Bezirksgericht Dietikon

Köchin kochte sich ihr eigenes Vorteils-Süppchen — wegen Urkundenfälschung verurteilt

Die Köchin unterschrieb – die Tage und Wochen verstrichen aber ohne Rückzahlung.

Die Köchin unterschrieb – die Tage und Wochen verstrichen aber ohne Rückzahlung.

Eine 31-jährige Limmattalerin, die ihrer Freundin ein Darlehen über 2000 Franken schuldig blieb, wurde vor Gericht wegen Urkundenfälschung verurteilt.

Die Köchin und die angehende Kauffrau hatten einst zusammen die Schulbank gedrückt. Danach hatten sie sich einige Jahre aus den Augen verloren und sind sich via Facebook wieder begegnet. Als die Köchin mal knapp bei Kasse war, hatte sie sich von der ehemaligen Schulkameradin zunächst 100 Franken und später nochmals 200 Franken geliehen. Die 100 hatte sie rasch zurückbezahlt, die 200 nicht. Nichts desto trotz liess sich die Gläubigerin erneut erweichen, als die Köchin sie Ende November 2017 nachts um 22 Uhr weinend anrief und um 2000 Franken bat, weil sie die Miete nicht bezahlen könne.

Aus Schaden klug geworden, verfasste die Kauffrau einen Darlehensvertrag, wonach der Betrag innert 14 Tagen rückerstattet werden müsse. Die Köchin unterschrieb – die Tage und Wochen verstrichen aber ohne Rückzahlung. Nachdem selbst eine Betreibung nicht fruchtete, leitete die Kauffrau ein Rechtsmittelverfahren ein. An der in diesem Zusammenhang im April 2018 stattgefundenen Verhandlung legte die Köchin dem Gericht eine von der Kauffrau unterzeichnete Quittung vor, wonach die Gläubigerin die 2000 Franken zurückerhalten habe. Die Kauffrau betonte allerdings, nie eine solche Quittung unterschrieben, geschweige denn das Geld erhalten zu haben. Die Schuldnerin aber blieb konsequent dabei: Die Schuld sei beglichen, die Gläubigerin habe es eigenhändig quittiert.

Einvernahmen und Schriftanalysen

Es folgten Einvernahmen beider Frauen bei der Polizei und der Staatsanwaltschaft, wo jede auf ihrem Standpunkt beharrte. Auch ein graphologisches Gutachten der Unterschrift wurde erstellt: Die Schriftanalyse der forensischen Dienste ergab, dass die Unterschrift mit grösster Wahrscheinlichkeit nicht von der Kauffrau stammte. Im vergangenen September wurde die Köchin schliesslich wegen Urkundenfälschung angeklagt. Dafür sollte sie zu einer bedingten Geldstrafe von 5400 Franken und 1000 Franken Busse verurteilt werden.

Vor der Verhandlung würdigten sich die beiden inzwischen 31-jährigen Frauen keines Blickes. Die Köchin gab sich vor Einzelrichter Bruno Amacker sehr wortkarg: Sie habe bei der Untersuchung alles gesagt und bleibe bei ihren damaligen Aussagen. Privat habe es Änderungen gegeben. Sie mache jetzt eine Zusatzausbildung, arbeite deshalb nur reduziert und verdiene statt 4000 zurzeit nur 1600 Franken. Das – so der Richter – reiche nicht mal für die Wohnungsmiete von 1700 Franken. Die Familie unterstütze sie. Die Schulden könne sie derzeit nicht weiter abzahlen; inzwischen seien von den ursprünglich 2400 Franken noch 800 Franken offen.

Die Gläubigerin ist inzwischen im Besitz eines Verlustscheins über 2000 Franken; Schadenersatz macht sie keinen geltend. Das Darlehen wolle sie zurück, sagte sie vor Gericht. Die Strafe hat Richter Amacker angesichts des momentan reduzierten Lohnes der Köchin zwar auf 3000 Franken reduziert, auch wird sie ihr, mit einer zweijährigen Probezeit, bedingt erlassen. Bezahlen aber muss die Köchin nicht nur eine Busse von 1000 Franken, sondern obendrein die Gerichts und Untersuchungskosten in Höhe von 4000 Franken.

In seiner Urteilsbegründung betonte Bruno Amacker, dass es in den Aussagen der Geschädigten keinerlei Widersprüche gegeben habe, umso mehr hingegen in jenen der Schuldnerin. Er stufte das Verschulden als recht erheblich ein angesichts der Dreistigkeit, extra eine Urkunde anzufertigen, um sich Vorteile zu verschaffen. Zwar seien 2000 Franken kein extrem hoher Betrag, «doch auch dieser schmerzt, will er doch zuerst erarbeitet sein.»

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