Bezirk Dietikon

Krebszählung: «Das Resultat ist katastrophal schlecht»

Die Resultate der Krebszählung sind verheerend.

Die Resultate der Krebszählung sind verheerend.

Mitte August wurden die Gewässer im Bezirk Dietikon nach Krebsen abgesucht. Jetzt liegen die Ergebnisse vor – die Zahlen sind verheerend. Es bestehe für sämtliche Gewässer im Bezirk akuter Renaturierungs- oder Revitalisierungsbedarf.

Mitte August wateten Rolf Schatz und Pascal Stricker von der Interessengemeinschaft «Dä neu Fischer» Stunde um Stunde durch die Bäche, Weiher und Uferzonen des Bezirks und suchten nach Krebsen. Jetzt liegen die Schlussergebnisse dieser Krebskartierung vor: In vier Gewässern wurden überhaupt noch Krebse gefunden – nur gerade zwei beherbergen noch einheimische Tiere. «Das ist ein katastrophal schlechtes Resultat», sagt Schatz.

Die einheimischen Arten wurden in Birmensdorf und in Weiningen ausgemacht: In Birmensdorf leben Steinkrebse, in Weiningen Edel- und Steinkrebse. Das immerhin ist ein schönes Ergebnis dieser Suche, denn laut Schatz ist es höchst selten, dass in einem Bach zwei Arten leben. «Es ist ein wunderschönes Gewässer, das oberhalb des Dorfes propenvoll ist mit Krebsen», so Schatz. In der Ebene dann habe man im gleichen Gewässer keine Krebse mehr gefunden. «Im Dorf ist der Bach in einem ähnlich bedenklichen Zustand wie die meisten anderen Bäche im Bezirk», so Schatz. Will heissen: Die Gewässer sind verschlammt, kanalisiert, verbaut und durch Nährstoffeintragungen belastet.

Amerikanische Einwanderer

Krebse gefunden wurden auch in der Limmat und im Binzerliweiher in Oetwil. Bei den Tieren handelt es sich aber um Kamberkrebse – sie sind den Naturliebhabern ein Dorn im Auge. Die aus Amerika eingeschleppte Art trägt die Krebspest in sich, eine für einheimische Tiere tödliche Pilzkrankheit. Die unerwünschten Einwanderer verdrängen die Schweizer Krebse bis zum Aussterben. «Im Weiher wimmelt es von ihnen», sagt Schatz zu der Anzahl gezählter Kamberkrebse; auf kleiner Fläche habe er bis zu 20 Tiere ausmachen können. Für Badende seien die Krebse nicht gefährlich, man müsse aber aufpassen, dass man keine Pilzsporen des Krebspesterregers verschleppe. «Wer mit Stiefeln am Ufer herumläuft oder mit einem Taucheranzug schwimmt, sollte diesen unbedingt vollständig trocknen lassen oder gründlich putzen.» So könne dem Ausbreiten der Krebspest vorgebeugt werden.

Krebse aus dem Bilderbuch

«Der Bezirk Dietikon ist ein weiterer Beleg dafür, wie schlecht es um unsere Gewässer steht», sagt Schatz. Es bestehe für sämtliche Gewässer im Bezirk akuter Renaturierungs- oder Revitalisierungsbedarf. Ausserdem müsste die neue Gewässerschutzverordnung unbedingt umgesetzt werden. Dieses sieht unter anderem vor, dass die Pufferzonen zwischen Landwirtschaftsland und Ufer breiter werden. Heute beträgt diese Zone drei Meter – laut Schatz zu wenig, um die Gewässer beispielsweise vor der Verschmutzung mit Gülle zu schützen. Dass diese Verbreiterung der Pufferzonen nicht allen Betroffenen gefällt, ist klar. Laut Schatz wehren sich denn auch verschiedene Kreise vehement gegen die neue Gewässerschutzverordnung. Er aber sieht schwarz für die Artenvielfalt. «Wenn wir nicht handeln, werden wir unseren Kindern einheimische Krebse und viele Fischarten nur noch im Bilderbuch zeigen können.»

Die Daten aus dem Bezirk Dietikon werden jetzt an das Bundesamt für Umwelt und die kantonale Fischerei- und Jagdverwaltung übermittelt. Dem Kanton dienen sie als Grundlagen für einen Krebsatlas.

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