Öffentlicher Verkehr
Kontroverse: Tram und Limmattalbahn fahren künftig beide bis Schlieren

Seit letzter Woche ist bekannt, dass in einigen Jahren nicht nur die Limmattalbahn, sondern auch die Stadtzürcher Tramlinie 2 dank einer Verlängerung bis Schlieren führen soll – auf demselben Trassee. Was sagt die lokale Politik dazu?

JK / BHI
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Nicht nur die Limmattalbahn, sondern auch die VBZ will künftig bis Schlieren fahren

Nicht nur die Limmattalbahn, sondern auch die VBZ will künftig bis Schlieren fahren

Limmattaler Zeitung

FDP: «Absichten sind unklar»

Dominik Tiedt

Dominik Tiedt

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«Die FDP ist erstaunt über die plötzliche Meldung, dass die Tramlinie 2 bis ins Zentrum nach Schlieren verlängert wird. Bislang war dies nicht auf der Prioritätenliste der Stadt Zürich zu finden. Welche Absichten die Zürcher Stadtregierung mit diesem Entscheid verfolgt, ist uns nicht klar. Klar ist, dass die Zunahme von Bevölkerung und Arbeitsplätzen im Limmattal zusätzliche Verkehrskapazitäten erfordert. Ein Kollaps muss auf jeden Fall verhindert werden! Entscheidend für uns ist weiterhin die Linienführung und Finanzierung der geplanten Limmattalbahn.

Wir fordern eine zielgerechte Linienführung und die gerechte Aufteilung der Kosten. Momentan zahlt der Kanton Zürich mit drei Vierteln eindeutig zu viel. Zudem darf der Individualverkehr nicht vom ÖV verdrängt werden. Die geplante Verlängerung verstärkt unsere Forderungen fürs Limmattal, dennoch sind die konkreten Auswirkungen für die Limmattalbahn heute schwer abschätzbar. Es muss nun geprüft werden, ob der Zweier bis nach Dietikon geführt werden kann.»

CVP: «Viele offene Fragen»

René Beck

René Beck

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«So unerwartet dieser Vorschlag kam, scheint diese Variante doch prüfenswert. So macht es aus Sicht der CVP durchaus Sinn, das Trassee der Limmattalbahn doppelt zu nutzen. Dadurch kann die Frequenz der Limmattalbahn etwas tiefer gehalten werden - was beim Volumen der Stadtbahn Sinn macht - und trotzdem wird der Fahrplan durch die Überlagerung dichter. Dadurch erhält diese Transportvariante zusätzliche Attraktivität gegenüber der S-Bahn. Eine Doppelnutzung macht auch finanziell Sinn, werden doch die Investitionen besser amortisiert. Andererseits gibt es auch viele offene Fragen. Wer kommt für die 110 Millionen Franken auf? Wird die Wendeschlaufe für das Tram am geplanten Ort realisierbar sein? Und: Welche Auswirkungen hätte eine Doppelführung auf das Busnetz?

Es ist befremdend, dass Schlieren in diese Planungen nicht mit einbezogen worden ist. Das wäre angesichts der geplanten Veränderungen im Zentrum von Schlieren wichtig gewesen und ist in Anbetracht der Diskussionen um die Limmattalbahn nicht gerade vertrauensfördernd.»

SP: «Attraktiverer Fahrplan»

Rolf Steiner

Rolf Steiner

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«Die von der Stadt Zürich geplante neue Linienführung für das Tram 2 macht aus Zürcher Sicht Sinn und bringt für Schlieren einen attraktiveren Fahrplan nebst einer direkten Verbindung mit Paradeplatz und Bellevue.

Die Limmattalbahn ist kaum tangiert, sie wird weiterhin aus dem Aargau über Dietikon und Schlieren bis zum Bahnhof Altstetten geplant. Während die Limmattalbahn gute Umsteigeverbindungen vor allem in Dietikon garantieren soll, ist der 2er ein Tram, wie wir es kennen: kurze Abstände von Tram zu Tram, sodass man sich zwar ärgert, wenn es einem vor der Nase abfährt, aber in siebeneinhalb Minuten kommt schon das nächste. Das Umsteigen am Bahnhof Altstetten wird wesentlich verbessert.

