Schlieren
Kompromiss ungeeignet? Der Skatepark steht erneut vor dem Aus

Der Stadtrat soll das Problem-Projekt komplett aufgeben, fordert John Daniels. Die in Aussicht gestellte Kompromisslösung sei «völlig ungeeignet», findet mittlerweile längst nicht nur der FDP-Gemeinderat.

Sophie Rüesch
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Die Causa Skatepark wird um ein Kapitel reicher. Die Forderung, das Projekt ganz fallen zu lassen, ist nicht chancenlos.

Die Causa Skatepark wird um ein Kapitel reicher. Die Forderung, das Projekt ganz fallen zu lassen, ist nicht chancenlos.

fni

Vor bald genau fünf Jahren beschloss das Schlieremer Stadtparlament ein Geschäft, das es seither nicht mehr in Ruhe lässt: Die Rede ist vom Bau einer Skateranlage im Zelgliquartier. Die Euphorie war damals gross, der Entscheid klar: 24 Befürworter standen an diesem 14. April 2010 lediglich 3 Gegnern des beantragten 350 000-Franken-Kredits gegenüber. «Machen wir vorwärts für Schlierens Jugend!», plädierte Gemeinderat Rolf Wegmüller (CVP). Von einem Zeichen, dass die Stadt sich für die Jungen einsetzt, sprach Peter Seifritz (SVP). Doch fünf Jahre, drei Bauprojekte und drei Rekurse durch Lärm und Unordnung fürchtende Anrainer später hat sich Zermürbung breitgemacht.

Im Februar dieses Jahres konnte Werkvorstand Stefano Kunz (CVP) zwar eine sich abzeichnende Einigung mit den Rekurrenten verkünden, wobei die Stadt aber massive Konzessionen machen müsste. Im neuen Konzept würde sie mit einer 3,8 Meter hohen Schallschutzmauer, einer Rundum-Umzäunung, einem Alkoholverbot und eingeschränkten Betriebszeiten fast sämtlichen Forderungen der Anwohner nachkommen. Noch laufe die letzte Verhandlungsrunde, wie Kunz auf Anfrage erklärt. Im April soll diese abgeschlossen sein. «Bis dann wissen wir nicht, ob es definitiv zu einer Einigung kommt, die einerseits in Stadt- und Gemeinderat mehrheitsfähig ist und die andererseits die Rekurrenten akzeptieren können.»

«Wie eine Strafvollzugsanstalt»

FDP-Gemeinderat John Daniels geht die vorgestellte Kompromisslösung auf jeden Fall zu weit. Zusammen mit vier Mitunterzeichnenden fordert er in einer Motion, dass der Stadtrat den gemeinderätlichen Kreditbeschluss von damals aufhebt, die Forderungen der Rekurrenten ablehnt und das Projekt endgültig begräbt. Denn so, wie sich die vorgesehene Anlage mittlerweile präsentiert, sei sie als «Ort, an dem sich Jugendliche draussen sportlich betätigen und ihre Zeit sinnvoll verbringen können, völlig ungeeignet»: Erscheinungsbild, Vorgaben und Nutzung entsprächen nun eher einer «Strafvollzugsanstalt als einem Ort, an dem sich Jugendliche austoben können», so Daniels.

Parteien: Der Wind hat gedreht

Von der Einigkeit, mit der die Skateranlage 2010 im Parlament noch unterstützt wurde, ist nicht mehr viel zu spüren. Die SVP, die den 350 000-Franken-Kredit damals noch einstimmig unterstützte, macht sich gemäss Präsident Beat Kilchenmann mittlerweile «Gedanken, ob das Projekt so, wie es sich jetzt präsentiert, noch Sinn macht». Noch sei nicht klar, ob man die Motion unterstützen wolle. «Doch die darin aufgeworfenen Fragen sind sicher berechtigt.» Selbst auf der linken Ratsseite ist die Unterstützung nicht mehr so selbstverständlich wie auch schon.

«Es ist tatsächlich so: Die Situation ist eine andere als 2010», sagt SP/Grüne-Fraktionspräsident Pascal Leuchtmann (SP) auf Anfrage. Auch seine Fraktion habe sich noch nicht entschlossen, ob sie die Motion unterstützen oder ablehnen wird – auch weil noch zu wenig offizielle Informationen zum aktuellen Projektstand kommuniziert wurden. «Sollte man sich nun aber wirklich auf solch rigide Zugangs- und Betriebszeitenbeschränkungen geeinigt haben, wären aus unserer Sicht weitere Abklärungen nötig.» Gleichzeitig warnt Leuchtmann davor, «das Kind mit dem Bade auszuschütten».

