Dietikon
Kleiderverbot am Flohmarkt: Querulanten droht Platzverweis

Die Stadtpolizei patrouilliert neu regelmässig auf dem Kirchplatz – die Standbesitzer verstehen nicht, weshalb der Verkauf von Kleidung plötzlich ein Problem darstellt

Anina Gepp
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Was an den Flohmärkten in Zürich fester Bestandteil des Angebots ist, wird in Dietikon neuerdings ganz verboten.

Was an den Flohmärkten in Zürich fester Bestandteil des Angebots ist, wird in Dietikon neuerdings ganz verboten.

KEYSTONE

Seit 20 Jahren verkauft Yvonne Kuster aus Bergdietikon am Flohmarkt Dietikon an ihrem Stand Secondhand-Klamotten. Die ausgetragene Kleidung gibt sie zu kleinen Preisen weiter an Besucher, die sich hochwertige Kleidung nicht leisten können oder einfach gerne ein Schnäppchen machen.

Doch damit ist jetzt Schluss: Der Verkauf von jeglicher Art von Kleidung ist verboten. Die Polizei patrouilliert regelmässig auf dem Kirchplatz und kontrolliert, ob auch niemand der Standbesitzer Klamotten feilbietet. Querulanten werden gebeten, die Waren umgehend wegzuräumen.

Für Kuster ist das plötzliche Verbot unverständlich. Über die Gründe kann sie nur spekulieren. Unter den Standbesitzern werde gemunkelt, das Dietiker Gewerbe habe beim Stadtrat reklamiert, da der Flohmarkt eine direkte Konkurrenz zu den Kleidergeschäften in der Stadt darstelle, sagt die Bergdietikerin.

«Das wäre ein echtes Armutszeugnis für Dietikon.» Doch nicht nur die Standbesitzer würden sich aufregen. Auch die Flohmarktbesucher vermissten das Angebot an schöner Secondhand-Kleidung. «Die Stimmung ist seit dem Verbot gedrückt. Mit dem Verkauf von Kleidung verdienten wir einen Grossteil unseres Umsatzes», so Kuster.

Reklamationen beim Stadtrat

Tatsächlich verbietet die aktuelle Dietiker Kirchplatzverordnung vom September 2012 nach Artikel 9 nicht nur den Verkauf von Messern und Medikamenten. Auch das Anbieten von jeglicher Art von Kleidung ist nicht erlaubt. Neu ist der Abschnitt in der Verordnung nicht, wie Martin Hug der Stadtpolizei Dietikon auf Anfrage sagt.

Bislang habe sich aber niemand daran gestört, dass am Flohmarkt Kleider verkauft wurden. Als in letzter Zeit aber mehrmals Reklamationen bei der Polizei und beim Stadtrat eingegangen sind, kontrolliert die Polizei wieder regelmässig. «Es gab wohl immer mehr Leute, die Kleidung verkauften. Das verdrängt andere typische Produkte vom Flohmarkt», so Hug.

Wer sich aber über den Verkauf von Kleidung am Flohmi beschwerte, will der Polizist aber nicht sagen. Fakt sei, dass es seine Aufgabe sei umzusetzen, was in der Kirchplatzverordnung vorgegeben sei. Persönlich habe er wohl Verständnis für den Ärger der Flohmarktverkäufer. Einige Personen hätten die Bewilligungskarte aus diesem Grund auch nicht mehr wieder gekauft.

In Zürich stösst das Kleiderverbot am Flohmarkt Dietikon ebenfalls auf Unverständnis. «Klamotten sind bei uns ein fester Bestandteil des Angebots», sagt Vice Marsic, Marktaufseher am Flohmarkt Kanzlei. Es sei schade, Kleidung einfach wegzuwerfen, wenn man sie noch zu einem guten Preis weitergeben könne. Viele Besucher in Zürich seien noch so froh, günstig an fast neuwertige Waren zu kommen. In einer Zeit, in der jeder zu viel einkaufe sei es umso wichtiger, die Flohmarktkultur weiterhin zu pflegen, so Marsic.

Platzverweise sind möglich

Yvonne Kuster und weitere Flohmarktverkäufer in Dietikon wollen sich das Verbot nicht gefallen lassen und sich nun an den Stadtrat wenden. «Wir werden ihn bitten, über den entsprechenden Artikel in der Kirchplatzverordnung erneut zu befinden», so Kuster. Man wolle keinen Streit, sondern lediglich verstehen, weshalb es plötzlich ein Problem ist, dass am Flohmarkt Kleidung verkauft wird.

Bislang hat Polizist Hug bei Verstössen gegen die Regelung die Verkäufer in Dietikon höflich gebeten, die Kleidung wegzuräumen. Komme es aber in Zukunft vor, dass sich jemand nicht an das Verbot hält, sehe er sich gezwungen, weitere Massnahmen zu prüfen. «infrage kommen Platzverweise oder ein Entzug der Bewilligung», so Hug.