Der ZVV als Auftraggeber beider Bahnen wird die Angebote koordinieren. Er hat darin riesige Erfahrung und befiehlt, weil er zahlt. Schliesslich sind auch die künftigen Betreiber noch unklar: Sind es die VBZ oder die BDWM? Je nachdem ergeben sich weitere Synergien beim Rollmaterial.»

EVP: «Sinnvolle Ergänzung»

Andreas Beuter

Andreas Beuter

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«Die Tramlinie 2 bis nach Schlieren zu führen, wirkt im ersten Moment fast überflüssig. Angesichts der Planung der Limmattalbahn muss eine sorgfältige Beurteilung gemacht werden. Die zu erwartende Verkehrszunahme aus dieser Region ist nicht zu unterschätzen. Grundsätzlich sind die aktuellen Probleme mit der Linie 31 bekannt und mit zunehmender Kapazitätserhöhung wird das nicht automatisch besser.

Wir wissen, dass ein Tram deutliche Qualitätsvorteile hat gegenüber einem Bus. Mit der geplanten optimierten Linienführung des 2er-Trams über den Bahnhof Altstetten wird eine massive Verbesserung der Anschlüsse Richtung Schlieren möglich.

Das Nebeneinander von Auto, Bus und Tram muss angesichts der immer prekärer werdenden Situation bei einer allfälligen Umsetzung hohe Priorität haben. Das Projekt sehe ich als wirksame und sinnvolle Ergänzung zur doch deutlich weiter fahrenden Stadtbahn. Zu einer vernünftigen Verkehrsinfrastruktur gehören Lösungen, die allen beteiligten ein gutes Vorwärtskommen ermöglichen.»

AL: «Bringt nötige Kapazität»

Ernst Joss

Ernst Joss

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«Die Verlängerung der Linie 2 nach Schlieren wäre eine gute Ausnutzung des ohnehin gebauten Trassees. Sie brächte auf dem Streckenabschnitt von Schlieren nach Altstetten die unbedingt nötige Kapazität und einen dichten Fahrplan. Da die Limmattalbahn unbedingt bis ins Zentrum von Zürich fahren sollte, um optimale Verbindungen zu ermöglichen, wäre die Fortführung der Linie 2 als Limmattalbahn eigentlich konsequent. Dies dann allerdings nur mit jedem zweiten Zug, da für die Limmattalbahn ein weniger dichter Fahrplan geplant ist. Auch die für die Limmattalbahn benötigten Zweirichtungsfahrzeuge wären für das Tram geeignet.

Eine andere Variante wäre, dass die Limmattalbahn ab Schlieren nicht mehr alle Haltestellen bedienen würde. Dieses Konzept wird bei der Forchbahn angewandt und brächte einige Minuten kürzere Fahrzeiten, wenn die Limmattalbahn optimal zwischen die Tramzüge gelegt würde. Auch in diesem Fall muss aber die Limmattalbahn unbedingt bis ins Zentrum von Zürich fahren.»

SVP: «Bringt nichts»

Pierre Dalcher

Pierre Dalcher

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«Vor noch wenigen Jahren zeigte niemand ein Interesse, die Stadt Schlieren und die Stadt Zürich mit einem Tram zu verbinden. Plötzlich soll die Stadt Schlieren nur so von Trams oder Bahnen überrollt werden.

Für Dietikon und wohl auch die Gemeinden rechts der Limmat bringt eine Verlängerung des 2er nach unserer Einschätzung überhaupt nichts; wenn man noch berücksichtigt, dass die LTB auf 700 Mio. veranschlagt wird und die Erneuerung der Infrastruktur in Altstetten im Zusammenhang mit dem Weiterzug des 2er auf 110 Mio. zu stehen kommen soll, dann liegt wohl ein ziemlich krasses Missverhältnis zwischen Kosten und Nutzen vor. Es ärgert uns sehr, wenn man bedenkt, dass wir seit Jahrzehnten darüber diskutieren, wie z. B. das Problem BDWM-Bahn zu lösen ist, und es beim Kanton stets heisst: Dafür haben wir kein Geld!.

Die Stadt Zürich darf dafür über andere Städte verfügen. So geht es nicht. Der 2er bringt dem Bezirk Dietikon nur eine Wendeschleife in Schlieren, mehr nicht.»