Schlieren
Konzertverbot für kroatischen Sänger: Veranstalter legt Rekurs ein

Nachdem der Stadtrat dem umstrittenen kroatischen Sänger Thompson ein Auftrittsverbot erteilte, wehrt sich der Organisator.

Alex Rudolf
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Ein Lied von Marko Perković soll bei EM-Spielen der kroatischen Nationalmannschaft im Stadion gespielt worden sein.

Ein Lied von Marko Perković soll bei EM-Spielen der kroatischen Nationalmannschaft im Stadion gespielt worden sein.

imago/Pixsell

Die Organisatoren des vom Schlieremer Stadtrat verbotenen Konzerts des kroatischen Sängers Marko Perkovic alias Thompson schöpfen noch Hoffnung. Wie ein Sprecher von Cronight auf Anfrage sagt, werde man beim Statthalteramt Dietikon Beschwerde gegen den Stadtratsentscheid von vergangener Woche einreichen. «Wir haben gute Argumente, warum das Konzert keine Gefahr für die öffentliche Sicherheit darstellt», sagt der Sprecher weiter.

Dieser Auffassung ist die Schlieremer Exekutive nicht. Wie sie am vergangenen Freitag mitteilte, verbot sie den Auftritt des kroatischen Sängers, der sich nach einer Maschinenpistole benannt hat, in der Sporthalle Unterrohr vom 3. September. Erst Mitte Juli hatten die Juso Kanton Zürich den Stadtrat in einem öffentlichen Brief zu diesem Schritt aufgefordert, da Thompson ein Feind der demokratischen Gesellschaft und ein Faschist sei. So soll er Anfang der 1990er-Jahre zum Mord an Serben aufgerufen haben. Die Schweizer Medien berichteten über den geplanten Auftritt in Schlieren, womit offenbar eine Protestwelle ausgelöst wurde. Mehrere besorgte Bürger seien schriftlich an den Schlieremer Stadtrat gelangt, wie Sicherheitsvorstand Pierre Dalcher (SVP) gegenüber der Limmattaler Zeitung sagte. Vor anderthalb Wochen sprang auch das Konzertportal Starticket ab und stoppte den Verkauf der Thompson-Tickets, nachdem sich Kunden und Vertriebspartner wie Coop und die Post beschwert hatten.

In Fribourg war es friedlich

Für Organisator Cronight steht fest, dass vom Konzert keine Gefahr für die öffentliche Sicherheit ausgegangen wäre. So seien bei Thompsons letztem Schweizer Konzert in Fribourg im vergangenen Jahr ebenfalls Polizisten aufgeboten worden, um für die Sicherheit zu sorgen. «Diese verliessen jedoch das Konzertgelände, als sie die vielen Kinder im Publikum sahen», so der Veranstalter. Beim Konzert handle es sich um einen Familienanlass. So steht für den Veranstalter fest, dass sich der Schlieremer Stadtrat bei seiner Entscheidung, das Konzert zu verbieten, von den Juso habe instrumentalisieren lassen. «Wir hatten den Eindruck, dass der Stadtrat überhaupt nicht auf unsere Argumente einging und seinen Entscheid willkürlich gefällt hat», so der Sprecher.

Dalcher verweist auf Anfrage darauf, dass der Stadtrat hinter seinem Entscheid von vergangener Woche stehe. Da es sich beim Rekurs um ein laufendes Verfahren handle, könne er dazu jedoch nicht weiter Stellung nehmen.

Zuversicht bezüglich Rekurs

Stellt sich das Statthalteramt auf die Seite des Schlieremer Stadtrates, fährt Cronight finanzielle Verluste ein. «Es wäre ein Desaster», so der Sprecher und verweist auf einen rund fünfstelligen Betrag, den er verlieren würde. Vonseiten des Veranstalters sei alles richtig gemacht worden: «Wir haben in einem mehrseitigen Brief detailliert Stellung zu den Bedenken des Stadtrates genommen und uns bereit erklärt, mehr Sicherheitskräfte als notwendig anzustellen», so der Sprecher. So sei man auch zuversichtlich, was den Gang zum Statthalteramt angeht.

Auch den Sturm der Entrüstung, den der Thompson-Auftritt entfacht hat, können sich die Organisatoren nicht recht erklären. «Seine Songtexte müssen in einem historischen Kontext gesehen werden», heisst es und weiter: «Heute ist er nicht mehr der Sänger von damals.»