Das Quartier am Rietpark will noch nicht richtig zum Leben erwachen. Grossflächige Plakate an den Scheiben werben für die noch leerstehenden Gewerbeflächen. Die Kundschaft bleibt dementsprechend aus, das ganze Gebiet ist wenig frequentiert. Die Swidro-Drogerie, die an der Goldschlägistrasse in derselben Lokalität wie Coop eingemietet ist, musste letzten Monat gar Konkurs anmelden. «Der Start war harziger als erwartet», sagt Markus Kaufmann, einer der vier Teilhaber der Drogerie und Inhaber zweier Vita-Drogerien in Baden und Fislisbach. Der Entscheid, Konkurs anzumelden, sei den Gesellschaftern sehr schwergefallen. Für die Mitarbeiterinnen bedeute das eine Zeit der Unsicherheit, so Kaufmann.

Glauben an den Standort ist da

Nach Verhandlungen mit dem Konkursamt, der Vermieterin Halter AG und den Mitarbeitenden, werde der Betrieb nun von der Vita Drogerie AG weiter geführt. «Wir glauben weiterhin daran, dass der Standort für die Drogerie geeignet ist», so Kaufmann. Da im Raum Rietpark weiterrer Wohnraum entstehe, sei man sicher, dadurch die potenzielle Kundschaft erweitern zu können.

Die schwierige Situation einzelner Läden, die im Rietpark im Erdgeschoss eingemietet sind, sei der Standortförderung, der Interessengemeinschaft (IG) Rietbach und Pro Schlieren bekannt, sagt Albert Schweizer, Bereichsleiter Liegenschaften und Standortförderung Schlieren. «Auch uns bereitet das etwas Sorgen», so Schweizer. Deswegen nun den Kopf in den Sand zu stecken sei aber die falsche Lösung. «So hat sich der Drogeriebetreiber wohl auch etwas mehr Marketing vom Coop erhofft, was uns zeigt, dass dringend Mietergemeinschaften der Detaillisten gegründet werden müssen, um den Standort gemeinsam zu vermarkten.» Hier werde auch die IG Rietbach in den nächsten Monaten aktiv werden.

Wichtig sei es jetzt, die Läden gut zu bewerben, sagt Schweizer. «Nur schon die rund 1500 Bewohner des neuen Quartiers kennen wohl den Ladenmix noch nicht», so Schweizer. Für die Zukunft sieht er jedoch eine positive Entwicklung, spätestens dann, wenn das Quartier und somit der neue Stadtteil von Schlieren fertig gebaut sei. Es brauche Zeit, bis ein total neuer Stadtteil belebt werden könne, so Schweizer. Zu verbessern seien aber sicher noch die Zugänge zu den Gleisen, die Querung der Gleise und der Zugang zum Bahnhofneubau, der sich zurzeit im Bau befindet.

Auch die Vermieterin Halter AG glaubt weiterhin an den Standort. «Nach Fertigstellung der sich derzeit im Bau befindlichen Baufelder von Geistlich Immobilia und Helvetia wird der Stadtteil nochmals einen Entwicklungsschritt erfahren», sagt Sandra Wetzel, Leiterin Kommunikation der Halter AG. Schafften es die Gewerbetreibenden, ein gemeinsames Marketing auf die Beine zu stellen und zu stärken, werde das dem Quartier ebenfalls zusätzlichen Aufwind geben.

Neben den leerstehenden Flächen und den Läden, die am Standort Mühe haben, gebe es aber auch positive Beispiele, sagt Schweizer. Betriebe der Gastronomie oder des Küchenbaus fühlten sich wohl, so Schweizer. Ausserdem befinde sich mit dem Building Technology Park Zurich ein Innovationszentrum vor Ort, sagt er. «Auch der Autobranche gefällt es an diesem Standort sehr gut.»

Grosse Ketten fühlen sich wohl

Tatsächlich scheinen vor allem grössere Ketten weniger Mühe zu haben mit dem Standort am Rietpark. Die Aldi-Filiale geniesse seit der Eröffnung im Juni 2015 das Vertrauen der Schlieremer Bevölkerung und könne bereits heute auf eine grosse Stammkundschaft zählen, sagt Philippe Vetterli von der Aldi-Suisse-Medienstelle auf Anfrage. Auch Coop ist mit dem neuen Standort zufrieden. «Wir sind überzeugt vom Potenzial, das durch den Bezug der zahlreichen neu gebauten Wohnungen in der Umgebung vorhanden ist», sagt Markus Eugster, Leiter Kommunikation für die Region Zürich. Die Coop-Filiale befinde sich an guter Lage im Zentrum des neu gestalteten Quartiers und in unmittelbarer Nähe zum Bahnhof.