Schlieren

Kriegstänze im Limmattal sollen Energien freisetzen und beim Abnehmen helfen

Inspiriert von den Kriegstänzen der Maori: Eine Gruppe von Frauen im «Dynamis» in Schlieren.

Inspiriert von den Kriegstänzen der Maori: Eine Gruppe von Frauen im «Dynamis» in Schlieren.

Sie sollen verborgene Energien freisetzen und beim Abnehmen helfen: Kriegstänze der Maori sprechen Leute an, denen Fitness im herkömmlichen Sinn zu anstrengend und Yoga zu spirituell ist.

Simone Tapsell legt eine CD mit der Aufschrift «Mind, Body and Soul» in den CD-Spieler, steckt sich ein Mikrofon an und stellt sich vor der riesigen Spiegelwand auf. Aus den Lautsprechern ertönt eine atmosphärische Musik, die man als Ethno-Ambiente bezeichnen könnte. Die Kursteilnehmenden verteilen sich im Raum und machen sich bereit für die anstehende «Aroha»-Lektion. Der Kurs wurde neu ins Programm des Fitnesscenters «Dynamis» beim Bahnhof Schlieren aufgenommen und fand am letzten Donnerstagabend zum ersten Mal statt.

Tapsell ist eine von zwei Fitnesstrainerinnen, die «Aroha» in Schlieren anbieten. «‹Aroha› ist kein normales Fitnesstraining», sagt sie. Im Gegensatz zum beispielsweise derzeit sehr populären «Zumba» handle es sich bei «Aroha» keineswegs um einen weiteren FitnessHype. «Bernhard Jakszt, dem Erfinder von ‹Aroha›, geht es auch um eine spirituelle Dimension», betont Tapsell. Die von indigenen Kriegstänzen sowie von Tai-Chi und Kung Fu inspirierten Übungen würden auch zu mehr mentaler Stärke führen.

«Aroha» bedeutet Liebe in der Sprache der Maori, der indigenen Bevölkerung Neuseelands. Als er einige Jahre in dem Land verbrachte, wurde Jakszt, ein Fitnesstrainer und -ausbildner aus Deutschland, auf die Kriegstänze der Maori aufmerksam. Von diesen Tänzen wurde er inspiriert, einen neuen «Gesundheitskurs» – das Wort verwendet Jakszt selbst – zu entwickeln. «Aroha» war geboren.

Auf der Website seiner «Aroha Academy» verspricht er, das Programm festige Gesäss, Oberschenkel und Bauch und führe zu innerer Ausgeglichenheit; zudem soll es «verborgene Energien freisetzen» und «der Seele ein Wohlbefinden bereiten».

Die meisten Übungen sind nach einem einfachen Grundmuster aufgebaut: Aus der breitbeinigen Grundposition bewegt man sich jeweils einen Schritt nach rechts, zurück in die Mitte, nach links und wieder zurück. Die perkussive Musik, die immer im Dreivierteltakt komponiert ist, gibt den Rhythmus für den Grundschritt vor.

Parallel dazu werden verschiedene einfache Bewegungen mit den Händen ausgeführt, die den Übungen ihren Charakter geben: Eine Übung etwa mit einer ziehenden Handbewegung diagonal vor dem Körper durch nennt sich «Kanu»; eine andere, bei der jeweils ein Arm zackig vor dem Körper angewinkelt wird, trägt naheliegenderweise den Namen «Schild».

«Das ist typische für ‹Aroha»», sagt Tapsell, «wir arbeiten immer mit Bildern». In den darauffolgenden Lektionen werde dann etwa noch der «Tiger» oder der «Kranich» eingeführt. «Viel schwieriger werden die Übungen jedoch nicht», betont die Trainerin.

Die Einstiegsschwelle liege bewusst tief. Auch muss man nicht bereits gut trainiert sein, um an «Aroha»-Lektionen teilzunehmen; die Übungen führen nie in die Nähe des Erschöpfungs-Limits und man kann problemlos selbst regulieren, wie viel Kraft man einsetzt. Das heisst aber nicht, dass man nicht ins Schwitzen gerät. Man bewegt sich viel, dazwischen gibt es kurze Trinkpausen. Die anstrengendste Übung heisst «Haka», benannt nach dem Maori-Tanz, der die Vorlage für «Aroha» war. Dabei senkt man das Gesäss so weit nach unten wie möglich, während man im Rhythmus der Musik mit den Fersen wippt. Nimmt man die Übung ernst, ist gegen Ende der Lektion durchaus ein Ziehen in den Oberschenkeln zu spüren.

Nach 50 Minuten erlöst Tapsell die Teilnehmenden von den Übungen. Nach einem kurzen Dehnen zu etwas ruhigerer Musik ist die Lektion zu Ende. Schnell verlassen die Teilnehmenden den Raum und machen Platz für die nächste Gruppe, für die kurz darauf ein paar Hanteln bereitgelegt werden.

«Ich bin vor allem hier, um fitter zu werden», sagt eine Frau aus Schlieren nach der Lektion. Es beruhige sie aber auch, wenn sie die Übungen mache. «Viele Leute kommen auch einfach ins ‹Aroha›, weil sie abnehmen möchten», sagt Elsbeth Pantaleo, die zweite Trainerin, die in Schlieren die Kurse anbietet und die zuvor ebenfalls an der Lektion teilgenommen hat. Zwar sei «Aroha» schon besinnlicher als andere Fitness-Programme, aber auch weniger spirituell als etwa Yoga.

«Ich habe jeweils in meinen Pilates-Lektionen einige ‹Aroha›-Elemente eingebaut», erzählt Pantaleo, «und die Leute haben das geliebt.» Dem entsprechend gut komme auch der neue Kurs an. «Wir werden nun noch einen weiteren anbieten», so Pantaleo. Dieser wird jeweils am Montagmorgen stattfinden.

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