Eineinhalb Jahre Freiheitsstrafe: So lautet das Urteil des Bezirksgerichts Dietikon gegen den Kriminaltouristen. 16 Diebstähle und Diebstahlversuche hat ihm die Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis nachgewiesen.

Der erste geschah im August 2011 in Geroldswil. Der Rumäne schlug eine Fensterscheibe ein, verschaffte sich so Zugang zum Clubhaus des FC Oetwil-Geroldswil und beschädigte die Küche, ehe er sich ohne Beute davonmachte. Zurück blieb ein Sachschaden in der Höhe von rund 1500 Franken.

Eine Nacht später schlich er im Brunewiis in Oberengstringen umher. Er brach die Türe zur Hütte des FC Engstringen auf, krallte sich alkoholische Getränke und Zigaretten im Wert von 150 Franken, schlug auch hier ein Fenster ein und hinterliess einen Sachschaden von 2000 Franken. Noch in der gleichen Nacht drang er ins Vereinslokal des benachbarten Reitplatzes Hardwies ein. Fast 1600 Franken wert war hier seine Beute, bestehend aus Alkohol, Tabakwaren, Gläsern, einer Gasflasche und diversen Haushaltsgegenständen.

Der heute 61-Jährige kam auf den Geschmack. Das Limmattal wurde in den folgenden Jahren zum meistbereisten Ziel des Kriminaltouristen. Ins Clubhaus des Golfclubs Unterengstringen stieg er im Juli 2015 ein, nur eine Nacht später suchte er wiederum das Clubhaus des FC Oetwil-Geroldswil auf, diesmal zusammen mit einem Komplizen. Später brach er in ein Schützenhaus und einen Forstwerkhof in Stans NW ein, diesmal mit einem anderen Gehilfen zusammen.

Kupfer war 20'211 Franken wert

Selbst vor einem Gotteshaus machte der Schurke nicht halt: Im Oktober 2012 hatte er es auf das Wahrzeichen von Zürich Höngg abgesehen. Bei der reformierten Kirche oberhalb des Rebbergs riss er die Kupferablaufrohre und den Blitzschutz ab. Auch beim Totenbeinhüsli riss er solche Rohre ab.

Der Kupfer-Klau war sein einträglichstes Geschäft. Insgesamt beläuft sich der Gesamtwert des Kupfers, das er behändigte, 20'211 Franken. Die grösste Beute holte er sich 2015 auf einer Baustelle beim Zürcher Bucheggplatz. 4290 Franken waren die Kupferkabel wert, die er dort mitgehen liess.

Auch beim Grundwasserpumpwerk Schönenwerd in Dietikon, einem Mehrfamilienhaus in Schlieren und dem Wasserreservoir Lochholz in Oberengstringen klaute er aus Kupfer bestehende Gebäudeteile. Zudem klaute er auf vier weiteren Baustellen Kupferkabel. Eine davon in Schlieren, eine in der Fahrweid und zwei in Zürich.

Letztmals delinquierte er im September 2015 in Stans. Danach war es jahrelang ruhig um den Kriminaltouristen. Bis er am 10. Mai 2018 mit einem Bus über Thônex GE erneut illegal in die Schweiz einreiste und sich eine Woche später beim Friedhof in Höngg rumtrieb. Dort kontrollierte und verhaftete ihn die Polizei.

Seither ist der Mann mit dem weissen Rossschwänzchen hinter Gittern, zurzeit im vorzeitigen Strafvollzug in der Pöschwies in Regensdorf. Das Gerichtsverfahren war ein abgekürztes, da sich der Täter bereits im Vorfeld mit den von der Staatsanwaltschaft geforderten 18 Monaten Freiheitsstrafe einverstanden zeigte. Trotzdem verdrückte der Berufsgauner vor Gericht ein paar Tränen. «Der Täter ist ein Kriminaltourist, der doch eine erhebliche kriminelle Energie aufweist», sagte Gerichtspräsident Stephan Aeschbacher.

Heinz Setz, Präsident des FC Engstringen, erinnert sich noch an den Einbruch im Jahr 2011. «Für einen kleinen Verein wie den FC Engstringen ist das immer sehr ärgerlich, wenn so etwas passiert», sagte er gestern auf Anfrage. Nachdem es vor einigen Jahren mehrere Einbrüche in die Clubhütte gab, sei nun aber Ruhe eingekehrt. «Wir haben keine Zigaretten und kaum mehr harten Alkohol im Hüttli», sagt Setz. Die Hütte wurde für Einbrecher uninteressant.

Ob der Rumäne nun seinem Tun abschwört? Wegen zahlreicher Vorstrafen stellte ihm das Gericht keine gute Prognose aus. Bei den eingangs genannten ersten drei Taten stellten die Richter das Verfahren wegen Verjährung ein.