Dietikon
KrimiDinner: Ein Mord in bester Gesellschaft

Das Theaterspektakel zum Mitmachen lud ins Prag der 1920er-Jahre, um einen Mörder zu finden – Nervenkitzel inklusive. Die passende Kleidung hilft den Mitspielern, die Rollen perfekt zu verkörpern.

Franziska Schädel
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Wer hat Theaterdiva Barbara Starova umgebracht? Jeder kommt für das Verbrechen infrage.

Wer hat Theaterdiva Barbara Starova umgebracht? Jeder kommt für das Verbrechen infrage.

Franziska Schädel

Ein gellender Schrei. Auf dem Sofa liegt dramatisch hingestreckt eine Tote. Wer hat Barbara Starova, die gefeierte Diva am Prager Theaterhimmel, ermordet? Nach der Premiere seines neuen Theaterstücks hat der Intendant Josef Tycha acht wichtige Persönlichkeiten in seine Villa eingeladen. Plötzlich sind sie alle verdächtig. Wer war es? Niemand verlässt das Haus, bevor der Mord geklärt ist, lässt Inspektor Karol Fischer die Anwesenden wissen. Im «Raum One» des Theaters Dietikon ist Krimi-Time.

Das Konzept von «KrimiDinner» ist so einfach wie vertrackt. Wer sich für den Abend anmeldet und bereit ist, mitzuspielen, erhält im Vorfeld Informationen zu seiner Rolle, die er oder sie spielen wird und dazu die wichtigsten Informationen. Diese sind geheim zu halten. In fünf Runden kommen immer neue Fakten dazu. Die Verdächtigen versuchen, mit gezielten Fragen und detektivischem Gespür, den Täter oder die Täterin unter ihnen zu überführen.

Jeder steht einmal am Pranger

Die Handlung ist im Prag der 20er-Jahre des letzten Jahrhunderts angesiedelt, und entsprechend haben sich die Gäste von «KrimiDinner» auch gekleidet. Mit Zylinder und Frack der Herr Senator, mit Federboa, Hut und festlichem Abendkleid die Frau Baronin. Und es scheint, als helfe die Kleidung, sich schnell in die Rolle einzuleben.

Bereits beim Apéro spielen die Gäste ihre Rolle galant. Je länger der Abend, desto fantasievoller werden die kurzen Regieanweisungen ausgeschmückt. Die Dialoge legen an Tempo zu, Widersprüche werden schonungslos aufgedeckt und jeder der acht Verdächtigen steht einmal am Pranger.

Alte Freunde misstrauen sich

Runde um Runde tauchen neue Hinweise auf. Ein schwülstiges Liebesgedicht etwa, das mit einem T signiert ist. Wer denken würde, das diene der Wahrheitsfindung, sieht sich getäuscht, denn das T im Namen führen gleich mehrere Verdächtige. Immer neue Gerüchte stehen im Raum. War es eine Tat aus Eifersucht und Leidenschaft? Ging es um Geld? Führte die Tote gar ein lasterhaftes Leben?

Alte Freunde misstrauen sich plötzlich, Ehegatten verdächtigen sich der Untreue. Das feine Töchterlein aus gutem Haus scheint mit allen Wassern gewaschen und auch der undurchsichtige Herr Senator verfügt über Einnahmequellen, die nicht über jeden Zweifel erhaben sind. Und da ist auch noch die Schwester der Toten, die ein zwielichtiges Varieté betreibt.

Ein erfolgloser Schriftsteller beklagt den Diebstahl seines Manuskripts und welche Rolle Emil Hypschmann, der geschniegelte Theaterkritiker mit Nadelstreifenanzug, im Ganzen spielt, bleibt lange im Dunkeln.

Irene Brioschi, Präsidentin des Vereins Theater Dietikon, freut sich über das Echo auf die Idee, für einmal im «Raum One» das Kochen mit Theaterspielen zu verbinden. «Wir waren schnell ausgebucht und haben bereits jetzt beschlossen: Es wird eine Wiederholung im nächsten Winter geben.» Die Crew des Vereins sorgt hinter den Kulissen dafür, dass die Gäste bei allem Werweisen über den Täter auch kulinarisch auf ihre Rechnung kommen. Und schnell wird klar: Der Mord hat niemandem den Hunger verdorben.

Aber wer hat den Mord begangen? Der Gärtner kann es nicht gewesen sein, denn ein solcher war nicht eingeladen. Christa Zihlmann aus Dietikon hat einen Verdacht: «Vielleicht war es der Herr Hypschmann? Er macht allen Frauen schöne Augen.» Sie spielt das Töchterchen Viola, und ihre Empörung darüber, verdächtigt zu werden, ist bühnenreif. Auch Therese Muralha ist gespannt, wie sich das Rätsel lösen wird. Sie verkörpert die Schwester des Opfers und sagt: «Ich war zu Beginn so nervös, wie wenn ich auf die Bühne müsste.»

Immer deutlicher wird, dass alle acht Verdächtigen ein Motiv haben und alle irgendwo ein Geheimnis hüten. Der Täter oder die Täterin – dies, aber nur dies sei hier verraten – ist am Ende dann doch jemand, der eigentlich am wenigsten verdächtigt wurde. Und so soll es in einem richtigen Krimi auch sein, denn alles andere wäre langweilig.