Dietikon
Kommission für Heimatkunde arbeitet an Tour entlang der Bunker

In Dietikon soll ein Bunkerweg eingerichtet werden, damit die Geschichte nicht in Vergessenheit gerät. Ein beschilderter Weg soll entlang der Anlagen führen, wie sie während dem zweiten Weltkrieg gebaut.

Sandro Zimmerli
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Der Bunker Bertastrasse gehörte zur Festung Dietikon
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Bunkerweg in Dietikon
Im Ortsmuseum gibt es eine ständige Ausstellung zur Festung Dietikon
Oberst Alfred Roduner (1885-1969) war Kommandant der Gruppe Dietikon
Der Bunker Bertastrasse ist mit Originalrequisiten ausgerüstet

Der Bunker Bertastrasse gehörte zur Festung Dietikon

Sandro Zimmerli

Was der Bunker-Wanderführer für die Stadt Zürich sein soll, ist für Dietikon der Bunkerweg. Derzeit arbeiten zwei Mitarbeiter des Armeelogistik Centers Hinwil an einem Buch, das dafür sorgen soll, dass die vielen Bunkeranlagen in Zürich nicht in Vergessenheit geraten.

Auch in Dietikon stehen auf dem Stadtgebiet unzählige solcher stummen Zeugen des 2. Weltkrieges. Im Bezirkshauptort soll aber nicht ein Buch, sondern ein Bunkerweg die Erinnerung an die Geschichte am Leben erhalten.

Wegweiser machen aufmerksam

«Ziel ist es, einen beschilderten Weg zu gestalten», erklärt Arthur Müller, von der Kommission für Heimatkunde. Dieser führe vom Stadtzentrum durch den Guggenbühl- und den Honeretwald über Urdorf weiter nach Birmensdorf. Zudem sei es vorstellbar, dass es auch einen kleinen Plan mit Erläuterungen zu den einzelnen Anlagen geben werde.

Der Kommission sei es in erster Linie wichtig, die Geschichte nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. «Ein weiterer Weg entlang dessen sich Bunker befinden, führt vom Zentrum Dietikon nach Spreitenbach», so Müller. Auch dort könnten Wegweiser auf die Anlagen aufmerksam machen.

Zwei Bunker, zwei Ausstellungen

Ganz neu ist das Projekt nicht. Aufgekommen ist die konkrete Idee 2009 als in der Schweiz des Kriegsausbruchs vor 70 Jahren gedenkt wurde und das Schweizer Fernsehen die Sendung «Alpenfestung - Leben im Réduit» ausstrahlte. Erstmals die Rede von einem Bunkerweg war allerdings schon 1995.

Festung Dietikon: «Sieben Bunker, 900 Meter Festungsmauer»

Die Festung Dietikon wurde 1939/40 aus dem Boden gestampft. Die Anlage zwischen Zentralschulhaus und Kirchplatz umfasste zu Kriegszeiten sieben Bunker und 900 Meter Festungsmauer. Unter der Führung von Oberst Alfred Roduner standen 500 Mann Besatzung. 27 Maschinengewehre waren in Stellung gebracht. Insgesamt waren bei einer Bevölkerung von 6200 Einwohnern jedoch 5200 Soldaten in Dietikon stationiert.

Nach dem Krieg wurden die Stellungen teilweise geschleift. Nicht vollständig jedoch. Die Dietiker konnten den Bund dazu überreden, einen Teil des Geldes, statt in den Rückbau der Anlagen zu stecken, für den Aufbau der Badi zu verwenden. (zim)

Damals stattete die Kommission für Heimatkunde anlässlich der Ausstellung «Dietikon 50 Jahre nach Kriegsende» den Festungsbunker an der Bertastrasse, hinter dem Zentralschulhaus, mit Originalrequisiten aus, um zu zeigen, wie die Soldaten im Bunker ihren Dienst leisteten. Auf den 1. August 2010 hin eröffnete die Kommission im Bunker Vogelau eine Ausstellung, die das Leben der Dietiker Bevölkerung während der Kriegstage zeigt.

Der Bunker Bertastrasse gehörte zur Festung Dietikon. Diese wiederum war Teil der so genannten Limmatstellung, zu der auch der Bunker Vogelau gehörte. Die Limmatstellung ihrerseits war Teil einer Verteidigungslinie, die sich von Basel bis nach Sargans durchs Mittelland schlängelte (siehe Kontext).

Viele Anlagen sind zugemauert

Eine weitere Ausstellung soll im Rahmen des Bunkerweges nicht mehr hinzukommen. «Neben den beiden Bunkern Bertastrasse und Vogelau ist nur noch ein weiterer Bunker im Gebiet Lindenbüel zugänglich», hält Müller fest. Die anderen Anlagen seien aus Sicherheitsgründen zugemauert worden. «Zudem ist es nicht die Aufgabe der Kommission, Waffenausstellungen zu zeigen», so Müller. Die Kommission für Heimatkunde möchte den Leuten die Möglichkeit bieten, etwas über die Geschichte Dietikons zu erfahren. «In der Schweiz gibt es unzählige Anlagen, die mit einer Vielzahl von Waffen ausgerüstet sind. Wenn sich jemand dafür interessiert, verweisen wir ihn gerne an die entsprechenden Stellen», sagt Müller.

Wann der Bunkerweg fertig sein wird, weiss Müller nicht. «Da wir in der Kommission alle ehrenamtlich arbeiten, lässt sich das Projekt nicht so schnell realisieren», hält er fest. Das sei aber nicht schlimm. «Die Geschichte läuft uns nicht davon. Für die Armee ist es zu teuer, die Anlagen abzureissen», so Müller. Zudem stünde der Grossteil der Bunker im Wald und störe niemanden. Wer sich ein Bild über das Bunkerleben machen wolle, der könne sich bei Dora Müller, der Leiterin des Ortsmuseums, melden. Auf Anfrage führe man gerne Gruppen durch die Bunker.