Schlieren

Knatsch um Design der Limmattalbahn sei ein Veloständer-Problem

Aus Sicht des Grünen Dominik Ritzmann ist das Design kalt und grau. Das Parlament will aber nicht, dass es bekämpft wird.

Aus Sicht des Grünen Dominik Ritzmann ist das Design kalt und grau. Das Parlament will aber nicht, dass es bekämpft wird.

Das Schlieremer Parlament will nicht, dass der Stadtrat wegen des Designs der Limmattalbahn bei der Aargau Verkehr AG interveniert.

Die Schlussabstimmung ging haarscharf zu Ungunsten von Dominik Ritzmann (Grüne) aus. Denn an der Sitzung vom Montag schickte das Schlieremer Gemeindeparlament sein Postulat mit 16 zu 15 Stimmen bachab. Zuvor entstand aber eine lebhafte Diskussion über das vermeintlich graue Design der Limmattalbahn, Ästhetik und den Einfluss der Stadt Schlieren bei solchen Entscheiden.

Im Postulat, das der Stadtrat nicht entgegennehmen wollte, moniert Ritzmann, dass das geplante Aussehen der Limmattalbahn, die ab Ende 2022 zwischen Zürich Altstetten und Killwangen Spreitenbach verkehrt, kalt und grau sei. Das Betreiber-­Logo der Aargau Verkehr AG (AVA) sei sehr auffällig platziert. Der Stadtrat solle daher darauf hinwirken, dass das Aussehen der Bahn zum Identifikationsmerkmal der Region werde.

Am Montag wollte Ritzmann erst mit einem Missverständnis aufräumen. So habe die Berichterstattung diverser Medien ­seinen Vorstoss mit einem Anti-­Aargau-Reflex begründet. «Ein Aargauer Radiosender fragte mich sogar, was ich denn gegen den Aargau habe», sagte er mit einem Schmunzeln. Sein Postulat richte sich jedoch nicht gegen den Nachbarkanton, sondern gegen das an Langweile und Trostlosigkeit kaum zu überbietende Design. Die Begründung des Stadtrates, man habe keinen Einfluss auf solche Entscheide, will er nicht gelten lassen. «Geht man mit dieser Einstellung in Verhandlungen, hat man wohl wirklich keinen Einfluss.»

Werkvorstand Andreas Kriesi (GLP) sagte: «Immerhin erinnert der blaue Streifen auf der Seite an die Limmat.» Wäre das Tram im Sinne des Postulanten designt worden, würde wohl auch dieses kritisiert. Für die bürgerliche Ratsseite war die ganze Diskussion überflüssig. «Dies grenzt an Zeitverschwendung», sagte Markus Weiersmüller im Namen der FDP. Boris Steffen (SVP) sagte, die AVA habe die Submission gewonnen und somit das Recht, ihr Logo auf dem Wagen zu platzieren. Anschliessend zeigte er ein Tram aus Basel: «Dieses Tram wurde lediglich grün angemalt, was auch kein wahnsinnig gutes Design ist.» SVP-Gemeinderat Thomas Grädel nutzte seine Redezeit, um daran zu erinnern, dass er und Teile der Bevölkerung die Bahn über Jahre bekämpft hatten. «Auch mit einem anderen Design wird die Bahn nicht akzeptiert werden.» Gemeinderatspräsident Sasa Stajic (FDP) musste ihn mahnen, beim Thema zu bleiben. Daniel Frey, ebenfalls von der FDP, nannte die Diskussion ein typisches «Veloständer-Problem»: «Sie ist völlig irrelevant und nutzlos, aber jeder hat eine Meinung.»

Marc Folini (GLP) teilte die Meinung Ritzmanns bezüglich des Designs. «Es wäre schön, wenn es herzlich, mutig und einladend wäre.» Wolle man aber wirklich etwas bewegen, müsste eine Petition lanciert werden, da die Möglichkeiten des Stadtrates tatsächlich begrenzt seien.

Ursprünglich war ein grünes Design vorgesehen

Zum Schluss meldete sich auch Stadtpräsident Markus Bärtschiger (SP) zu Wort, der als Einziger dabei war, als über das Aussehen der Bahn entschieden wurde. Er sitzt gemeinsam mit anderen Gemeindevertretern im Lenkungsausschuss der Limmattalbahn. «Der Dietiker Stadtpräsident Roger Bachmann und ich wehrten uns mit Vehemenz gegen den ursprünglichen Entwurf», so Bärtschiger. Dieser sei komplett anders als der nun vorliegende gewesen.

Man habe klar zu verstehen gegeben, dass das Design von der Bevölkerung akzeptiert ­werden müsse, und vorgeschlagen, Blau und Weiss anstelle des damals vorgeschlagenen Grün zu verwenden. «Der Stadtrat hat sich bereits gegen ein Design ­gewehrt, das Ihnen sicher ­weitaus weniger gefallen hätte und weitaus weniger zeitlos ­gewesen wäre als das nun vor­liegende.»

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