Sicherheitsdirektor Richard Wolff (AL) rechnet mit Gesamtkosten von 85 Millionen Franken, wie er gestern vor den Medien sagte. Geben das Stadtparlament und die Stimmberechtigten grünes Licht, will die Stapo den Neubau 2021 in Betrieb nehmen.

Heute ist sie mit ihrer Kriminalabteilung Untermieterin der Kantonspolizei (Kapo) in mehreren Häusern an der Zeughausstrasse, gleich neben dem Kasernenareal. Doch die Kapo räumt das Feld und zieht ins geplante kantonale Polizei- und Justizzentrum (PJZ) beim Güterbahnhof, sobald es dereinst erstellt ist. Und der Besitzer der Gebäude an der Zeughausstrasse will künftig keine Polizei mehr im Haus haben, wie Wolff durchblicken liess: «Der Vermieter wollte eine andere Nutzung.»

Da der Zürcher Stadtrat für städtische Nutzungen ohnehin auf Immobilieneigentum setze, wurde aus Wolffs Wunsch, alle Stapo-Kriminalabteilungen unter einem Dach zu vereinen, das Neubauprojekt am Mühleweg. Es umfasst zwölf Arrestzellen, 371 Arbeitsplätze für die Kriminalabteilung – und zuoberst eine Cafeteria.

Interview mit Daniel Blumer, Kommandant der Stadtpolizei Zürich

Interview mit Daniel Blumer, Kommandant der Stadtpolizei Zürich

Kommt es bei Demonstrationen oder Fussballspielen zu Massenfestnahmen, können auch Teile der Tiefgarage zur Unterbringung dienen, wie Stapo-Kommandant Daniel Blumer sagte: «Wenn wir 100 Leute gleichzeitig festnehmen müssen, braucht es Aufenthaltsräume für diese Leute, bis sie befragt und identifiziert sind. Diese sind im Untergeschoss vorgesehen.» Sie würden allen einschlägigen Vorschriften genügen, etwa mit Möglichkeiten, aufs WC zu gehen und Abtrennungen zwischen Jugendlichen und Erwachsenen sowie zwischen Frauen und Männern vorzunehmen; ebenso punkto Wärme und Verpflegungsmöglichkeiten.

Künftiger Stapo-Hauptstandort

Die Stapo hat an der Förrlibuckstrasse in Zürich-West bereits einen Stützpunkt. Dieser gewänne durch den nahegelegenen Neubau an Bedeutung: «Wir wollen im Raum Förrlibuck den Hauptstandort der Stapo realisieren in den nächsten 20 Jahren», sagte Blumer. Die Stapo markiert damit Präsenz in einem Stadtteil, der sich rasant verändert und zu einem Zentrum des Nachtlebens geworden ist. «Zürich-West boomt, und das wird nicht abnehmen, sondern zunehmen. Darum ist der Standort ideal», so Blumer.

Laut Wolff fallen mit dem Neubau zudem jährlich drei Millionen Franken Miete weg. Daneben setze die Stapo weiterhin auf die Uraniawache in der City als zentralen Standort sowie auf den Stützpunkt Nord, der im Airgate-Gebäude nördlich des Bahnhofs Oerlikon vorgesehen ist. Die Nähe des geplanten Stapo-Neubaus in Zürich-West zum PJZ sei wegen der dort geplanten Gefängniszellen ebenfalls ein Vorteil, sagte Blumer. So wären die Transportwege kurz für Personen, die länger als einen Tag in Haft bleiben.

Synergien mit dem PJZ geprüft

Eine gemeinsame Planung mit dem Kanton auf dem PJZ-Areal sei indes keine Option: «Es wurde schon vor langer Zeit entschieden, dass wir nicht ins PJZ gehen», so Blumer. Im Vorfeld seien aber Synergien mit dem PJZ geprüft worden, hiess es auf Nachfrage beim Stadtzürcher Hochbaudepartement.

Auch wenn es seitens der Stadt niemand offen sagt: Dass sich die Planungen des Kantons fürs PJZ, über das erstmals 2003 abgestimmt wurde, schon lange hinziehen, ohne dass bis jetzt gebaut wurde, dürfte den Zürcher Stadtrat bei seinem planerischen Alleingang bestärkt haben.

Für den Stapo-Neubau führte die Stadt einen Architekturwettbewerb durch, den das Zürcher Architekturbüro Penzel Valier AG gewann. Es setzte sich gegen namhafte Konkurrenten wie Gigon/Guyer, Bob Gysin und Caruso St John Architects durch. Sein Projekt «Investigation» überzeugte, weil es mit seiner abgewinkelten Fassade Raum zum Mühleweg und dem angrenzenden SBB-Viadukt offenlässt, erklärte Jeremy Hoskyn vom Amt für Hochbauten. Zudem habe es die komplexen Verkehrsvorgaben im Hinblick auf Blaulichteinsätze und Festnahmen am besten gelöst.