment nicht tun. «Es ist einfach nur schade», sagt sie. «Da wünscht sich die Bevölkerung einen Treffpunkt, oder ein nettes Café, aber niemand geht hin.»

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