Wer Cream niemals live zu sehen bekam, dem bot sich am Samstagabend im Sounddock 14 die Möglichkeit, eine Cream Tribute Band zu hören, die dem Original zum Verwechseln ähnlich war. Kein Wunder, spielte doch der Sohn vom Cream-Schlagzeuger, Kofi Baker, höchstpersönlich die Drums in der Coverband. Dass er in grosse Fussstapfen treten wird, das war dem Musiker schon immer bewusst. «Ich habe aber dieselbe Schuhgrösse wie mein Vater», so der Sohnemann schelmisch über den Antritt des musikalischen Erbes.

Ginger Baker gründete 1966 zusammen mit seinem Freund Eric Clapton die legendäre Rockband Cream, welche sich mit Hits wie «White Room» und «Strange Brew» einen Namen in der englischen Rockszene machte. Der Brite war einer der ersten Rockschlagzeuger, der mit zwei Bassdrums spielte. Das Schlagzeug wirkte dadurch nicht nur optisch grösser, sondern auch akustisch mächtiger. Da er auch die Füsse zum Bassdrumspielen einsetzte, vermochte er einen Hagelsturm von den Trommeln zu entfesseln.

Komplexe Rhytmen

Da nach ihm auch andere populäre Bands diese Technik verwendeten, kann gesagt werden, dass Ginger Baker diese Spielweise etablierte. Es überraschte nicht, dass auch GingersSohn am Samstagabend auf einer Ludwig Double Bass spielte. Wie schon sein Vater, kombinierte Kofi Baker komplexe afrikanische Polyrhythmen mit geraden Rock-Grooves und bewies eine dynamische und virtuose Spielweise. Dass es die Coverband schaffte, den innovativen und experimentellen Stil ihrer Vorbilder authentisch nachzuahmen, verdankten sie allerdings nicht nur dem Schlagzeuger. Ric Fierabracci (Bass) und Tony Spinner (Gitarre und Gesang) waren alles andere als musikalische Nebendarsteller. Tony Spinner zauberte psychedelische Klänge aus seiner E-Gitarre, die den Zuhörer zurück in die 60er-Jahre versetzten. Ric überzeugte währenddem durch seine flinken Finger am Bass, und in seinem Lieblingssong «Political Man» gab er ein ausgiebiges Solo mit Slap-Einlagen zum Besten.

Die Rocker coverten jedoch nicht nur Lieder von Cream. Es liessen sich auch einige Songs von anderen Bands aus dieser Ära im Repertoire der Tribute Band finden. So zum Beispiel «Do what you like» von Blind Faith oder «I Want you (She’s so heavy)» von den Beatles. Letzteres coverte bereits die originale Cream Band, wozu Kofi Baker folgende Anekdote erzählte: «Mein Vater scherzte immer darüber, dass er dieses Lied geschrieben hätte, die Beatles es einfach sieben Jahre früher veröffentlicht haben.» Vor dem Ende des Konzerts gab Kofi Baker dann noch ein über zehnminütiges Schlagzeugsolo zum Besten. Damit konnte er beweisen, dass er seinem Vater definitiv gewachsen war.