Kantonsschule Limmattal
Knonaueramt zieht Petition in Betracht - Kantonsräte jubeln

Die Limmattaler Kantonsräte jubeln ob des regierungsrätlichen Entscheids. Das Knonaueramt hadert — auch mit den Zahlen, die zur Entscheidung geführt haben.

Alex Rudolf
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Kantonsschule Limmattal: Kantonsräte jubeln
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Patricia Ljuboje.
Rosmarie Joss.
Rochus Burtscher.
Andreas Geistlich.
Josef Wiederkehr.

Kantonsschule Limmattal: Kantonsräte jubeln

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Die Kantonsschule Limmattal (KSL) in Urdorf wird ausgebaut. Diesem Bekenntnis des Kantons zum Standort Urdorf gingen teils heftige Diskussionen voraus. Kantonsräte aus dem Bezirk Dietikon sind zufrieden.

«Es wäre unverständlich, wenn ich mich als Limmattalerin nicht über diesen Entscheid freuen würde», sagt etwa Rosmarie Joss. Die SP-Kantonsrätin und Co-Präsidentin der Dietiker Ortspartei begrüsst die Investition von rund 50 Millionen Franken, die mit dem Ausbau nach Urdorf fliesst. Auch sei der Standort Urdorf vernünftig gewählt, da er sehr gut erreichbar sei. Für ihren Ratskollegen Andreas Geistlich (FDP) ergibt dieser Entscheid ebenfalls ein stimmiges Bild: «Mit der Spitalerweiterung und der Limmattalbahn ist dies ein weiteres positives Zeichen für den Standort Limmattal.»

GLP-Kantonsrat René Gutknecht hält es zudem derzeit für nicht realisierbar, in Affoltern eine Umzonung anzugehen, die für eine neue Kantonsschule nötig wäre. Im Sinne der Verdichtung sei der Standort Urdorf sicherlich besser. «Ein Vorteil des Standortes Affoltern wäre hingegen gewesen, dass sich gegenseitige Pendlerströme ergeben hätten», so Gutknecht.

Auch Vorteile für Knonaueramt

Auch Kantonsrat Josef Wiederkehr (CVP) beurteilt diesen Entscheid als Stärkung des Bildungsstandortes Limmattal. Dass man im Knonaueramt unzufrieden ist, kann er nachvollziehen: «Es ist jedoch nicht von der Hand zu weisen, dass eine starke Kantonsschule Limmattal auch für den Bezirk Affoltern Vorteile hat.» So könne die Qualität des Unterrichts gesteigert werden.

Als die KSL letztmals im Kantonsrat behandelt wurde — im Rahmen der Richtplandebatte im März letzten Jahres —, sprachen sich Exponenten der SP und der Grünen gegen die Festsetzung der möglichen Erweiterung aus. Dies aus unterschiedlichen Gründen: Wenn die Erweiterung der KSL vorsorglich in den Richtplan aufgenommen werde, dann müssten auch andere Projekte Erwähnung finden, monierte die SP. Die Grünen wollten das Prinzip der kurzen Wege in den Fokus rücken. Der damalige Dietiker Kantonsrat Andreas Wolf (Grüne) befand einen Standort in Affoltern am Albis für prüfenswert, da auf diese Weise die öV-Verbindungen Urdorf–Affoltern am Albis entlastet würden. Die Nachfolgerin des im vergangenen Jahr zurückgetretenen Wolf, Patricia Ljuboje, sieht dies anders. «Natürlich ist es löblich, Schulen dort zu bauen, wo die Schüler sind, damit diese keine langen Wege bewältigen müssen», sagt sie. Der Regierungsrat habe jedoch festgestellt, dass im Knonaueramt in den kommenden Jahren nicht genügend Schüler die Kantonsschule besuchen würden, um einen Neubau zu rechtfertigen. «Zudem verbraucht eine Überbauung des Landes neben dem jetzigen Standort, dieses gehört bereits dem Kanton, weniger Landreserven als ein kompletter Neubau anderswo.»

Auch Rochus Burtscher, Dietiker SVP-Gemeinde- und Kantonsrat sowie Mitglied der der kantonsrätlichen Kommission für Bildung und Kultur (KBIK) hält den Entscheid der Regierung für begrüssenswert und rational. Dass dies jedoch als Absage an eine Kantonsschule im Knonaueramt gewertet werden kann, hält er für verfrüht. «Steigen dort die Schülerzahlen an, dann ist es denkbar, dass der Kanton eine neue Schule in Affoltern am Albis ins Auge fassen muss.» Dies sei jedoch laut Prognosen vorerst nicht der Fall.

Zahlen werfen Fragen auf

Im Bezirk Affoltern trifft die Entscheidung des Regierungsrates derweil auf Unverständnis. Hauptsächlich die Zahlen, welche die Regierung vorlegte, sorgen für Verwirrung. FDP-Kantonsrat Olivier Hofmann hält die prognostizierten Schülerzahlen für das Jahr 2040 für zu gering: «Geht man insgesamt von einem Zuwachs von rund 330 Schülern aus, dann ergäbe dies mit den heutigen Mittelschülerzahlen vermutlich die erforderlichen rund 600 Schüler, die den Bau einer neuen Schule rechtfertigen», sagt er. Daher werde man sich bei der Regierung nach der Berechnungsmethode erkundigen. SP-Kantonsrat Moritz Spillmann geht gar einen Schritt weiter: «Kann die Regierung keine schlüssige Erklärung für diese Berechnungen liefern, ziehen wir die Lancierung einer Petition für eine Kantonsschule Affoltern am Albis in Betracht.»