Grundsätzlich stünden Fraktion und Partei weiterhin hinter dem Projekt. «Wenn wir die Motion unterstützen würden, dann nicht als Kritik am Grundgedanken, sondern als Kritik an der konkreten Ausgestaltung», so Leuchtmann. Denn das Bedürfnis nach einer solchen Anlage, ist er überzeugt, sei nach wie vor vorhanden. Auch die CVP/EVP-Fraktion hat sich noch nicht auf eine offizielle Position geeinigt. Fraktionspräsident Rolf Wegmüller (CVP) weiss aber, dass Teile seiner Fraktion die Motion durchaus unterstützen würden. Er selbst, der die Idee einer neuen Anlage 2006 in einem Postulat vorbrachte, will aber weiter für die Skater kämpfen – obwohl er angesichts der mittlerweile «unglücklichen Situation» für das Anliegen der FDP auch Verständnis zeigt. Den in Aussicht gestellten Kompromiss findet nämlich auch er – etwa in Bezug auf die Umzäunung – «langsam etwas übertrieben». (rue)

Schon 2010, als das Geschäft im Rat behandelt wurde, sprach sich die FDP gegen die Pläne aus – als einzige Partei. Gemeinderat Andreas Geistlich erklärte damals: «Wir müssen das Notwendige vom Wünschbaren trennen.» Und notwendig sei die Anlage deshalb nicht, weil es in Schlieren gar keine aktive Skaterszene gebe. Diesen Punkt nimmt Daniels in der Motion erneut auf: «Wenn man vor fünf Jahren mit viel gutem Glauben eventuell noch hoffen konnte, dass es eine Nachfrage geben würde, so ist dies nun mit dem vorliegenden Konzept endgültig unrealistisch», schreibt er.

Vor allem aber sind die durch die diversen Verzögerungen gestiegenen Kosten Daniels ein Dorn im Auge. Den «Abbruch der ganzen Übung» fordert er, «um eine weitere Verschwendung von Steuergeldern zu verhindern», schreibt er im Motionstext. Wie viel teurer die Anlage insgesamt wird, ist derweil noch unklar. Daniels spricht von «gegenüber dem ursprünglichen Projekt massiv höheren Kosten»; Kunz kann vor Abschluss der Gespräche allerdings noch keine Aussagen über deren definitive Höhe machen.

Erst an der letzten Parlamentssitzung Mitte dieses Monats wurde Kunz aber aufgefordert, mindestens die bisher angefallenen Mehrkosten zu beziffern. Rund 53 000 Franken seien unter anderem für Planungsarbeit und Lärmschutzgutachten ausgegeben worden, erklärte der Werkvorstand da. «Ohne dass auch nur mit den Bauarbeiten begonnen werden konnte», kommentiert Daniels diese Ausgaben nun in seinem Vorstoss.

Parlament soll Stellung nehmen

Dass das Parlament unter den veränderten Vorzeichen noch einmal Stellung zum Projekt nehmen kann, hat Kunz jedoch bereits an dieser letzten Sitzung in Aussicht gestellt – obwohl der Stadtrat die zusätzlichen Kosten voraussichtlich in eigener Kompetenz sprechen könnte. «Die neue Lösung soll breit abgestützt sein», sagte er damals. Dass Daniels diesen Prozess nun beschleunigen will, stört ihn im Prinzip nicht. «Nachdem so viele neue Fragen aufgetaucht sind, bin ich froh, dass das Parlament noch einmal grundsätzlich über die Skateranlage befinden kann.» Über den Inhalt der Motion sei er allerdings gar nicht glücklich: «Ich stehe immer noch hinter der Anlage», sagt er. «Sie wäre eine tolle Ergänzung des Freizeitangebots für Jugendliche, denen in Schlieren zurzeit wenig geboten wird.»
Kunz ist sich bewusst, dass ihm bei der Behandlung der Motion im Rat nichts geschenkt werden wird. Er geht davon aus, dass es eine intensive Debatte mit einem knappen Ergebnis wird – «wobei ich natürlich hoffe, dass die Motion abgelehnt wird».