Schlieren
Kosmetik aus dem Limmattal: Von Schlieren gehen die Crèmen in die ganze Welt

Die Produktion von Louis Widmer begann in Uitikon und wird seit über 50 Jahren im Schlieremer Industriegebiet fortgesetzt.

Lydia Lippuner
Merken
Drucken
Teilen
Vom Öl bis zur Crème: Im Schlieremer Hauptsitz kann man die ganze Produktionskette verfolgen.

Vom Öl bis zur Crème: Im Schlieremer Hauptsitz kann man die ganze Produktionskette verfolgen.

Claudio Thoma

Es wirkt sauber, ja mehr noch: blitzblank. Die gläserne Doppelscheibe hält die Besucher davon ab, die Crèmen in den riesigen Produktionsmaschinen der Louis Widmer zu berühren. «Wir produzieren die Kosmetika nach pharmazeutischen Standards», sagt Linda Borer, Mediensprecherin des international bekannten Familienunternehmens mit Sitz in Schlieren. Deshalb sei es unmöglich, näher als in den Besucherraum vorzudringen – auch nicht, um ein Foto zu machen. Mit einem komplizierten Unterdrucksystem werden selbst aerobe Keime von den Produkten ferngehalten.

Hinter Glas: In der Vitrine des Produktionsschauraums stehen alle Crèmen in Reih und Glied aufgestellt. 75 Prozent der gesamten Produkte werden exportiert.

Hinter Glas: In der Vitrine des Produktionsschauraums stehen alle Crèmen in Reih und Glied aufgestellt. 75 Prozent der gesamten Produkte werden exportiert.

Claudio Thoma

Einen Stock höher werden die Crèmen von rund 50 Mitarbeitenden abgefüllt und verpackt. 75 Prozent der Päckchen verlassen die Schweiz und werden beispielsweise nach Kuwait, Russland oder China versendet. «Doch der Heimmarkt ist nach wie vor sehr stark. Wir sind immer noch unter den Top 3 der Kosmetikanbietern», sagt Annemarie Widmer, Inhaberin von Louis Widmer. Auch in der direkten Nachbarschaft im Limmattal hat die Firma eine rege Kundschaft.

Im Sommer finden vor allem Sonnencrèmen Anklang, im Winter werden rückfettende Crèmen für die trockene Jahreszeit gekauft. Das Unternehmen ist schon seit den 1970er-Jahren in Schlieren ansässig. «Zuerst stellte mein Grossvater Louis Widmer noch Crèmen in seiner eigenen Küche her», sagt die Enkelin.

«Zuerst stellte mein Grossvater Louis Widmer noch Crèmen in seiner eigenen Küche her.» Annemarie Widmer, Inhaberin

«Zuerst stellte mein Grossvater Louis Widmer noch Crèmen in seiner eigenen Küche her.» Annemarie Widmer, Inhaberin

Limmattaler Zeitung

Bald wurde es jedoch zu eng für Familie und Betrieb im selben Haus. Da verlegte er die Produktion, den Vertrieb und die Verwaltung nach Schlieren. Seither ist das Unternehmen dort verankert. «Einerseits hat Schlieren den Vorteil, dass es sehr gute Verkehrsanschlüsse hat. Andererseits haben wir seit Jahren treue Mitarbeiter aus dem Limmattal», sagt Annemarie Widmer.

Preisgekürter Familienbetrieb

Es war schon immer der Traum der Enkelin, in den Familienbetrieb einzusteigen. Doch erst wollte ihr eigener Vater, dass sie ihre Hörner ausserhalb seines gut behüteten Familienbetriebs abstösst. Mit 27 Jahren, nach dem Tod ihres Vaters, hat Annemarie Widmer die Führung dann übernommen. Das ist nun 15 Jahre her. In ihrem Büro steht heute noch ein Foto ihres Vaters. «Es war ein harter Start, obwohl ich zuvor vier Jahre lang die Möglichkeit hatte, den Betrieb kennen zu lernen», sagt sie rückblickend.

Zum ersten Mal in der 58-jährigen Geschichte leitet nun eine Frau den Kosmetikbetrieb. Ihr ist es wichtig, nahe an den Mitarbeitern und dem Produkt zu sein: «Ich bin sogar noch mehr involviert in der Entwicklung der Produkte als mein Vater», sagt sie. Jeder Prototyp geht durch ihre Hände, bevor er weiter getestet wird.

Einige Stockwerke über der Produktion wird jede Crème nochmals kontrolliert, bevor sie endgültig das Werk in Schlieren verlässt.

Einige Stockwerke über der Produktion wird jede Crème nochmals kontrolliert, bevor sie endgültig das Werk in Schlieren verlässt.

Limmattaler Zeitung

«Wir sind ein verlässlicher und konstanter Partner für unsere Kunden», sagt Annemarie Widmer. Konstanz sei wohl der grösste Vorteil, den das Unternehmen aufweise. So sei es nie infrage gekommen, das Unternehmen an einen anderen Standort zu verlegen. Weiter ist es dem Unternehmen wichtig, dass sie keine Tierversuche machten und ihre Produkte nur über den Fachhandel verkauften. «Wir möchten, dass die Konsumenten eine kompetente Beratung erhalten», sagt Pressesprecherin Linda Borer. So viel Konstanz könnte schwerfällig wirken. Doch Widmer winkt ab: Die Konstanz habe dazu geführt, dass Louis Widmer sich selbst über Wirtschaftskrisen wie diejenige im 2008 bewähren konnte, die einigen Familienbetrieben den Kopf gekostet hat.

