So schnell lässt sich die Gift-Katastrophe im Länggenbach nicht vergessen. Zu gross war ihr Ausmass. Zur Erinnerung: Hunderte Edelkrebse wurden getötet, nachdem schon zwei Wochen zuvor die Fische verendeten. Fruchtbar sind dafür die Ermittlungen der Kantonspolizei Zürich. Ihr neuster Erkenntnisstand: Es war ein einziges Insektizid, das im Handel frei erhältlich ist, wie ein Polizeisprecher am Donnerstag ausführte. Den Namen der Substanz verrät er aus taktischen Gründen nicht. Denn auch allfällige Verdächtige lesen hier mit.

Ohne den Namen der Substanz lassen sich noch keine nützlichen Vermutungen anstellen, wer am Anfang der Katastrophe stand. Ein Landwirt, ein Hobby-Gärtner, ein Lieferant? Alles ist möglich. In den üblichen Baumärkten sind Insektizide für wenige Franken pro hundert Milliliter zu kaufen, zum Beispiel in 0,75-Liter-Sprühflaschen. In den Produktbeschreibungen hat es jeweils diverse Hinweise: Vorsichtig verwenden. Schutzkleidung tragen. Nicht in die Hände von Kindern gelangen lassen. Und schon gar nicht in Gewässer.

Die Frage nach der Verdünnung

Die nächste Frage: Wie viel der todbringenden Substanz ist im Gewässer gelandet? Wie hoch war der Verdünnungsgrad? War es ein Problem, dass es in den drei Tagen vor der Entdeckung der toten Krebse nicht regnete? Wann trat die Substanz ein? Zwei Tage, fünf Stunden oder 30 Minuten vor der Entdeckung? Die Antworten darauf kommen, sobald der Verursacher feststeht, seine Aussage macht und möglicherweise alles eingesteht. Wer denkt, er könnte die Verschmutzung verursacht haben, sollte sich bei der Polizei melden. So würden die Ermittlungen vereinfacht respektive beschleunigt, bestätigt auch ein Polizeisprecher.

In einem Fall von Januar 2016 ermittelte die Geroldswiler Gemeindepolizei erfolgreich und büsste den Verursacher. Damals hatte sich der Bach in der Fahrweid blau-weiss gefärbt und es kam zu einem Fischsterben. Die Feuerwehr Oetwil-Geroldswil konnte damals einen Teil der Flüssigkeit von der Oberfläche des Baches absaugen.

Das fällt auf: Die Häufung der Ereignisse im Länggenbach. Denn mit dem Krebssterben von letzter Woche, dem Fischsterben vor drei Wochen und jenem im Jahr 2016 ist die Verschmutzungsliste noch nicht komplett. Im Mai 2015 wurde wegen einer falsch angeschlossenen Leitung Abwasser in den Bach geleitet. Das sind die bekannten Fälle. Die Behörden erfahren aber nur von jenen Fällen, die der Polizei gemeldet werden. Die auffällige Häufung könnte also damit zu tun haben, dass früher nicht jeder Vorfall an die Öffentlichkeit gelangte, dass es ein Zufall ist oder dass im Umfeld des Länggenbachs zu oft unsorgfältig mit gefährlichen Stoffen umgegangen wird.

Länggenbach-Pächter Albert Demut weist darauf hin, dass die letzten Verschmutzungen nicht absichtlich verursacht wurden. Oft sind es Missgeschicke. Gleichzeitig betont Demut: «Ich hoffe, dass in Zukunft endlich nichts mehr passiert, damit wir wieder eine saubere Natur haben.»

Der Länggenbach in der Politik

Soweit zur Katastrophe mit dem Gift, das irgendwo oberhalb des Kiesfängers beim Schulhaus Schlüechti in den Bach eingetreten sein muss. Der Bach ist gleichzeitig auch im Gemeinderat ein Thema. Denn im Zuge der Arbeiten an den Weininger Strassen und dem Lindenplatz wird auch der im Dorf eingedolte Bach baulich verändert. Die Arbeiten sollen 2018 mit den Werkleitungen starten. Der Bach wird verlegt, was mit 1,2 Millionen Franken zu Buche schlagen wird. Eine gebundene Ausgabe, an der sich auch der Kanton beteiligen soll. Wie Gemeindepräsident Hanspeter Haug (SVP) am Donnerstag auf Anfrage bestätigte, befinden sich Gemeinde und Kanton weiterhin in Verhandlungen zur Höhe der Kostenbeteiligung durch den Kanton.

Ein anderes Anliegen beim Länggenbach bestand vor einiger Zeit darin, ihm ein breiteres Bachbett zu geben, da der verbaute Bach über zu kleine Pufferstreifen verfüge, wie es im Landschaftsentwicklungskonzept der Zürcher Planungsgruppe Limmattal (ZPL) im Jahr 2003 hiess. Die Idee wurde in Weiningen aber verworfen. Das Kulturland hätte gleich hektarenweise Platz machen müssen für die Renaturierung mit einer Verbreiterung des Gewässerraums auf rund zehn Meter.