Geroldswil
Krimiautor Erwin Bühler lässt Geroldswiler ins Messer laufen

Erwin Bühler hat in der Gemeindebibliothek seinen dritten Krimi «Tödliches Kellerfest» präsentiert - ein Streifzug durch bekannte Gefilde mit vertrauten Gesichtern. Nur ist das Böse unter der Sonne im fiktiven Limmattal zwischen den Seiten versteckt.

Daniel Diriwächter
Merken
Drucken
Teilen
Das Böse lauert überall – besonders in Bibliotheken: Erwin Bühler bei der Buchvernissage in Geroldswil.

Das Böse lauert überall – besonders in Bibliotheken: Erwin Bühler bei der Buchvernissage in Geroldswil.

Daniel Diriwächter

Nein, ein «cooler» Junge war Mike Ackermann nie. Der 16-Jährige aus Geroldswil galt als verschlossen und bunkerte sich oft in seinem Zimmer ein. Nun ist Mike tot. Erstochen. Ein klarer Fall für Kommissar Peter Huber, dessen Einsatzgebiet das Limmattal ist. Doch keine Panik, die «Akte» Mike ist pure Fiktion. Es handelt sich dabei um den neusten Limmattal-Krimi von Hobby-Autor Erwin Bühler.
«Tödliches Kellerfest» ist mittlerweile sein dritter Roman, der in der Gemeindebibliothek Geroldswil die Buch-Vernissage feiert. Ein idealer Ort. Nicht nur, dass eine Bibliothek geradezu prädestiniert ist für solche Anlässe, nein, sie gilt auch, und das wissen Liebhaber der Krimi-Literatur, als Stätte des Bösen. Zahlreiche Morde wurden schon in Bibliotheken begangen - und in Romanen genüsslich ausgebreitet.
An Regalen kleben Polizei-Bänder
Das weiss auch Erwin Bühler, der an seinem jüngsten Werk diabolischen Spass hat. An der Lesung am Mittwochabend sind glücklicherweise keine Leichen zu finden, auch wenn die Regale mit den typisch gelben Polizei-Bändern verklebt sind. Bis auf den letzten Platz drängt sich das Publikum in den Saal, um das beschauliche Limmattaler Leben für einen Abend mit einem gefährlichen Ambiente zu tauschen. «Wir hatten schon bekanntere Autoren für eine Lesung bei uns», sagt Conny Voltzenlogel, Leiterin der Bibliothek Geroldswil, «aber noch nie war der Andrang so gross wie heute.» Autor Erwin Bühler nutzt diese Gelegenheit, um auf die vorangegangenen zwei Romane hinzuweisen. Er liest Schlüsselszenen aus «Die Tote im Wartesaal» und «Tod auf dem Personalparkplatz». Doch wer eine Parodie auf die Krimi-Kultur vermutet, liegt falsch. Zudem andere Titel wie «Ein plötzlicher Todesfall» (Joanne K. Rowling) oder «Der Tod auf dem Nil» (Agatha Christie) auch nicht viel gewiefter sind.
Paul Studer als Vorbild
Die Sprache von Bühler bleibt auch in seinem dritten Buch eine direkte. «Ich bin kein Fan von dicken Schinken und verzichte daher auf allzu detaillierte Beschreibungen», sagt er. Seine Hauptfigur, Kommissar Peter Huber, will er nicht überzeichnen und fokussiert sich lieber auf die Geschichte. Immerhin, das wissen wir, ist Huber kein James Bond, sondern ein 28-jähriger knorriger Typ mit dürftigem Erfolg bei der Damenwelt. Mit Vorliebe bringt Bühler auch reale Menschen in die Geschichte ein. Beispielsweise orientiert sich «sein» Gemeindepräsident Edi Hammer aus Oetwil klar am realen Paul Studer - selbstverständlich mit dessen Zustimmung.
Ein Kriminalautor muss in der Lage sein, den Ort des Geschehens wie die eigene Westentasche zu kennen. Bei Bühler, seit 20 Jahren im Limmattal wohnhaft, ist das durchaus der Fall. Er wird noch weitere fiktive Leichen hinter Supermärkten oder Callcentern entdecken. Schliesslich hat auch Agatha Christie nichts anderes getan, als ihre Figuren in ihr vertrauten Gegenden ins Messer laufen zu lassen.