Limmattal
Kraftwerke an der Limmat schrecken die Biber ab

In den nächsten Jahren erwarten Experten trotz baulicher Hindernisse erste Reviere in der Region. Besonders attraktive Lebensräume für die Biber entstehen durch die Renaturierung des Limmatufers.

Florian Niedermann
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Auch hier am Limmatufer könnten bald Biber leben – renaturierte Abschnitte eignen sich besonders.Archiv

Auch hier am Limmatufer könnten bald Biber leben – renaturierte Abschnitte eignen sich besonders.Archiv

Das Zürcher Limmatufer wird schon bald wieder von Bibern bevölkert. Die Population ist in der Schweiz in den letzten Jahren stark angestiegen, nachdem die Nagetiere Anfang des 19. Jahrhunderts ausgerottet worden waren. Auch an der Limmat leben wieder mehrere Biberfamilien – allerdings noch nicht im Kanton Zürich, wie Jürg Zinggeler von der kantonalen Jagdverwaltung auf Anfrage bestätigt: «Bisher gibt es keine Beweise für ein Revier. Augenscheinliche Anzeichen wie gefällte Bäume sind uns bisher noch nicht gemeldet worden.»

Die Gründe dafür liegen nicht darin, dass sich die Biber hier nicht wohlfühlen, sondern in den Hürden, die sie auf dem Weg hierher überwinden müssen, wie Christof Angst von der Beratungs- und Koordinationsstelle für Biberfragen des Bundes erklärt. «Wasserkraftwerke wie das in Dietikon bilden Hindernisse für Biber, die sich ein Revier suchen.» Zwar könnten sie diese Barrieren zu Fuss umgehen oder über eine Fischaufstiegshilfe überwinden. Oft schrecke dieser Mehraufwand die Nager aber davon ab, weiter flussaufwärts zu gehen, so Angst.

Lebensbedingungen wären gut

Der Siedlungsdruck der Biber im Kanton Aargau sei derart gross, dass in den nächsten Jahren aber auch im Zürcher Limmattal mit Biberbauten zu rechnen sei, sagt Angst. «Der Biber braucht nicht viel mehr als Wasser und Weichholzbäume als Futter. Davon findet er an der Limmat genug.»

Besonders attraktive Lebensräume entstehen durch die Renaturierung des Limmatufers, wie etwa in Oetwil, Geroldswil, oder dem Werdhölzli. Dabei wird das Ufer abgeflacht, verbreitert und natürlicher gestaltet. «In diesen Bereichen werden die Biber sich zuerst niederlassen. Mit den natürlich gewachsenen oder angepflanzten Weiden finden sie dort ein reiches Futterangebot», sagt Angst.

In anderen Regionen des Kantons sind die Biber schon weitverbreitet. So etwa entlang der Töss, der Thur und des Rheins. Dort sei es deshalb auch zu Schäden gekommen, die die Nager beim Errichten ihrer Bauten verursacht hätten, sagt Zinggeler. Dabei handelte es sich um Dämme, die zur Überflutung von landwirtschaftlicher Nutzfläche führten, gefällte Bäume, die auf dem Land eines Bauern lagen, oder um eingestürzte Uferwege, unter die Biber ihre Höhlen vom Wasser her gegraben hatten. Das Problem sei, dass der Eigentümer des Landes für die Behebung der Schäden aufkomme, so Zinggeler. «Gerade bei Uferwegen kann das teuer werden.»

Ein Abschuss würde nichts bringen

Um zu verhindern, dass die Biber ihre Höhlen unter einem Weg graben, müssen in einem aufwendigen Verfahren Schutznetze vom Flussbett her über das Ufer gelegt oder in den Boden unter dem Weg eingegraben werden. Die Kosten trägt aber der Eigner.

Seit der Bund diesen Sommer die Jagdverordnung geändert hat, wäre es dem Kanton auch möglich, die Biber zu entfernen oder gar schiessen zu lassen. Darauf hat man bisher aber verzichtet, wie Zinggeler sagt: «Es würde nichts bringen. Wenige Wochen später wäre bereits der nächste Biber vor Ort.» Die beste Voraussetzung dafür, dass sich der Biber wieder an den Schweizer Flüssen niederlassen könne, ohne der Infrastruktur zu schaden, würden renaturierte Ufer, wie sie an der Limmat entstehen, bieten: «An den Flachufern entsteht eine 10 bis 15 Meter breite Zone, wo die Biber Höhlen graben können, ohne dabei Schaden anzurichten.»