Dietikon
Kleinwasserkraft in Dietikon lässt auf sich warten

Die Stadt prüft Kleinwasserkraftwerke. In den Plänen des kantonalen Amts für Abfall, Wasser und Energie (AWEL) befinden sich zwei Standorte in der Reppisch in Dietikon. Gleichzeitig erhöht ddas Flusskraftwerk die Effizienz.

Sophie Rüesch
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Hier in der Grunschen beim Zufluss zum Marmoriweiher befindet sich einer der beiden Dietiker Standorte, die der Kanton zu Planung von Kleinwasserkraftwerken freigegeben hat.

Hier in der Grunschen beim Zufluss zum Marmoriweiher befindet sich einer der beiden Dietiker Standorte, die der Kanton zu Planung von Kleinwasserkraftwerken freigegeben hat.

Limmattaler Zeitung

Flusskraftwerk Dietikon: Leistung soll erhöht werden

Das AWEL erklärte das Energiepotenzial von Kleinwasserkraftwerken im Kanton als gering. Es betont in seinem Bericht, dass bei der langfristigen Planung eine Leistungssteigerung der bestehenden grossen Kraftwerke im Vordergrund stehe. Auch für das von den Elektrizitätswerken des Kantons Zürich (EKZ) geführte Limmat-Flusskraftwerk Dietikon laufen zurzeit solche Planungen. Es wird seit Ende 2011 mit einer provisorischen Betriebsbewilligung geführt; im Rahmen der Konzessionserneuerung werden nun auch Massnahmen zur Effizienzsteigerung geplant. Dies soll einerseits durch den Ersatz der beiden Kaplan-Maschinen geschehen, wie Roland Sutter, Projektleiter Engineering Anlagebau beim Flusskraftwerk Dietikon, erklärt. Die aktuellen Maschinen stammen noch aus den 30er-Jahren. «Mit neuen würden wir eine höhere Effizienz erreichen», sagt Sutter. Für die Hauptanlage selber sei gegenüber dem Ursprungszustand zwar eine Minderproduktion zu erwarten. «Wegen höheren Restwassers und zusätzlichen Fischwanderhilfen steht ein geringeres Energiedargebot zur Verfügung», so Sutter. Doch da die deutlich grössere Restwassermenge künftig mit einem Dotierkraftwerk verarbeitet werden soll, wird trotzdem eine Erhöhung der Stromproduktion um rund zehn Prozent erreicht. Damit könnten statt 18 Millionen rund 20 Millionen kWh jährlich erzeugt werden. «Die erwartete Mehrproduktion entspricht dem Verbrauch von rund 430 Haushalten», so Sutter.

Im Limmattal stehen neue Kleinwasserkraftwerke nach wie vor zur Diskussion. In den Plänen des kantonalen Amts für Abfall, Wasser, Energie und Luft (AWEL), die am 5. Juli präsentiert wurden, befinden sich zwei der möglichen 13 Standorte in der Reppisch in Dietikon: einer bei der Zelglibrücke zwischen Bergstrasse und oberer Reppischstrasse, ein anderer am Gaissteg beim Zufluss zum Marmoriweiher. Deren mutmassliches Energiepotenzial beträgt laut AWEL jährlich 25, respektive 40 Bruttokilowatt.

Arthur Huber, Leiter der städtischen Infrastrukturabteilung, bestätigt, dass Kleinwasserkraftwerke in der Dietiker Reppisch noch nicht vom Tisch seien. Ob und wann das Thema konkret angegangen werde, weiss aber weder er noch Infrastrukturvorsteher Roger Brunner (SVP).

An der Medienorientierung erklärte das AWEL, dass einige Projekte bereits in der Pipeline seien; welche das sind, wollte es aber nicht bekannt geben. Laut dem Leiter des Stadtplanungsamts, Jürg Bösch, gehört keiner der Dietiker Standorte dazu: «Im Moment laufen im Stadtplanungsamt keine Planungen zu Flusswasserkraftwerken.»

Fische müssen passieren können

Was ist ein Kleinwasserkraftwerk?

Als Kleinwasserkraftwerke werden verschiedenartige Wasserkraftanlagen mit bis zu 10 Megawatt Leistung bezeichnet. Sie sind meist an kleinen Flüssen gebaut und funktionieren im Prinzip wie grosse Wasserkraftwerke, produzieren aber deutlich weniger Strom.

Zum jetzigen Zeitpunkt sei erst klar, dass der Bau der Kleinwasserkraftwerke durch das AWEL im Zusammenhang mit einer Studie zur Aufwertung der Reppisch geprüft würde, sagt Infrastrukturleiter Huber. Im Bereich der vorgeschlagenen Stellen befänden sich zwei Gewässerabstürze, die von Fischen nicht passiert werden könnten und durchgängig gemacht werden müssten. «Die Idee wäre, dass im Laufe dieser Arbeiten, die ohnehin vorgenommen werden, gleich ein Kleinwasserkraftwerk miteingebaut würde», erklärt Huber.

Zwar habe 2011 eine Machbarkeitsstudie ergeben, dass mit einem Reppisch-Kraftwerk keine wirtschaftlich tragbare Stromproduktion erreicht werden könne. «Doch es kann sein, dass ein Kraftwerkbau im Hinblick auf die gesetzten Kosten des Schwellenabbaus trotzdem sinnvoll sein könnte.» Eines sei aber jetzt schon klar: «Die Stromproduktion würde sich stark in Grenzen halten.»

Zudem dürfte bei der Planung eines Reppisch-Kleinkraftwerks das Landschaftsbild nicht beeinträchtigt werden. «Die Reppisch ist ein Naherholungsgebiet. Ein Kraftwerk müsste auch in die Umgebung passen», so Huber. Auch im AWEL-Bericht ist vermerkt, dass ein Kraftwerk an beiden Orten erhöhte Auflagen zu erfüllen habe, da der gesamte Reppischlauf im regionalen Richtplan als ökologische Vernetzung bezeichnet wird.

Stimmvolk hätte letztes Wort

Laut AWEL-Bericht gibt es bei einer Planung noch Weiteres zu bedenken: So müsste ein allfälliges Kraftwerk an beiden Standorten - als ein Teil des erwähnten Reppisch-Aufwertungsprojekts - vom Stimmvolk abgesegnet werden. Beim Standort Dietikon-Gaissteg kommt dazu, dass eine Kraftwerknutzung auf die Wasserrechtskonzession des Marmoriweihers abgestimmt werden müsste.

Zudem vermutet das AWEL an dieser Stelle archäologische Funde, weshalb sämtliche Baupläne durch die Kantonsarchäologie geprüft werden müssten. Darüber hinaus müssten die Steinbogenbrücke und ihre Widerlager erhalten werden. Letztlich wäre eine Waldfeststellung notwendig, da das Kraftwerk vermutlich im Waldabstandsbereich zu liegen käme.