Uitikon
Knatsch um eine Abdankung

Die reformierte Kirche verwahrt sich gegen Vorwürfe, sie sei bei der Beerdigung eines Mannes, der nie einer Kirche angehört hatte, pietätlos gewesen.

Flavio Fuoli
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«Unbürokratisch gehandelt» – Kirchenraum für Abdankung in Uitikon zur Verfügung gestellt. fuo/archiv

«Unbürokratisch gehandelt» – Kirchenraum für Abdankung in Uitikon zur Verfügung gestellt. fuo/archiv

Limmattaler Zeitung

Diese Geschichte handelt von Missverständnissen und wunden Seelen von Trauernden. Was war geschehen? Der Uitiker Albert Jeckelmann wollte einen guten Freund, der nie einer Kirche angehört hatte, bestatten lassen und dazu eine Abdankung in der reformierten Kirche durchführen. Wie Jeckelmann in einem offenen Brief schreibt, habe sich der Uitiker Pfarrer, Vincent Chaignat, geweigert, den Kirchenraum zur Verfügung zu stellen. Ferner soll er Jeckelmann «Unflätigkeiten» an den Kopf geworfen haben.

Auch die Uitiker Zivilstandsbeamtin kommt im Brief nicht gut weg. Sie soll wegen der Kirchenlosigkeit des Toten gesagt haben, «man müsse sich das halt im Alter von zwanzig Jahren überlegen.» Taktlos sei es zudem gewesen, die 500 Franken, welche die Kirchenpflege für die Benützung der Kirche verlangt habe, bereits knapp eine Woche vor der Beisetzung einzufordern. Die hinterbliebene Ehefrau sei darob zusammen- gebrochen und benötige verschiedene Hilfen.

«Ging nicht ums Geld»

Jeckelmann betonte gegenüber der az Limmattaler Zeitung, es gehe nicht um die 500 Franken, sondern darum, dass die Rechnung gekommen sei, bevor jemand bestattet worden ist.

François Schneider, Präsident der reformierten Kirchenpflege, geht in einer Stellungnahme den Fall grundsätzlich an. Weder der Verstorbene noch die Witwe noch Jeckelmann seien oder waren Mitglieder der reformierten Landeskirche des Kantons Zürich gewesen. Die Kirchenordnung halte jedoch fest, dass aus seelsorgerischen Gründen dennoch eine Abdankung gehalten werden könne.

Die Trauerfamilie habe bewusst auf eine christliche Abdankung, auf die Unterstützung des Pfarrers und auf eine seelsorgerliche Betreuung verzichtet. Gemäss Kirchenordnung ist eine Abdankung, die Jeckelmann ja hielt, in der Kirche ein Gottesdienst.

Die Leitung des Gottesdienstes liege beim Pfarrer. Ausnahmen bedürfen der Zustimmung der Kirchenpflege und des Pfarramts. «Pfarrer Vincent Chaignat», so François Schneider weiter, «hat Jeckelmann darauf hingewiesen, dass er diese theologische Ausbildung nicht habe, was dieser umgehend bestätigte. Diesen Hinweis empfand Albert Jeckelmann wohl als unflätig.»

«Ich habe nur Fakten gesagt»

Pfarrer Vincent Chaignat, seit vielen Jahren Pfarrer in Uitikon, verwahrt sich dagegen, er habe Jeckelmann Unflätigkeiten an den Kopf geworfen. «Ich habe mich an die Weisung des Kirchenrats gehalten für den Dienst an Nichtmitgliedern.» Er habe lediglich Fakten genannt. Beispielsweise, dass die Mitglieder der reformierten Kirchgemeinde mit ihren Kirchensteuern einen Solidaritätsbeitrag leisten.

François Schneider ergänzt: «Dank diesen Menschen sind wir eine lebendige und aktive Kirchgemeinde, die sich für die Kinder, Jugendlichen, Erwachsenen und älteren Mitmenschen einsetzen kann.»

«Drohung ohne Relevanz»

Im Weitern teilt der Kirchenpflegepräsident mit, dass die Drohung von Jeckelmann gegenüber Pfarrer Chaignat, an die Presse zu gelangen, falls ihm der Kirchenraum nicht zur Verfügung gestellt würde, keine Relevanz habe. Dieser Entscheid liege allein in der Kompetenz der Kirchenpflege. In diesem Falle habe die Kirchenpflege ganz unbürokratisch gehandelt, sei der Trauerfamilie entgegengekommen und habe dem Anliegen zugestimmt.

Schneider entschuldigt sich hingegen für das Missverständnis, die Rechnung der Witwe statt dem Veranstalter zukommen zu lassen. Die Kirchenpflege entschuldige sich dafür in aller Form. Alle anderen Vorwürfe von Jeckelmann seien überdies haltlos.

Auch die Zivilstandsbeamtin verwahrt sich gegen die Vorwürfe an sie. «Ich habe das nicht gesagt. Sie sind haltlos.»

Kirchenpflegepräsident Schneider bedauert es gegenüber der az Limmattaler Zeitung, dass Albert Jeckelmann bei Problemen nicht den Kontakt zur Führung der Kirchgemeinde aufgenommen habe. Seiner persönlichen Meinung nach sei es falsch, einen Tag nach der Abdankung einen Brief rauszulassen: «So geht man nicht mit den Leuten um. Meine Art ist es jedenfalls nicht.»