Dietikon
Kleine Veränderungen in Dietikon machen den Unterschied

Der Umbau von Migros und Bahnhof bringen Leben ins Zentrum – und auch sonst ist vieles im Wandel. Unter anderem gehört dazu das Café Spettacolo, dass seit vergangenem Donnerstag direkten, offenen Zugang zum Bahnhofplatz hat.

Gioia Lenggenhager
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Kleine Veränderungen in Dietikon machen den Unterschied
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Die neue Bäckerei Sila am Kirchplatz kommt gut an.
Das Café Spettacolo bringt Leben ins Zentrum.
Konstante im Bahnhofsgebäude: Der Kiosk bleibt.

Kleine Veränderungen in Dietikon machen den Unterschied

Gioia Lenggenhager

Da Dietikon keinen historischen Kern wie die malerischen Altstädte von Zürich oder Baden hat, ringt die Stadt seit Jahren um Lebendigkeit im Zentrum. Die Laufkundschaft fehlt. Dementsprechend gibt es häufig Veränderungen in und um das Zentrum. In den letzten Monaten hat sich das Gefühl beim Spaziergang im Stadtzentrum zum Positiven verändert. Dies vor allem dank Neuerungen am Bahnhof und am Kirchplatz.

Ab morgen kann man wieder in der Migros im Löwenzentrum einkaufen. Für die Vereinigung Zentrum Dietikon stellt der umgebaute Lebensmittelladen eine einschneidende Veränderung im Zentrum dar. «Diese grosse, modernisierte Migros macht das Zentrum wirklich attraktiv», sagt Sabine Billeter, Leiterin der Geschäftsstelle Vereinigung Zentrum Dietikon.

Die Zentrumsvereinigung arbeitet schon seit Jahren im Schulterschluss mit der Standortförderung für die Gestaltung eines attraktiveren Stadtzentrums. Im Fokus stehen die Verkehrsführung und der Branchenmix.

«Kleine, aber wichtige Schritte»

Punkto Verkehrsführung erfährt das Stadtzentrum morgen eine weitere Verbesserung. Dank der neuen unterirdischen Verbindung zwischen dem Parkhaus Löwenzentrum und dem Parkhaus unter der Überbauung «Nextra» kann die Ausfahrt auf die Löwenstrasse geschlossen werden.

Davon würden vor allem die Fussgänger profitieren, sagt Jasmina Ritz, Leiterin der Standortförderung. «Einkaufen im Zentrum soll attraktiv sein, ohne dass dabei die Erreichbarkeit eingeschränkt wird.» Die Migros und das Verbindungsbauwerk seien kleine, aber wichtige Schritte in der Attraktivitätssteigerung des Zentrums, sagt Ritz. Zudem kämen neue Läden in das Bahnhofsgebäude, das zurzeit fast komplett umgebaut wird.

Spettacolo bringt Farbe ins Zentrum

In der früheren Schalterhalle hat das Café Spettacolo seit vergangenem Donnerstag direkten, offenen Zugang zum Bahnhofplatz und dem rückwärtigen Perron eins. Das Café bringt damit Leben auf die einst düstere Betonfläche. «Dank dem besseren Standort haben wir merklich mehr Kunden», sagt Andi Koch, Geschäftsführer des Spettacolo. Jetzt könne man seinen Cappuccino an der Sonne trinken und dabei die Menschen an den Bushaltestellen beobachten.

Andere Läden im Bahnhofsgebäude machen ebenfalls eine Rochade. Der Kebab-Stand neben dem Kiosk zieht Mitte Mai in einen Anbau an der Nordseite des Bahnhofgebäudes und macht damit Platz für einen Brezelkönig-Stand. Wo einst das Café Spettacolo war, eröffnet bald eine neue Spar-Filiale, die dank langen Öffnungszeiten die Menschen ins Zentrum locken soll. Einzig der Kiosk bleibt an seinem Stammplatz.

Was einst Dietikons «Swiss Corner» am Bahnhofplatz war, nennt sich heute «Food Corner». Der Namens- und Betreiberwechsel hat sonst aber wenig Veränderung gebracht. Der «Food Corner» serviert statt eingeklemmten Cordon bleus und Hotdogs heute Kebab, Hamburger, Pizza und Pasta. Das Geschäft laufe im Moment recht ruhig, sagt Remzi Kaymak, Geschäftsführer. Doch er ist optimistisch: «Das ist nur, bis wir die Kundschaft besser kennen.»

Baklava versüssen die Mittagspause

Ein neuer Besuchermagnet ist die Bäckerei «Sila» am Kirchplatz, wo an sonnigen Tagen viele ihre Mittagspause an der frischen Luft verbringen. Das Geschäft laufe ausgezeichnet. «Jeder Tag wird noch besser», sagt Dilek Celik, die ihrer Kundschaft auch bei dem kleinsten Einkauf ein Glas Schwarztee anbietet. «Das schätzen die Leute sehr», sagt Celik. Sie fühle sich, als habe sie in den fünf Monaten seit der Eröffnung der Bäckerei halb Dietikon kennen gelernt.

Für ihr Angebot würden sogar extra Kunden aus Schlieren anreisen. Ihr Erfolgsrezept: dreimal täglich frisches Brot und unzählige Süssigkeiten aus dem Balkan. Baklava, ein traditionelles Dessertgebäck aus Blätterteig, laufe besonders gut. Ein weiterer Verkaufsschlager ist das ringförmige Sesambrot. Es sieht aus wie frisch vom Strassenhändler in Istanbul.

Verkaufsflächen stehen leer

Doch der Wandel kennt auch Verlierer. Während die einen der Nachfrage fast nicht gewachsen sind, müssen die anderen ihre Tore schliessen. Wo einst Kemal Toruns Lebensmittelgeschäft namens «Jet Market» neben dem Hotel Sommerau frisches Gemüse anbot, stehen heute nur noch leere Gestelle. Der Aldi an der Zürcherstrasse direkt gegenüber hat den kleinen Markt des gebürtigen Türken verdrängt. Torun sucht jetzt eine neue Stelle. «Ich weiss nicht, was ich machen soll», sagt er.

Ein anderer Wermutstropfen: Die Verkaufsflächen wo einst der SportXX und Melectronics waren, werden ab morgen leer stehen – sobald die provisorische Migros zurück in das Löwenzentrum gezügelt ist. «Bei ungenutzten Verkaufsflächen haben wir eher Überhang als Mangel», sagt Ritz von der Standortförderung. Nach einem geeigneten Mieter für die leere Verkaufsfläche wird noch gesucht.

Für die Geschäftsfläche des ehemaligen Marka-Sport hat sich ein interessierter Nachmieter gemeldet. Billeter spricht von einem Bar-Lounge-Betrieb. Wo einst Nagelschuhe und Tennisbälle über die Theke gingen, könnte also bald Bier gezapft werden.