Oetwil
Knigge-Trainerin: «An Weihnachten zählt nicht die Perfektion»

Die Knigge-Trainerin Katrin Künzle verrät, wie die Festtage ohne Tritt ins Fettnäpfchen zu überstehen sind. Wichtig ist nicht das perfekte Essen oder das ideale Geschenk, sondern die Atmosphäre, in welcher man diese speziellen Tage verbringt.

Anina Gepp
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Keine Hektik am Weihnachtsessen: Knigge-Trainerin Katrin Künzle rät, als Gastgeber möglichst gelassen zu bleiben. KEYSTONE

Keine Hektik am Weihnachtsessen: Knigge-Trainerin Katrin Künzle rät, als Gastgeber möglichst gelassen zu bleiben. KEYSTONE

Frau Künzle, Sie sind lizenzierte Knigge-Trainerin. Bald steht das Weihnachtsfest an. Gibt es spezielle Benimmregeln, die wir beachten müssen?

Katrin Künzle: Gute Manieren sollte man das ganze Jahr pflegen. Warum sollte man sich an Weihnachten anders benehmen als sonst? Das Weihnachtsfest eignet sich jedoch sehr gut, um wieder einmal darüber nachzudenken, wie man das ganze Jahr mit seinen Mitmenschen umgegangen ist. Vielleicht hat man jemanden verletzt oder vernachlässigt. Dann ist in wenigen Tagen eine gute Gelegenheit, Dinge zu klären und jemandem entgegenzukommen.

Welchen Tipp würden Sie Gastgebern geben, die an Weihnachten viele Leute bekochen?

Nehmen Sie es gelassen. An Weihnachten zählt nicht Perfektion, sondern alleine die Gastfreundschaft. Zu viel Hektik verdirbt die Stimmung. Solange sich alle wohlfühlen, ist es ein perfektes Fest.

Nicht nur zu Hause wird Weihnachten gefeiert. Die Firmen laden zum gemeinsamen Essen ein. Ist es unhöflich, der Einladung nicht zu folgen?

Ihrem Chef und Kollegen durch Ihr Fernbleiben zu signalisieren, dass Sie keine Lust haben, diesen Abend mit ihnen zu teilen, ist unkollegial und auch nicht klug. Denken Sie auch an Ihr nächstes Qualifikationsgespräch. Ausserdem ergibt sich an diesem Abend die Möglichkeit, mit den Leuten in Kontakt zu treten. Vielleicht lernen Sie eine Kollegin oder einen Kollegen von einer ganz anderen Seite kennen.

Muss man zu diesem Anlass festlich gekleidet erscheinen?

Als Gastgeber sollte man immer einen Dress Code vorgeben. Im Fonduezelt werden Sie im dunklen Anzug oder im Cocktail-Kleid wohl overdressed sein. Im 5-Sterne-Hotel werden Sie in guter Gesellschaft sein. Falls Sie dann doch der Einzige sind, der keine Krawatte trägt: Tragen Sie es mit Fassung und bewahren Sie Haltung.

Und bei der Weihnachtsfeier mit der Familie?

Wenn Sie zu Hause eine Weihnachtsfeier planen und möchten, dass alle festlich gekleidet sind, teilen Sie das Ihren Gästen mit. Falls doch jemand in Jeans erscheint, übersehen Sie es. Es ist kein Unglück. Das Weihnachtsfest soll schlussendlich allen Gästen Freude bereiten.

Gerade das ewige Austeilen von Geschenken bereitet so manchem keine Freude mehr. Die Leute beschliessen, sich gegenseitig nichts mehr zu schenken. Ist es in Ordnung, gegen die Abmachung zu verstossen und trotzdem Geschenke zu machen?

Falls Sie eine klare Abmachung getroffen haben, sich keine Geschenke zu überreichen, sollten Sie sich daran halten.

Und falls man doch etwas geschenkt bekommt?

Falls Sie dann doch etwas erhalten, freuen Sie sich. Sie können auch sagen: «Ich würde mich freuen, dich bei Gelegenheit zu einem Kaffee oder Drink einzuladen.»

Darf man auch sagen, wenn einem ein Geschenk nicht gefällt?

Grundsätzlich gilt: Geschenke sind freiwillige Gaben, auf die Sie keinen Anspruch haben. Deswegen wirkt es undankbar, wenn Sie offensive Kritik üben. Erhalten Sie jedoch zum wiederholten Mal Dinge, mit denen Sie nichts anfangen können, sollten Sie sich eine Strategie überlegen.

Was schlagen Sie vor?

Falls Sie Interesse heucheln und sagen, das Geschenk sei wunderschön, dann laufen Sie Gefahr, nächstes Jahr wieder ein solches Geschenk zu erhalten. Es ist also Fingerspitzengefühl gefragt. Wenn Sie zum Beispiel ein Parfüm erhalten haben, das Sie nicht ausstehen können, sagen Sie zum Beispiel: «Danke für das Parfüm. Das Flacon ist wunderschön, leider ist der Duft so schwer, dass ich ihn im Alltag nur selten auftragen kann.»

Sind Danksagungskarten für Geschenke ein Muss?

Wenn Sie eine Weihnachtskarte oder ein Geschenk erhalten, ist ein Dankeschön ein absolutes Muss. Dies kann mit einer Karte oder auch mit einem Telefonanruf geschehen. Schicken Sie aber keine SMS. Ausnahme: Vorgedruckte Weihnachtskarten von Firmen mit eingescannten Unterschriften gehören definitiv in den Müll.

Aber die Silvesterglückwünsche versenden doch viele per Massen-SMS an die ganze Kontaktliste.

Das ist definitiv out. Lieber keine SMS als eine Massen-SMS. Nehmen Sie sich lieber einen kurzen Moment Zeit und überlegen Sie sich, was Sie mit der Person, der Sie einen guten Start ins neue Jahr wünschen, verbindet. Ein einziger persönlicher Satz als SMS ist mehr wert als alle vorgefertigten Sprüche.

Es ist Mitternacht an Silvester. Man stösst auf das neue Jahr an. Darf dies auch mit Wasser geschehen?

Die Regel, dass man nicht mit Wasser anstossen darf, ist überholt. Immer mehr Menschen verzichten auf Alkohol, dies aus gesundheitlichen Gründen oder weil sie noch Auto fahren müssen.

Wie serviert man das Wasser denn?

Servieren Sie das Mineralwasser ebenfalls in einem Glas mit Stiel. Dann können alle miteinander anstossen.