Louis Widmer produziert jährlich neun Millionen Müsterli, die über den Fachhandel verteilt werden. Diese sollen die Kunden überzeugen, das nächste Mal in der Apotheke oder der Drogerie zu einer Crème von Louis Widmer zu greifen. «Der Unterschied ist oft nicht direkt sichtbar, sondern zeigt sich darin, wie sich die Emulsion verteilt und wie das Hautgefühl ist», sagt Annemarie Widmer.

Anti-Aging und sensible Haut

Die heutigen Kunden verlangen jedoch nicht nur nach Tradition. Innovation ist genauso wichtig. Das zeigt sich auch bei den Sonnencrèmen. Laut Widmer sei es vor einigen Jahren noch üblich gewesen, eine Sonnenmilch mit Faktor 4 zu kaufen. Heute gebe es kein Produkt mehr unter 20. Auch die Nachfrage nach Anti-Aging-Mitteln sowie Crèmen für sensible Haut nimmt zu.

Widmer selbst crèmt sich an Büro-Tagen mit einem Sonnenschutzfaktor 30 ein, wenn die Sonne intensiv scheint. «Denn die Haut vergisst ja bekanntlich nichts», sagt sie mit einem Schmunzeln.

Falls Sie diese Fragen nicht mit Sicherheit beantworten können unbedingt die sechs Tipps lesen:

Tipps gegen Sonnenbrand: Die häufigsten Fehler unter der Sonne

Oups, du hast dich verbrannt.» Die Frau zeigt auf die deutlich gerötete Schulter ihrer Kollegin. «Anfängerfehler. Das hätte ich besser wissen sollen.» Im Kopf läuft bereits ein Film ab, was das bedeuten könnte. Von dem brennenden Schmerz bei einem freundschaftlichen Schulterklopfen bis hin zu drohendem Hautkrebs, der durch Sonnenbrand begünstigt wird.

Die Inhaberin der Kosmetik- und Pharmafirma Louis Widmer, Annemarie Widmer, erklärt, was die häufigsten Fehler sind, aufgrund welcher es trotz grossem Vorwissen immer wieder zu Sonnenbränden kommt:

Zu spät und zu wenig: Wenn die Sonnencreme bereits zweijährig ist, ist das ein Anzeichen dafür, dass der Benutzer sich zu geizig eincrèmte. Dabei gilt die Faustregel: Für das Gesicht braucht man eine Fingerlänge Crème, für die Arme je zwei und für den Rücken vier. Grundsätzlich ist es besser, eine Sonnencrème mit dem Faktor 15 gut einzucrèmen als Faktor 50 nur halbwegs einzureiben. Damit die Sonnenschutz-Filter in der Oberhaut wirksam werden, muss man sie eine halbe Stunde vor dem «Sünele» einreiben.

Erneuern statt verlängern: Immer wieder eincrèmen verlängert den Schutzfaktor der Sonnencrème nicht. Das heisst, wenn jemand mit einem mittleren Hauttyp (das heisst mit heller Haut und braunen Augen und Haaren) einen Eigenschutz von rund 30 Minuten hat, wird dieser durch die Sonnencrème wohl verlängert. Wenn die Zeit um ist, kann er trotzdem einen Sonnenbrand bekommen. Der Faktor lässt sich auch nicht addieren. Das heisst, wer zweimal Lichtschutzfaktor 20 aufträgt, ist nicht mit Lichtschutzfaktor 40 geschützt.

Wasserfeste Sonnencrèmen müssen ebenfalls erneuert werden. Die Schutzwirkung wird durch mehrfaches Baden, Schwitzen und vor allem durch Abtrocknen vermindert. Gemäss internationaler Definition bedeutet wasserfest, dass der UV-Schutz auch nach zwei Mal 20 Minuten Sprudelbad immer noch zur Hälfte vorhanden sein muss. Ein häufiges Missverständnis ist auch, dass man im Wasser vor den UV-Strahlen geschützt ist. Doch in der Tat reichen über die Hälfte der UV-Strahlen einen halben Meter unter die Wasseroberfläche.

100 prozentiger Schutz: Auch Sonnencrèmen mit der trügerischen Aufschrift «Sunblock» oder «Daylong» bieten keinen absoluten Schutz vor Verbrennungen. Bislang wurde noch keine Crème entwickelt, die einen vollen Schutz gegen Sonnenbrand bietet.

Schatten, Kleider oder Selbstbräuner schützen nicht. Dass man sich selbst im Schatten oder bei bedecktem Himmel verbrennen kann, ist wohl den meisten Wanderern bekannt. Doch selbst unter der Kleidung können die UV-Strahlen einen Schaden anrichten. Deshalb sollte man sich besonders unter dem dünnen, handelsüblichen Badeanzug-Stoff vor der Sonne schützen. Selbstbräuner bieten nur ein kosmetisches Resultat, sie schützen die Haut nicht.