Limmattalbahn
Konzept für acht Fahrzeuge liegt vor: BDWM wählt bis 2018 den Lieferanten aus

Die BDWM Transport AG hat das Fahrzeugkonzept für die Limmattalbahn fertig erarbeitet. Am 28. September soll der Auftrag ausgeschrieben werden.

David Egger
Merken
Drucken
Teilen
BDB auf dem Dietiker Kirchplatz
3 Bilder
Die neuen Fahrzeuge der Limmattalbahn werden sich den kurzen Gleisabschnitt beim Dietiker Kirchplatz mit den Fahrzeugen der Bremgarten-Dietikon-Bahn teilen.
Der Lieferant für die Limmattalbahn-Fahrzeuge steht voraussichtlich bis Sommer 2018 fest. Die heutigen Diamant-Fahrzeuge der BDWM wurden von der Stadler Rail hergestellt.

BDB auf dem Dietiker Kirchplatz

David Egger

Jetzt nehmen die Fahrzeuge Gestalt an, die ab 2022 neu zwischen den Bahnhöfen Killwangen-Spreitenbach und Zürich Altstetten verkehren sollen. Der Limmattaler Zeitung liegt das Fahrzeugkonzept vor, das die BDWM Transport AG erarbeitet hat, die künftige Betreiberin der Limmattalbahn.

Es geht um acht Fahrzeuge für die Limmattalbahn. Optional wird die BDWM zwei bis acht gleiche Fahrzeuge für die Strecke der Bremgarten-Dietikon-Bahn (Linie S 17) sowie für eine mögliche spätere Taktverdichtung der Limmattalbahn mitbestellen.

Als nächster Schritt stehen nun die Entscheide des neunköpfigen Verkehrsrats des Zürcher Verkehrsverbundes (ZVV) – der von Regierungsrätin Carmen Walker Späh präsidiert wird –, des Kantons Aargau und des Bundesamts für Verkehr (BAV) an. Erst wenn alle drei das Fahrzeugkonzept abgesegnet haben, kann die Ausschreibung des Beschaffungsauftrags starten. Vorgesehen ist, dass die Ausschreibung am 28. September startet.

BDWM und BLT als Auftraggeber

Die BDWM möchte sich für die Beschaffung mit der Baselland Transport AG (BLT) zusammentun. So hat der Auftrag ein grösseres Volumen und ist für Lieferanten lukrativer. Daraus ergeben sich zudem bessere Preise und mehr Angebote. Weiter werden BDWM und BLT so auch die Ersatzteile günstiger beschaffen können. «Mit den uns anvertrauten Steuergeldern gehen wir haushälterisch um», heisst es schliesslich im Leitbild der BDWM. Wie über das ganze Fahrzeugkonzept müssen auch über diesen Plan einer gemeinsamen Beschaffung noch der ZVV-Verkehrsrat, der Kanton Aargau und das BAV entscheiden.

Keine Vorbehalte mehr gibt es offenbar beim Beschaffungsauftragsteil der BLT, der zehn Fahrzeuge umfasst: Die BLT hat auf Simap – dem Infosystem für das öffentliche Beschaffungswesen in der Schweiz – die Ausschreibung bereits vor einer Woche als Vorankündigung publiziert. Potenziellen Anbietern steht darum auf der Plattform das Fahrzeugkonzept zur Verfügung. Bewerben können sich die Lieferanten bis zum 22. Dezember um 14 Uhr. Dann hat die BDWM die Qual der Wahl. Und wann fällt der Vergabeentscheid? «Dieser Entscheid wird voraussichtlich im ersten Halbjahr 2018 fallen», sagt auf Anfrage Philipp Egli, Business-Controller bei der BDWM und dort Projektverantwortlicher für den Limmattalbahn-Betrieb.

Autonomer Fahrbetrieb: Zukunftsmusik der fahrerlosen Limmattalbahn

In ihre Beschaffung der Limmattalbahn-Fahrzeuge bezieht die BDWM den Fortschritt mit ein. «Die Realisierung eines autonomen Fahrbetriebs wird geprüft», heisst es im Konzept für die Fahrzeuge. Diese seien so auszulegen, dass automatisches Fahren schrittweise mittels Upgrades eingeführt werden könnte.

Ein erster Schritt wäre, dass ein Lokführer zwar normal die Kontrolle hat, das Fahrzeug bei der Haltestelle aber automatisch hält. Und ab wann fährt die Limmattalbahn ganz ohne Fahrer? «Dafür gibts keinen Zeitplan», sagt Philipp Egli von der BDWM. «Es geht in diesem Punkt des Fahrzeugkonzepts nur darum, dass wir uns die Möglichkeit des autonomen oder teilautonomen Betriebs nicht verbauen möchten.»

