In den letzten Wochen musste der Bergdietiker Gemeinderat einiges einstecken. Im Zusammenhang mit dem geplanten Seniorenzentrum wurden ihm von einer kleinen Gruppe von Gegnern böse Vorwürfe gemacht: Er lüge, er vertusche, er verheimliche, er kommuniziere nicht.

«Unsachliche Angriffe»

Besonders häufig angegriffen wurden Gemeindeammann Gerhart Isler und Gemeinderätin Brigitte Diggelmann, die für das Projekt zuständig ist. Bei ihr hat das Ganze nun Spuren hinterlassen: Sie tritt per sofort aus ihrer Partei, der FDP, aus, wie sie in einer Mitteilung schreibt.

In Zukunft werde sie sich parteilos für die Gemeinde engagieren, schreibt Diggelmann, die 13 Jahre lang in der FDP war.

«Weder der Vorstand noch die Parteimitglieder haben mich in meiner Arbeit getragen oder unterstützt», begründet Diggelmann den Schritt. Die Partei habe sich bis heute nie distanziert von den «teilweise höchst unsachlichen und persönlichen Angriffen», sagt sie. Im Gegenteil: Diese seien teilweise noch durch ihre Parteikollegen an die Öffentlichkeit getragen worden.

Respekt und Anstand seien Grundpfeiler der Demokratie, sagt Diggelmann und verweist auf ein Zitat des Schweizer Aphoristikers Paul Schibler, das ihr aus dem Herzen spreche: «Anstand ist Respekt vor der Würde des anderen.»

Dies habe ihr in letzter Zeit gefehlt, sagt Diggelmann: Sie wünsche der FDP, dass sie sich wieder als Ortspartei profilieren könne und von der Bevölkerung als sachliche und engagierte Partei wahrgenommen werde.

Der Präsident der FDP, Rouven Schulthess, zeigt sich auf Anfrage «überrascht und enttäuscht» über den Austritt. Dass Brigitte Diggelmann, die soeben wieder als FDP-Mitglied in den Gemeinderat gewählt worden sei, die Partei nun verlasse, sei bedauerlich.

Diggelmanns Vorwurf, die Partei habe sie nicht getragen, müsse er aber zurückweisen, sagt Schulthess. «Wir haben Brigitte Diggelmann und ihre Projekte immer unterstützt.»

FDP-Präsident will Gespräch suchen

Zwar wisse er, so Schulthess, dass gewisse Mitglieder der FDP das Pflegezentrum bekämpft hätten – und es sei ihm auch bewusst, dass dies für eine Gemeinderätin schwierig sei.

Doch könne er seinen Parteikollegen nicht verbieten, sich gegen ein Projekt zu stellen. Auf jeden Fall werde er nun das Gespräch mit Brigitte Diggelmann suchen, um die Hintergründe zu klären.