Dietikon

Kontroverse um muslimisches Fest Bayram in Dietikon

Es sei besonders wichtig, dass die Schüler zu Schuljahresbeginn inihren Klassen erschienen, sagt Schulpräsident Jean-Pierre Balbiani. DAE

Es sei besonders wichtig, dass die Schüler zu Schuljahresbeginn inihren Klassen erschienen, sagt Schulpräsident Jean-Pierre Balbiani. DAE

Nur einmal alle paar Jahrzehnte fällt Bayram, das muslimische Fest des Fastenbrechens, genau auf den Schulanfang nach den Sommerferien. Dieses Jahr ist dies der Fall.

Das Fest, welches den Ramadan beendet, findet vom Sonntag, 19. August bis Dienstag, 21. August statt. Die Schule fängt im Kanton Zürich am 20. August wieder an.

Wie die az Limmattaler Zeitung aus gut informierter Quelle weiss, wollten die Dietiker Schulleitungen den muslimischen Familien entgegenkommen und eine Weiterbildung auf den ersten Tag nach den Sommerferien legen. So hätten sowohl Muslime, welche Bayram feiern möchten, als auch Kinder anderer Religionen an diesem Tag frei bekommen.

«Das gäbe Zündstoff»

Doch dies war nicht im Sinne der Dietiker Schulpflege. «Es gibt die Regelung, dass die Schule nach den Sommerferien wieder anfängt», sagt Schulpräsident Jean-Pierre Balbiani (SVP). «Diese Regelung ist verbindlich.» Balbiani wollte nicht bestätigen, dass die Schulleitungen vorschlugen, eine Weiterbildung auf den kritischen Tag nach den Sommerferien zu legen. Er bejahte jedoch, dass an der Schulpflegesitzung vom letzten Dienstag über einen Antrag diskutiert worden sei, den Schulanfang zu verschieben. «Dieser Antrag wurde abgelehnt», so Balbiani. Alles Weitere sei als schulpflegeintern zu betrachten.

Dass sich Kinder stattdessen mit einem der beiden Jokertage behelfen, die ihnen jährlich zustehen, ist nicht möglich. Laut Bestimmung der Schulpflege können Jokertage nicht am ersten Schultag nach den Sommerferien eingezogen werden. Dass diese Regelung für religiöse Feiertage aufgeweicht wird, kommt laut Balbiani nicht infrage: «Das gäbe ziemlich Zündstoff. Es ist wichtig, dass wir alle Schülerinnen und Schüler rechtlich gleich behandeln.»

Nebst der Dietiker Regelung über die Jokertage existiert jedoch auch noch eine Bestimmung des Zürcher Volksschulamtes über hohe Feiertage verschiedener Religionen. Im Dokument vom 25. November 2011 wird erklärt, dass der Zürcher Schulkalender aus historischen Gründen nur den evangelisch-reformierten Feiertagen Rechnung trage. Da in den letzten dreissig Jahren die Vielfalt der Religionen jedoch zugenommen habe, sei es in der Volksschulverordnung vorgesehen, dass «Kinder aller Bekenntnisse an hohen Feiertagen dispensiert werden können».

Erster Tag ist am wichtigsten

Wie Brigitte Mühlemann, Stellvertretende Amtschefin des Volksschulamtes, sagt, entscheiden letztlich die Gemeinden über die Gesuche. Dabei seien die persönlichen, schulischen und familiären Verhältnisse zu berücksichtigen. «Die Gemeinden verfügen somit über einen gewissen Ermessensspielraum», so Mühlemann. Wie Taner Hatipoglu, in Oetwil wohnhafter Präsident der Vereinigung Islamischer Organisationen in Zürich (VIOZ), erklärt, würden muslimische Kinder im Normalfall jedoch sowieso nur den ersten Tag des Bayram als Freitag beanspruchen. «Ich kenne keine Schüler, die drei Tage frei beantragen», so Hatipoglu.

Dem pflichtet Sakib Halilovic, Imam des Dzemat der Islamischen Gemeinschaft Bosniens in Schlieren, bei. «Bayram dauert theoretisch drei Tage», sagt er: «In der Praxis ist jedoch der erste Tag der wichtigste.» Da die allermeisten Eltern am zweiten Tag sowieso wieder arbeiten würden, befürworte er es, dass die Schüler auch wieder in die Schule gingen. Es könnte jedoch noch einen anderen Grund für Absenzen geben, so Halilovic: «Dieses Jahr besteht die Chance, Bayram mit Verwandten im Ausland zu feiern.» Daher könnte er sich vorstellen, dass einzelne Familien erst am Montag ins Limmattal zurückkehren würden.

«Man muss Bussen aussprechen»

Balbiani betont, gerade zu Schuljahresbeginn sei es besonders wichtig, dass die Kinder in die Schule kämen. Soweit er dies von den Lehrern wisse, sei es in vergangenen Jahren doch hin und wieder vorgekommen, dass Schüler an Bayram mehr als einen Tag lang gefehlt hätten. «Hier appellieren wir stark an die Verantwortung der Eltern, die Kinder in die Schule zu schicken», sagt der Schulpräsident.

Absoluter formuliert es Rochus Burtscher, der als Dietiker SVP-Kantonsrat in der Kommission Bildung und Kultur sitzt. Wenn nicht das gesamte Bayram-Fest als hoher Feiertag gelte, sollten Kinder am zweiten Tag in der Schule erscheinen, sagt er. «Halten sie sich nicht an die Abmachung, muss man Bussen aussprechen.»

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