Wasser direkt vom Hahn trinken zu können ist ein Luxus, über den nur wenige Länder verfügen. Und doch: Auch in der Schweiz trinken 35 Prozent der Bevölkerung nur gekauftes Mineralwasser. Für Christoph Kellenberger und Ramona Keller ist deshalb klar, dass ihr neustes Produkt, der «DrinkPure Home», grosses Potenzial hat.

Das Schlieremer Start-up Novamen AG will damit einen Wasserfilter auf den Markt bringen, den es in dieser Form noch nirgendwo zu kaufen gibt. Eine speziell entwickelte Membran soll schädliche Bakterien und Pestizide davon abhalten, im Glas zu landen. Durch die Verbindung mit Aktivkohle wird zusätzlich der Geruch des Wassers neutralisiert, wodurch beispielsweise ein Chlor- oder Rostgeschmack verhindert werden kann.

Interessant sei der Wasserfilter, den es ganz einfach auf den Wasserhahn aufzuschrauben gilt, vor allem auch für ausländische Märkte, sagt Kellenberger. Der Ingenieur, der an der ETH Zürich studierte, denkt vor allem an die USA, China, Indien und südamerikanische Länder. Ganz neu im Business sind er und seine Geschäftspartner nicht. Bereits länger auf dem Markt ist ein Reisefilter, mit dem sogar Wasser aus Seen getrunken werden kann. Die Idee, sich nun vom Outdoor-Bereich hin zum Haushaltssektor weiterentwickeln zu wollen, sei durch das Feedback der Endkunden entstanden, so Keller. «An Messen haben uns die Leute immer wieder gefragt, warum es nicht einen Filter gibt, den man zu Hause verwenden kann.»

Kunststoff, Chrom und Edelstahl

Mehr als ein Jahr lang tüftelten die Jungunternehmer nun herum. Jetzt sind sie bereit für die Kickstarter-Kampagne. Gleich drei verschiedene Ausführungen der Filter sollen auf den Markt kommen. Unterscheiden würden sie sich nur aufgrund des Materials, so Kellenberger.

Kunststoff, Chrom- und Edelstahl sollen angeboten werden. Der günstigste «DrinkPure» liegt bei unter 30 Franken, der teuerste kostet knapp 200. Mit dabei ist bereits das erste Filterpad. Dieses könne 500 Liter filtern, sagt Kellenberger. Danach müsse es ausgewechselt werden. Über einen QR-Code, den man zum Zeitpunkt des ersten Gebrauchs einscannen kann, werde man rechtzeitig darauf aufmerksam gemacht, einen neuen Filter einzusetzen. Der Aufsatz sei aber durchaus als Festinstallation geeignet, so Kellenberger. Zwar fliesse etwas weniger Wasser hindurch als gewohnt. «Wir liegen da bei vier bis fünf Liter pro Minute, ähnlich wie das bei Sparsieben der Fall ist», sagt er.

Das Start-up will das neue Produkt vor allem über Social Media bewerben. Auf Facebook hätte das letzte Video bereits über 200 000 Klicks erreicht, sagt Keller. Es sei extrem wichtig, den Leuten einen Einblick zu geben, wie es im Labor aussehe und wer hinter dem Produkt stehe. So gebe es ruhig auch einmal ein Selfie. «Das wollen die Leute eben sehen», sagt Keller und lacht.

Längerfristig stellen sich die Unternehmer eine Kooperation mit verschiedenen Partnern vor. In der Schweiz seien das beispielsweise grössere Supermarktketten oder Anbieter im Do-it- yourself-Bereich. Bevor das geschehe, müsse aber zuerst die Crowdfunding-Kampagne gut anlaufen. Diese startet nun. Ziel sei es, 40 000 Franken zusammenzubekommen, sagt Kellenberger.

Dieses Kapital sei alleine notwendig, um die Spritzgusswerkzeuge herstellen zu können. Erst dann könne man die Serienproduktion starten. «Alle, die unsere Kampagne jetzt unterstützen, werden im März 2018 ihren Filter bekommen», verspricht Kellenberger. Der Unternehmer ist zuversichtlich. Es sei schliesslich nicht das erste Produkt, das auf den Markt komme. Durch die Lancierung des ersten Filters habe man bereits wertvolle Erfahrungen sammeln können und wisse nun, wo die Schwierigkeiten liegen.

Produzieren lassen will das Team die Wasserfilter in Norditalien. Die Membran wird immer noch in Zürich am Hönggerberg an der ETH hergestellt. «Wir haben das Glück, dort tageweise mieten zu können. Die Membran ist die Kerntechnologie und das, was daran Hightech ist», so Kellenberger. So komplex wie das Ganze aber in der Theorie klinge, so einfach sei die Installation des Filters dann zu Hause. Und tatsächlich: Innert weniger als einer Minute sitzt der «DrinkPure» fest auf dem Hahn.