Diese Ausgangslage hat kaum jemand erwartet. Mit Stefan Bolz von der Alternativen Liste (AL), Kurt Leuch vom Politischen Forum Engstringen (PFE) und der parteilosen Gabriella Martini kämpfen gleich drei Kandidaten im zweiten Wahlgang um den letzten verbliebenen Sitz im Oberengstringer Gemeinderat. Noch vor kurzem hat nichts auf eine Kampfwahl am 18. Mai hingewiesen. Denn trotz aller Bemühungen gelang es auf den ersten Wahlgang hin nicht, genügend Kandidaten für die sieben zu vergebenden Sitze zu finden. Lediglich sechs bisherige Gemeinderäte stellten sich der Wahl. Einzig Sozialvorsteherin Käthi Mühlemann (SP) trat nicht mehr an.

Plötzlich ging es schnell

Dafür, dass nun doch noch Spannung aufkommt, sprach nichts. Lange schien es für den zweiten Wahlgang auf eine Einerkandidatur hinauszulaufen. Bereits im Vorfeld des ersten Urnengangs hatte die Alternative Liste angekündigt, dass sie sich vorbehalten werde, mit ihrem Präsidenten Stefan Bolz zum zweiten Wahlgang anzutreten. Allerdings betonte dieser mehrmals, dass für ihn eine Kandidatur ohne die Unterstützung einer grossen Partei nicht infrage komme. Diese wurde ihm am 10. April von der SP anlässlich ihrer Mitgliederversammlung zugesichert.

Allerdings hatte sich zu diesem Zeitpunkt die Ausgangslage bereits geändert. Wenige Tage vor der Mitgliederversammlung der SP gab Kurt Leuch, Präsident des PFE, seine Kandidatur bekannt. Als kurz darauf auch noch die parteilose Gabriella Martini ins Rennen stieg, war der Dreikampf perfekt.

Somit bietet sich den Wählern für den 18. Mai eine interessante Ausgangslage. Dann wird unter anderem geklärt, ob das linke Lager weiterhin in der Oberengstringer Exekutive vertreten ist. Dies ist ein Grund dafür, weshalb die SP die Kandidatur von Bolz unterstützt. Seine Wahl würde überdies eine Premiere bedeuten. Noch nie war die AL im Oberengstringer Gemeinderat vertreten.

Allerdings dürfte es für Bolz nicht einfach werden. Auch Martini siedelt sich politisch links der Mitte an. Gut möglich, dass sich beide gegenseitig Stimmen wegnehmen. Wie für Bolz wäre es auch für sie das erste Amt in einer politischen Behörde. Anders präsentiert sich die Situation bei Leuch. Mit ihm steht den beiden anderen Kandidaten ein bekanntes Gesicht gegenüber. Leuch war ab 2004 bereits einmal fünf Jahre lang Mitglied des Gemeinderats. Von 2007 bis 2011 sass er zudem für die EVP im Kantonsrat. Mit seiner Wahl würde das PFE jenen Sitz zurückgewinnen, den es mit seinem Rücktritt vor fünf Jahren verloren hatte. Die Partei siedelt sich politisch in der Mitte an.

Derzeit bilden Elsbeth von Atzigen (parteilos), Claudia Trüb (FDP), André Bender (SVP), Jean Fritz Weber (SVP), René Beck (CVP) und Jürg Bruppacher (CVP) den Gemeinderat.