Kloster Fahr

Kloster Fahr: Diese Melodien lassen die Nackenhaare aufstellen

Die Sopranistin Anna Pisareva, begleitet von Michel Willi an der Viola.

Die Sopranistin Anna Pisareva, begleitet von Michel Willi an der Viola.

Zum zehnten Mal füllte das Schweizer Oktett mit seinen Pfingstkonzerten die Klosterkirche mit erstklassiger Musik. Gespielt wurde «Sommernachtstraum» und die Musiker bewiesen, dass es sie verschiedenen Stimmen zu einem Ganzen verschmelzen kann.

Die Violinenspieler Jens Lohmann und Paul Scharf hatten schon in der Ouvertüre kaum Zeit zum Blättern. Während Läufen in schier unglaublicher Geschwindigkeit hätte mancher Zuhörer beinahe das Atmen vergessen. Das Oktett bewies am Pfingstkonzert «Sommernachtstraum», dass es die verschiedenen Stimmen im Fortissimo, sowie auch im Piano zu einem erstklassigen Ganzen verschmelzen lassen kann.

Es schien als wollten die Noten einander einholen

Die Akustik der Klosterkirche war für die schnellen Tonabfolgen allerdings nicht optimal: Durch den Nachhall verschmolzen die Klänge teilweise ungewollt. Es war, als ob die Noten einander einholen wollten – als würden sie um die Wette rennen. Laut Musiker Gallus Burkhard sei die Akustik der Kirche tatsächlich nicht ideal für schnelle Stücke, aber die ruhige und friedliche Atmosphäre in den historischen Mauern mache dies allemal wett.

Klassik auf hohem Niveau

Klarinettist Fabio Di Càsola und Matthias Bühlmann am Fagott lieferten sich einen hochklassigen Schlagabtausch von schnellen Läufen und emotional geladenen Stimmungsbögen im Konzertstück 113 von Felix Mendelssohn. Jonas Iten am Cello blickte währenddessen verträumt an die reich geschmückte Decke des Kirchenschiffs oder schloss die Augen und schien vollständig in der Musik aufzugehen.

Gallus Burkhard, der Dietiker am Kontrabass, kommentiere: «Für uns Musiker ist ein solches Konzert immer eine Gratwanderung.» Auf der einen Seite müssten die Profis die Musik geniessen können, um ihr Ausdruck zu verleihen.

Anderseits sei die vollständige Fokussierung und ungeteilte Konzentration auf die Noten, den Klang und das Zusammenspiel unabdingbar. Die Gratwanderung gelang: Den Zuhörer stellten sich an mehreren Stellen die Nackenhaare auf, als das Oktett Melancholie und Leichtigkeit gekonnt ineinander verschmelzen liess.

Anna Pisareva, die Sopranistin aus Weissrussland, sang sich in der dreiteiligen Kantate «Ich habe genug» von Johann Sebastian Bach in die Herzen der rund 100 Zuhörer. Sie füllte mit ihrer kraftvollen Stimme jede Ecke, jeden Winkel der Klosterkirche.

Die Solistin im grünen Abendkleid erntete tosenden Applaus, der zwar verdient, in der Kirche aber sehr ungewohnt war. Die Benediktinerschwestern liessen sich jedoch ob dem lauten Beifall nicht beirren. «Bei einer solchen Spitzenleistung gehört das Klatschen dazu», sagte Schwester Raimunda nach dem Konzert mit leicht geröteten Wangen.

«Schwestern sind unser Fanklub»

Einen Frühling ohne die Pfingstkonzerte des Schweizer Oktetts kann sich Priorin Irene Gassmann kaum mehr vorstellen. In den letzten zehn Jahren sei der Anlass zur Tradition geworden. «Es ist ein gemeinsames Werk: Wir geben den Raum und sie füllen ihn mit Musik», erklärte die Priorin. Die lange und erfolgreiche Zusammenarbeit freut beide Seiten. «Die Schwestern sind ein Stück weit zu unserem Fanklub geworden», sagt Gallus Burkard nicht ohne Stolz.

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