Dietikon
Kranke Eschen sorgen für Gefahr am Marmoriweiher

Am Marmoriweiher müssen 25 Bäume gefällt werden, die von einem aggressiven Pilz befallen sind.

Jefimija Djukic
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Thomas Weber zeigt die infizierten Stellen der gefällten Esche.

Thomas Weber zeigt die infizierten Stellen der gefällten Esche.

Jefimija Djukic

Thomas Weber blickt auf die Eschen. «Die Situation ist schwierig, der ganze Kanton Zürich ist davon betroffen», sagt der Leiter der Abteilung Gartenbau der Stadt Dietikon. Vor gut einer Woche wurden am Marmoriweiher 25 kranke Eschen entdeckt und gefällt. Ein aggressiver Pilz, die sogenannte Eschenwelke, hat zugeschlagen. Es ist nicht das erste Mal. Zehn Bäume wurden in den letzten Jahren schon gefällt. Im Honeret-Wald waren im Oktober 2012 fast 100 Prozent aller Eschen infiziert.

Damit nicht genug. Das grosse Problem: Die Verbreitung der Krankheit lässt sich nicht verhindern, denn der Pilz verteilt sich in der Luft. Kommt hinzu, dass die Herkunft des Erregers der Eschenwelke, ein aggressiver Pilz aus der Gruppe der Schlauchpilze, bis heute unklar ist. Weite Teile Europas sind von dieser Krankheit betroffen. Im August 2008 wurde der Pilz im Grossraum Basel zum ersten Mal an erkrankten jungen Eschen nachgewiesen. Seither hat sich die Krankheit auch im Kanton Zürich sowie im Limmattal massiv verbreitet.

Im Anfangsstadium der Krankheit bildet sich ein wachsender Pilz, der weiss ist, später aber Verfärbungen vorweisen kann. Es entstehen braune Blattflecken. Dies kann aber gemäss Weber auch bei anderen Baumkrankheit auftreten. Typisch für diese Pilzart, die auch «das falsche weisse Stängelbecherchen» genannt wird: Der Baum macht ein Nest von Ästen. Unterhalb der Rindennekrosen ist das Holz oft goldbraun verfärbt. Die Zweige verwelken, Äste vertrocknen. Vor allem junge Bäume sind davon betroffen und können rasch vollständig absterben.

Dieser Anblick tut weh

«Die Situation ist heikel, bei stärkerem Wind können die Äste abbrechen», sagt Weber. Der Marmoriweiher in Dietikon sei stark frequentiert. Deshalb habe man sich dazu entschieden, 25 Bäume zu fällen. Um ein Sicherheitsrisiko zu meiden, wird generell empfohlen, die infizierten Eschen zu entfernen. Weber zeigt auf den Baumstumpf, bei dem sich rotbraune Stellen erkennbar machen. «Für uns Grünpfleger tut das natürlich weh», sagt er.

Mit der Esche würde eine wichtige Laubbaumart verloren gehen. Denn sie kann für viele Zwecke verwendet werden. Besonders dann wird es eingesetzt, wenn hohe Ansprüche an die Festigkeit, Zähigkeit und Elastizität gestellt werden, so zur Herstellung von Stielen für Hämmer, Beile, Schaufeln, Äxte und andere Werkzeuge.

Eschen sollen erhalten bleiben

Ein Werkzeug, um die Krankheit einzudämmen, gibt es noch nicht. «Eine Bekämpfungsmethode gibt es nicht», heisst es von Valentin Queloz, Gruppenleiter Waldschutz der eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) im Birmensdorf. Man erforsche jedoch weiterhin gezielt den Krankheitsverlauf und die Ausbreitung des Pilzes. So könnten nicht nur die oberen Triebe, sondern auch der Stamm vom Pilz befallen werden, weshalb Sicherheitsvorkehrungen, wie das Fällen von stark infizierten Bäumen, notwendig seien.

Als Massnahme zum Schutz der Umwelt rät Queloz jedoch möglichst wenige Eschen zu fällen. «Gering befallene oder gar gesunde Eschen sollten auf alle Fälle erhalten bleiben und gefördert werden», sagt Queloz. Sei nur die Krone infiziert, sollte man den Baum stehen lassen. Sobald die Krankheit sich runter zum Stamm erstrecke, müsse der Baum allerdings gefällt werden, weil er als gefährlich eingestuft wird. «Möglichst die Natur spielen lassen», empfiehlt er deshalb.