Dietikon

Klatschen allein reicht nicht aus: Das Pflegepersonal soll höhere Löhne erhalten

Im März sagte die Schweiz dem Pflegepersonal Danke, indem im ganzen Land auf den Balkonen geklatscht wurde.

Im März sagte die Schweiz dem Pflegepersonal Danke, indem im ganzen Land auf den Balkonen geklatscht wurde.

Die Aescher Kantonsrätin Janine Vannaz (CVP) fordert bessere Anstellungsverhältnisse in der medizinischen Pflege.

Es sind Themen, die angesichts der Coronakrise wieder stärker in den öffentlichen Fokus gerückt sind – die Arbeits- und Lohnbedingungen in der Pflege. Diesen widmet sich auch die Aescher CVP-Kantonsrätin Janine Vannaz in ihrer ersten Anfrage, die sie kürzlich beim Zürcher Regierungsrat eingereicht hat.

«Auf Danken folgt Franken – bessere Löhne und Anstellungsverhältnisse für medizinisches Pflegepersonal» lautet der Titel des Vorstosses der Sozial- und Kulturvorständin der Gemeinde Aesch. «Das Thema ist schon jahrelang am Brodeln, doch mit dem Coronavirus, der Pflegeinitiative auf Bundesebene und dem Thema der Systemrelevanz kam es noch viel klarer zum Vorschein», sagt Vannaz. Tatsächlich sei das Coronavirus der Trumpf, der den Regierungsrat nun zum Nach- und Umdenken bewegen solle.

CVP-Fraktionspräsidentin Yvonne Bürgin war zur Stelle

Beim Erstellen ihrer ersten Anfrage wurde Vannaz, die seit letztem Dezember als Nachfolgerin von Josef Wiederkehr (CVP, Dietikon) im Kantonsrat sitzt, von CVP-­Fraktionspräsidentin und alt Kantonsratspräsidentin Yvonne Bürgin unterstützt, die die Anfrage mitunterzeichnete. «Ich hatte die Idee, der Feinschliff kam von Yvonne ­Bürgin», sagt Vannaz.

In ihrer Anfrage bittet Vannaz um Auskunft über den aktuellen Bestand an medizinischem Pflegepersonal im Kanton, die zukünftige Akquirierung und die Ausbildungssituation. Zudem setzt sie sich mit den Möglichkeiten der Entlastung für das Pflegepersonal auseinander. Deshalb will sie vom Regierungsrat wissen, welche Möglichkeiten ergriffen werden können, um vermehrt Teilzeitstellen zu fördern. Weiter interessiert es sie, was der Kanton unternehme, damit das Pflegepersonal von den vielen anfallenden administrativen Arbeiten entlastet wird. «Der Administrationsaufwand hat allgemein zugenommen und auch vor den Pflegemitarbeitern nicht Halt gemacht», schreiben Vannaz und Bürgin.

In den letzten Fragen gehen sie auf die Möglichkeit ein, den Pflegeberuf beispielsweise durch Lohnerhöhungen beliebter zu machen. Konkret fragen die Politikerinnen: «Wie kann ein Pflegeberuf auch vermehrt für Männer attraktiv sein?» Vannaz erklärt auf Rückfrage: «Es ist ein typischer Frauenberuf. Wenn man in der Geschichte zurückschaut, sind das eher schlecht bezahlte Berufe.» Das wolle sie nun ändern.

«Ich sehe gute Chancen, dass nun etwas geschieht»

«Ich sehe gute Chancen, dass nun ­etwas geschieht», sagt Vannaz. Wenn der Regierungsrat die einzelnen Fragen beantworte, werde er die Schwachpunkte erkennen und sehen, wo man Massnahmen ergreifen müsse. «Ich denke jedenfalls nicht, dass der Regierungsrat zum Schluss kommt, dass alles fantastisch ist», ­sagt Vannaz. Die Lösung für das viel diskutierte Problem des Pflege­notstands sieht Vannaz einerseits in der Verschiebung der Kompetenzen und andererseits in einem grösseren Budget für die Pflege. Ihr Vorschlag wäre, dass Pflegefachpersonen mehr Verantwortung übernehmen und dadurch Ärzte entlasten und Kosten senken könnten.

Die Lohnhöhe in den Pflege­berufen sei momentan sehr unterschiedlich. Insbesondere die Pflege­assistenten verdienen, ver­glichen mit diplomiertem Pflegepersonal, wenig. «Personaleinsparungen gehen genauso wenig wie tiefe Löhne und vor alllem muss ein ganz grosses Augenmerk auf die Anzahl der Ausbildungsplätze gelegt werden», schreiben ­Vannaz und Bürgin. «Mir ist Gerechtigkeit sehr wichtig», sagt Vannaz. In ihrer Wohngemeinde wie auch im Kantonsrat liege ihr besonders die Förderung der Frau am Herzen.

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