Denn die Fahrzeuge seien bis zu 30 Jahre in Betrieb – eine Zeit, in der es massive technische Fortschritte geben wird. Dass die Limmattalbahn dereinst ganz autonom fährt, ist also Zukunftsmusik. Ein anderer technischer Fortschritt im Zusammenhang mit der gemeinsamen Rollmaterialbeschaffung von BDWM und BLT ist, dass die BLT ihre Waldenburgerbahn per Dezember 2022 von der 75-Zentimeter-Spur auf die Meter-Spur hievt. Bisher war die Waldenburgerbahn einzigartig im Schweizer Pendler-Netz. (deg)

Gemäss der Ausschreibungsvorankündigung der BLT ist als Termin für die Lieferung der neuen Fahrzeuge der Zeitraum zwischen 15. Oktober 2021 und 31. Oktober 2022 vorgesehen. Wann die erste Limmattalbahn wohin geliefert wird und erstmals testweise durch Dietikon fährt, ist noch offen. Solche Details werden aber voraussichtlich den Ausschreibungsunterlagen zu entnehmen sein, die den Anbietern voraussichtlich ab 28. September zur Verfügung stehen.

Umfrage: Können Sie sich vorstellen, mit einer fahrerlosen Bahn durchs Limmattal zu reisen?

Ernst Pfister (84) Dietikon «In Zukunft wird es wohl nichts anderes mehr geben. Diese Entwicklung sieht man ja bereits jetzt. Es gibt selbstfahrende Autos, selbstfahrende Busse. Man muss sich dem fügen. Ich kann schlecht sagen, dass ich ab jetzt nur noch zu Fuss durch die Gegend marschiere.»
4 Bilder
René Stutz (48) Olten «Ein komisches Gefühl ist schon da. Aber sich gross gegen eine solche Entwicklung wehren, das können wir nicht. Irgendwann wird sich das einpendeln und es wird zur Normalität werden.»
Regina Frei (25) Schlieren «Maschinen sind in der Regel präziser als Menschen. Demzufolge ist die Idee nachvollziehbar. Jedoch hört man immer wieder von Unfällen in der Robotik und da ist meine Hemmschwelle schon sehr hoch in so ein Gefährt einzusteigen.»
Ricco Tremp (19) Dietikon «Irgendwie ist mir das fast ein wenig zu futuristisch. Aber ich denke, man sollte da aufgeschlossen sein und die Fortschritte nicht verteufeln. Zu einer Probefahrt sage ich nicht nein.»

Ernst Pfister (84) Dietikon «In Zukunft wird es wohl nichts anderes mehr geben. Diese Entwicklung sieht man ja bereits jetzt. Es gibt selbstfahrende Autos, selbstfahrende Busse. Man muss sich dem fügen. Ich kann schlecht sagen, dass ich ab jetzt nur noch zu Fuss durch die Gegend marschiere.»

Zoé Iten

Im Fahrzeugkonzept, das vom 15. August datiert, steckten bisher rund 15 Monate Arbeit. «Mit der Konzepterarbeitung haben wir im Mai 2016 begonnen, nachdem wir als Betreiberin der Limmattalbahn ausgewählt wurden», erklärt Philipp Egli. Die BDWM hatte damals die Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ) und die Sihltal-Zürich-Uetliberg-Bahn (SZU) ausgestochen – als Jury fungierten das Bundesamt für Verkehr (BAV) sowie die Kantone Aargau und Zürich.

Grosse Wartungen finden im Bremgartner Depot statt

Das Rollmaterial für BDWM und BLT wird nicht exakt das gleiche sein: Der Lieferant wird für BDWM und BLT jeweils spezifische Sonderwünsche zu erfüllen haben, geht es doch nicht nur um zwei verschiedene Bahnen, sondern auch um zwei ganz verschiedene Regionen. Die Gemeinden entlang der Waldenburgerbahn-Strecke – diese geht von Liestal nach Waldenburg – haben alle zusammen praktisch gleich viele Einwohner (27 200) wie Dietikon (26 900) alleine. Hauptsächlich auf den Bahnhof Dietikon wird denn auch der Fahrplan der Limmattalbahn ausgerichtet.

Die Züge werden wie die neuen Perrons 45 Meter lang sein und sollen über mindestens 70 Sitzplätze verfügen. Stehplätze sind mindestens 200 gefordert. Entsprechend sollen sich mindestens 70 Prozent des Wagenbodens auf Niederflurniveau befinden. Bei der vordersten und der hintersten der total acht Einstiegstüren werden voraussichtlich sogenannte Mehrzweckabteile angesiedelt, wo es dann genug Platz hat für Kinderwagen, Velos und Rollstühle – dies auch im Einklang mit dem Behindertengleichstellungsgesetz, das bis Ende 2023 vollständig umgesetzt sein muss.

Die Bereiche bei den Türen sollen grosszügig sein, sodass die geplanten Haltezeiten eingehalten werden: Bei Haltestellen mit vielen Pendlern sollen es 36 Sekunden sein, bei jenen mit tieferem Fahrgastaufkommen sind es 18 Sekunden. 37 Minuten und 24 Sekunden wird die ganze Fahrt vom Bahnhof Killwangen-Spreitenbach nach Zürich Altstetten dauern. Jedes Fahrzeug wird jährlich rund 100 000 Kilometer absolvieren.

Die BDWM fordert zudem, dass die Fahrzeuge auf den Schienen besonders ruhig laufen, zum Beispiel dank Luftfederung. Und die Bremsenergie soll jeweils in die Fahrleitung zurückgespeist werden, wie es im Fahrzeugkonzept heisst. Während die Limmattalbahn-Fahrzeuge im Dietiker Depot Müsli übernachten werden, sollen sie für grosse Wartungsarbeiten jeweils ins Depot in Bremgarten fahren.