Heute Abend wird Ibrahim Chebli nervös sein. Wenn im Hallenstadion die Scheinwerfer angehen, wenn in den Rängen die wichtigsten Leute aus der Schweizer Musikindustrie Platz nehmen, dann wird er dazugehören. Erstmals.

Dass der 23-jährige Chebli an den diesjährigen Schweizer Music Awards (SMA) dabei ist, hätte er sich vor einem Jahr nicht erträumt. Auch nicht seine drei Kollegen des Musiklabels FM Music Group. Das junge Unternehmen aus Unterengstringen hat sich im vergangenen Jahr auf die grosse Bühne katapultiert: 2014 veröffentlichten sie drei Musikalben, dreimal mischten sie die Hitparade auf.

Mit einem Künstler erklommen sie sogar die Spitze: Mimiks, ein Rapper aus Luzern, stieg mit seinem Debütalbum auf dem ersten Chartplatz ein. In derselben Woche veröffentlichte auch ein anderer Mundartkünstler: Peach Weber. Doch gegen den jungen Rapper hatte der gestandene Komiker das Nachsehen.

Mimiks rappt schnell, präzis und mit viel Energie. Er gilt als das wohl grösste Rap-Talent in der Schweiz. Und deshalb ist er nun für den SMA nominiert. Kategorie: «Best Breaking Act National». Ein Erfolg, zu dem FM Music Group viel beigetragen hat. Chebli sagt: «Wenn Mimiks den Award holt, hoffe ich, dass auch unsere Arbeit mehr Anerkennung findet.»

Mimiks -  Rambogang

Mimiks - Rambogang

Erhoffen sich mehr Wertschätzung

An Anerkennung aus der Musikszene mangelt es nicht. Vielmehr erhoffen sich die vier stärkere Unterstützung vonseiten der Gemeinde oder Partnerfirmen. Bisher klopften sie mit zwei Anliegen bei der Gemeinde an: Sie fragten nach Kulturgeldern und nach leeren Büroräumen.

Nur: In Unterengstringen habe man noch nie Kulturgelder gesprochen, sagt Juerg Engeli, der Gemeindeschreiber. Das könnte sich ändern: In der nächsten Gemeinderatssitzung wollen sie dieses Thema diskutieren. Bei Büroräumen jedoch könnten sie nicht helfen, sagt Engeli. Das Musiklabel werde wie jedes andere privatwirtschaftliche Unternehmen behandelt.

FM Music Group hat Erfolg, aber noch keinen gemeinsamen Büroraum. Derzeit arbeiten alle vier von zu Hause aus. Doch langsam wird es eng. Die beiden Gründer, Fabio Menzi und Nick Hofstetter, arbeiten bereits in einem Vollpensum für ihre GmbH. Chebli ist zu 50 Prozent angestellt. Doch auch er möchte sich sobald wie möglich voll und ganz dem Label widmen. «Es ist mein Traumjob», sagt er.

Mit neuen Künstlern zum Erfolg

Chebli stieg im Oktober 2013 bei dem Label ein. Zuvor, im August, organisierte er ein Open Air im Zürcher Oberland. Mimiks trat dort als Newcomer auf. Und so knüpfte Chebli Kontakt zu Fabio Menzi. Zwei Monate später lud ihn Menzi ein nach Unterengstringen.

Zu einem Vorstellungsgespräch. Chebli wurde eingestellt und übernahm fortan die Vermarktung der Künstler – mit Erfolg. 2014 nahmen sie den Rapper Freezy unter Vertrag, dessen Album im November erschien. Mimiks geht bald mit Stress auf Tour und der Latinmusiker Loco Escrito überzeugte jüngst bei der Sendung «Die grössten Schweizer Talente» das Publikum und die Jury. DJ Bobo meinte: «Jungs, genau so macht man das.»

In diesem Jahr will das Musiklabel expandieren, neue Künstler unter Vertrag nehmen. «Es gibt viele gute Musiker, die noch niemand fördert», sagt Chebli. Neben Hip-Hop und Latin Pop sind sie auch offen für andere Genres. Was aber muss jemand mitbringen? Erstens müsse die Musik überzeugen, zweitens das Auftreten stimmen. Die bisherigen Erfolge zeigen: Die vier Labelbetreiber haben den richtigen Riecher.