Die Sache hätte kaum alltäglicher beginnen können: Es herrschte Stau auf der Autobahn A1 in Weiningen vor dem Gubrist. Einer der Autofahrer auf dem verstopften rechten Fahrstreifen in Richtung St. Gallen entschloss sich um 16.50 Uhr, auf den verstopften mittleren Fahrstreifen zu wechseln. Auf diesem befand sich ein Lastwagen. Die beiden kollidierten. Die Folge war ein Schaden am Auto – insbesondere ein zerstörter Rückspiegel auf der vorderen linken Seite. Das war am 10. April 2015. Die Justiz ging davon aus, dass der Autofahrer unter Missachtung des Vortritts auf den mittleren Streifen gedrängelt war – schliesslich entstand der grösste Schaden am linken vorderen Teil des Autos. Somit wäre er für den Unfall verantwortlich.

Erster Entscheid: 350 Franken Busse

Am 18. September 2015 warf ihm also das Statthalteramt des Bezirks Dietikon per Strafbefehl vor, fahrlässig den Vortritt des Lastwagens missachtet zu haben. Auf die Einsprache des Autofahrers hin bestätigte das Bezirksgericht Dietikon den Vorwurf. Es verurteilte ihn wegen fahrlässiger einfacher Verletzung der Verkehrsregeln zu einer Busse von 350 Franken. Zudem auferlegte es ihm Kosten in der Höhe von 1430 Franken.

Auch dagegen wehrte er sich. So landete der Fall vor Zürcher Obergericht. Dieses wies die Berufung des Automobilisten am 17. Januar 2017 ab und auferlegte ihm 1000 Franken Gerichtsgebühr. Er zog das Urteil weiter.

Bundesgericht schickt Fall zurück ans Obergericht

In seinem Urteil vom 20. November, welches das Bundesgericht kürzlich publizierte, kommt die Zürcher Justiz schlecht weg. Das Bundesgericht bemängelt, dass die beiden Vorinstanzen nicht auf die Version des Beschuldigten eingingen. Er sagt, dass der Lastwagen zunächst stillgestanden sei. Darum ging er davon aus, dass ihn der Lastwagenfahrer sieht und auf den mittleren Fahrstreifen lässt.

Dass der Lastwagen anhielt, hatte sogar dessen Fahrer selbst gesagt, wie aus dem Polizeirapport hervorging. «Aus den Akten ergibt sich eindeutig, dass der Lastwagen stand, anfuhr und dann eine Kollision folgte», schreiben die Bundesrichter. Für diese Version spricht auch, dass am linken hinteren Kotflügel des Autos schwarzer Abrieb gefunden wurde, der laut Beschwerdeführer nur vom Gummi des vorderen Lastwagenreifens stammen kann.

All das sei von den Vorinstanzen in willkürlicher Weise nicht genügend gewürdigt worden, sagt das Bundesgericht. Darum hob es das Urteil auf und schickt die Sache zurück ans Obergericht. Der Kanton Zürich muss dem Autofahrer 3000 Franken Entschädigung zahlen.